Als glühender Trümmerhaufen in den Pazifik? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Hubble ist derzeit nicht zu ersetzen

Als glühender Trümmerhaufen in den Pazifik?

Bizarre Struktur im Adler-Nebel © NASA / ESA / STScI / AURA

Es gibt derzeit kein weltraumgestütztes Teleskop, weder im Orbit noch auf irgendwelchen Reißbrettern, das im Spektrum des sichtbaren Lichtes so weit in die Frühgeschichte des Universums spähen kann wie Hubble. Der immer wieder genannte Nachfolger für Hubble, das James Webb Space Telescope, das zu Beginn des kommenden Jahrzehnts in den Weltraum geschossen werden soll, ist ein Infrarot-Observatorium. Beobachtungen im sichtbaren Licht sind mit ihm nur begrenzt möglich.

In der Zwischenzeit schwindet Hubbles Batterieleistung, wie bei einem Handy, das durch zu viele Ladezyklen gelaufen ist. Das Teleskop hat seit der Inbetriebnahme mehr als ein Dutzend Lagekontrollkreisel verbraucht und ist nun bei nur noch vier funktionierenden Kreiseln angelangt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiterer Gyro bis zum Jahre 2007 ausfällt, beträgt 50 Prozent.

Die Wissenschaftler und Techniker arbeiten momentan daran, so viel wie möglich aus Hubble herauszuholen und das Teleskop so lange wie möglich in Betrieb zu halten. Das Goddard Space Flight Center entwickelt gerade eine Software, die es erlaubt, das Teleskop nur mit zwei Gyros zu betreiben. Sobald diese Software implementiert ist, soll einer der bislang aktiven Kreisel abgeschaltet werden, um ihn zu konservieren. Dieser Reservekreisel wird erst dann wieder zugeschaltet, wenn eine der aktiven Einheiten ausfällt. Die Berechnungen haben ergeben, dass mit dieser Methode ein Einsatz des Teleskops bis 2008 möglich sein sollte.

Zusätzlich wird eine Batterie-Management-Strategie ausgearbeitet, um deren Lebensdauer bis etwa zum Jahre 2010 auszudehnen. Die Batterien müssen noch funktionieren, wenn das automatische De-Orbit-Modul ankommt. All das sind aber nur Maßnahmen, um die Altersschwäche aufzuhalten. Einen Ersatz für eine bemannte Service-Mission stellen sie nicht dar.

Adler Nebel © NASA/STScI

Fassen wir die Fakten zu Hubbles 15. Geburtstag zusammen: Die Technologie, um Hubble mittels robotischer Mittel zu reparieren und auf den neuesten technischen Stand zu bringen, existiert nicht. Damit gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder die Nasa sendet Astronauten, um diese Arbeit zu erledigen, oder sie versenkt das bedeutendste astronomische Observatorium, das jemals gebaut wurde, als glühenden Trümmerhaufen in den Pazifik.

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Eine bemannte Wartungsmission anzusetzen, erfordert Courage. Eine Entscheidung für eine solche Unternehmung wäre ein starkes und positives Signal für die Zukunft der bemannten und unbemannten Raumfahrt.

Hubbles Verdienste um die Astronomie sind enorm. Wohl noch nie in der Geschichte dieser Wissenschaft hat ein einzelnes Instrument so viele Frage beantwortet – und vielleicht noch mehr neue Fragen aufgeworfen. Aber wenn nicht ein Wunder geschieht, sind die Tage des Hubble Space Telescope gezählt. Allerdings war Hubble schon oft „in trouble“. Und ist ihm bisher noch jedes Mal entkommen.

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Stand: 06.05.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Trouble für Hubble
Das nahe Ende für einen Giganten

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Hornhautverkrümmung bei Hubble
Wird die milliardenteure Mission zum Desaster?

All drei Jahre zum "TÜV"
Weltraumobservatorium auf regelmäßige Wartung angewiesen

2013 unkontrollierter Rücksturz zur Erde?
Präsident Bush will das Teleskop aufgeben

Kein Geld für Hubble
Ist eine robotische Rettungsmission möglich?

Aufstand gegen das Aus
Der Kampf um das Überleben des HST

Als glühender Trümmerhaufen in den Pazifik?
Hubble ist derzeit nicht zu ersetzen

Hubble - eine Erfolgsstory...
Wissenschaftliche Highlights der Mission

Jets, Quasare, Sternleichen
Neue Einsichten ins Universum

Eine "Brille" für Hubble
Die Service-Missionen im Überblick

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