Columbia: Der Anfang vom Ende - scinexx | Das Wissensmagazin
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Columbia: Der Anfang vom Ende

Die zweite Katastrophe nach der Challenger-Explosion

Explosion der Raumfähre Challenger am 28. Januar 1986. Das Shuttle explodiert 81 Sekunden nach dem Start, weil ein Dichtungsring am Feststoff-Triebwerk undicht wurde. © NASA

28. Januar 2003. Der 17. Jahrestag der Challenger-Katastrophe, des Unfalls, der sich dem kollektiven Gedächtnis einprägte wie kaum ein anderer. In vielen Orten auf der Erde gedenkt man in Schweigeminuten der sieben Astronauten, die 1986 bei der Explosion des Space Shuttle Challenger nur gut eine Minute nach dem Start starben.

Auch sieben Astronauten in der Erdumlaufbahn halten kurz in ihrem Tun inne. Die STS-107-Besatzung um Kommandant Rick Husband erinnert sich an das Schicksal ihrer Vorgänger und den schlimmsten Unfall der bemannten Raumfahrt. Die fünf Männer und zwei Frauen an Bord der Raumfähre Columbia ahnen nicht, dass ihr Flug zukünftig im gleichen Atemzug mit STS-51L, dem letzten Start der Challenger, genannt werden wird.

Letzte Videoaufnahme der Columbia-Astronauten. Durch das Fenster ist bereits das Glühen des Wiedereintritts zu erkennen. © NASA-TV

Kritische Phase Wiedereintritt

Samstag, 01. Februar 2003, 12:00 Uhr mittags. Noch läuft alles nach Plan: Im Zwei-Schicht-Betrieb haben die Astronauten alle 80 wissenschaftlichen Experimente erfolgreich abgearbeitet. Jetzt sind die Geräte und Laboreinheiten für die Landung gesichert, auch der routinemäßige Test der Steuerdüsen und Kontrollinstrumente zur Vorbereitung der Landung ist abgeschlossen. Noch fliegt das Shuttle kopfüber und rückwärts, wie für den Aufenthalt in der Umlaufbahn typisch. Um 13:15 Uhr zünden Husband und sein Pilot William McCool die Bremsraketen, die das Schiff in die richtige Orientierung auf Kurs für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre bringen.

13:51 Uhr: Die Columbia passiert gerade den Bereich der größten Reibungshitze. Die Luft unmittelbar über den Hitzeschutzkacheln der Raumfähre erreicht dabei mehr als 1.500°C, die Kacheln der Nase, der Flügelvorderseiten und der Unterseite glühen. Wie üblich erfolgt der Flug durch die Atmosphäre per Autopilot, im Cockpit und am Boden gibt es zunächst keine Hinweise auf eine Fehlfunktion. „Die Kontrolle blieb stabil bei den Rollen, die wir bisher durchgeführt haben. Die Trimmung ist gut, ich sehe nichts Außergewöhnliches“, meldet der Navigationsverantwortliche Mike Sarafin, seine Instrumente ablesend, drei Minuten später an Flight director Leroy Cain.

Computersimulation der Hitzeentwicklung am Shuttle beim Wiedereintritt in dier Atmosphäre. Die Temperaturen können 1.650°C erreichen. © Astrowikizhang / CC-by-sa 3.0

13:59 Uhr: Noch immer mit 18-facher Schallgeschwindigkeit durch die Atmosphäre rasend, tritt das Shuttle nun planmäßig in ein Funkloch ein. Die durch die Hitze ionisierte Lufthülle um das Raumfahrzeug lässt keinen Kontakt der Astronauten zur Bodenstation zu. Auch Telemetriedaten dringen nur noch sporadisch durch. Sie deuten darauf hin, dass die Temperaturen im linken Flügelbereich und am Fahrwerk erhöht sind.

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Ende nach nur Sekunden der Warnung

13:59 Uhr und 33 Sekunden: Im Cockpit springt der Masteralarm an. Sensoren melden erhöhte Temperaturen und den Ausfall von Sensoren am linken Flügel. In rund 580 Kilometern Höhe über New Mexico und Texas fliegend, beginnt die Raumfähre nach links abzukippen. Manövrierdüsen und Lenkklappen an den Flügeln steuern automatisch gegen, doch der Zug nach links verschlimmert sich. 13 Sekunden später zeigt eine Videoaufnahme ein großes Trümmerstück, das sich vom Orbiter löst und herabfällt.

14:00 Uhr und 17 Sekunden. Nicht einmal eine Minute nach den ersten Anzeichen für ein Problem bricht die Raumfähre Columbia auseinander. Trümmerstücke des Shuttles verteilen sich über Florida und den gesamten Osten von Texas. Im Kontrollzentrum in Houston ist man dagegen noch immer ahnungslos: Die Flugleiter versuchen noch immer, Daten vom Shuttle zu empfangen. Um 14:12 Uhr dann geht ein Anruf einer Fernsehstation aus Dallas ein, die zahlreiche Rauchspuren in der Flugbahn der Raumfähre aufgenommen hat. Erst jetzt wird auch den NASA-Verantwortlichen am Boden klar, was über Texas geschehen ist: Nach Challenger ist mit der Columbia zum zweiten Mal eine komplette Raumfähre samt Besatzung explodiert.

Aber warum?

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Nadja Podbregar
Stand: 07.07.2011

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Space Shuttle: Ende einer Ära
Rückblick auf das amerikanische Raumfähren-Programm

Shuttle-Chronik
Die wichtigsten Ereignisse im Überblick

Hehre Ziele und enttäuschte Erwartungen
Warum sind Shuttleflüge so teuer?

Heftklammern sind tabu
Die "Wiederaufbereitung" von Atlantis und Co.

Ohne Shuttle kein Hubble
Orbital-Frachter war trotz allem unverzichtbar

Vehikel der Völkerverständigung
Die Shuttle-Mir-Ära

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„NASA hat nichts gelernt“
Die Konsequenzen

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