Das umgekehrte Phänomen - scinexx.de
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Das umgekehrte Phänomen

Die Giganten der Inseln

Während sich bei großen Säugetieren wie den Elefanten häufig ein kleiner Körperbau als Überlebensvorteil auf Inseln durchsetzt, beobachten Forscher auch das umgekehrte Phänomen: den Inselgigantismus. Aber welche Vorteile hat ein vergrößerter Körperbau? Und welche Tiere betrifft dieses Phänomen?

Besonders normalerweise kleine Nagetiere entwickeln auf Inseln manchmal deutlich größere Körperformen als auf dem Festland. Die Neigung zum Riesenwuchs lässt sich aber auch bei Leguanen, Geckos und Waranen wie beispielsweise dem Komodowaran beobachten. Und auch dieses Phänomen ist keine neuzeitliche Entwicklung.

Moa
Die Moas galten als Giganten unter den Vögeln. © John Megahan /CC-by-sa 2.0

Fossile Giganten

Beispiele von insellebenden Giganten reichen weit in die Vergangenheit zurück: Beispielsweise zählte der heute ausgestorbene Moa mit zweieinhalb Metern Größe zu den Riesen unter den Vögeln. Die flugunfähigen Moas waren einst die dominierende Tierart in Neuseeland, starben jedoch aus, als im Jahr 1280 vor Christus die ersten Menschen die Insel erreichten und Jagd auf die Giganten machten.

Weitere außergewöhnliche große Vertreter der Vögel haben Forscher im Jahr 2019 auf Neuseeland entdeckt. Darunter ist das Fossil eines riesenhaften Pinguins– er war so groß wie ein kleiner Mensch. Der Urzeit-Vogel ist einer der ältesten und größten weltweit bekannten Pinguine. Mit einer Körperhöhe von rund 1,60 Metern überragte er die größten heute lebenden Pinguine um mindestens 40 Zentimeter.

Ein weiteres Beispiel ist das Fossil des bisher einzigen und größten Riesen-Papagei der Welt. Der rund ein Meter große Vogel lebte etwa vor 16 bis 19 Millionen Jahren und war doppelt so schwer wie der größte heute lebende Papagei. Mit seinem mächtigen Schnabel könnte der Riesen-Papagei vielleicht sogar andere Vögel getötet und gefressen haben.

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Die Größten ihrer Gattung

Und noch heute verfolgen Forscher den Gigantismus auf Inseln – manchmal auch mit berechtigter Besorgnis: Auf der Gough-Insel im Süd-Atlantik sind Mäuse inzwischen so groß geworden, dass sie die dort lebenden Albatros-Küken angreifen. Chris Jones von der britischen Vogelschutzorganisation RSPB erklärt: „Die Seevögel auf Gough sind den Attacken schutzlos ausgeliefert, da sie keine Säugetiere oder auch nur Vierbeiner als natürliche Fressfeinde kennen.“

Der Biologe Frank Chan vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie untersuchte die möglichen Faktoren für den Riesenwuchs von Mäusen. Chan fand heraus, dass sich im Erbgut der Mäusegiganten im Vergleich zu den Mäusen vom Festland 67 Genorte unterscheiden. So wird die Größenzunahme gerade in kleinen Populationen rasant weitervererbt. Aber warum setzen sich Individuen dieser Größe so gut durch?

Üblicherweise kommt es kleinen Mäusen zugute, dass sie viele Fluchtwege nutzen können, um sich vor Fressfeinden zu schützen. „Fehlen jedoch spezialisierte Räuber, wie das häufig auf Inseln der Fall ist, sinkt für viele Arten der Druck, die Körpermaße reduziert zu halten“, formulierte bereits Biologe Lawrence Heaney 1978.

Gigantische Vorteile

Viele Forscher vermuten, dass mehrere Faktoren zum Gigantismus beitragen. Zum einen sind das passende Klima, genügend Wasservorkommen und ein ausreichende Nahrungsangebot Voraussetzungen für das Wachstum der Tiere. Ein weiterer Faktor könnte die Gegenwart von ähnlich großen Fressfeinden sein. Wer sich in seinem Gebiet gegen Fressfeinde gleicher Größe durchsetzen will, profitiert von einem größeren Körperbau. Auch bei der Wahl des Sexualpartners kann es für Weibchen von Interesse sein, sich mit einem möglichst großen Männchen zu paaren, weil dieses robuste Nachkommen verspricht. Biologen bezeichnen dies als sexuelle Selektion – eine Auslese durch die Sexualpartner.

Leguane
Wenn Tiere auf Inseln gigantisch groß werden, können sie zu ungewohnten Fressfeinden werden. © reisegraf/ iStock

Und das Beispiel einer Leguanpopulation auf der Insel Anaho deutet auf einen weiteren möglichen Faktor für Gigantismus hin: Forscher der University of Nevada fanden heraus, dass männliche Leguane um Reviere konkurrieren – ähnlich wie Raubkatzen. Je größer und aggressiver ein Männchen dabei ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es ein Revier mit ausreichend Ressourcen verteidigen kann. Durch die begrenzte Fläche auf Inseln können sich die Leguane nicht beliebig weit verteilen, große Echsen haben hier also einen Überlebensvorteil.

All diese Faktoren zeigen: Ob Zwergwuchs oder Gigantismus – die Lebewesen, die am besten an ihre neue Umgebung angepasst sind, können in der speziellen Umwelt der Inseln überleben und sich fortpflanzen.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Zwerge und Riesen auf Inseln
Dem Phänomen der Inselverzwergung auf der Spur

Die Inseln der Zwerge
Wo finden wir dieses Phänomen?

Ans Umfeld angepasst
Mögliche Ursachen von Verzwergung

Der „Hobbitmensch“
Gibt es Zwergwuchs auch beim Menschen?

Wer war der Homo floresiensis?
Dem Stammbaum der "Hobbits" auf der Spur

Das umgekehrte Phänomen
Die Giganten der Inseln

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