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Freitag, 10.02.2012
Buntbarsche: Hüten um zu brüten
"Nanny-Dienste" sichern eigene Fortpflanzung
Je hilfsbereiter sich untergeordnete Buntbarsch-Weibchen zeigen und den Nachwuchs von dominanten Paaren hüten, desto besser stehen ihre Chancen zur Fortpflanzung. Der Lohn für die Nanny-Dienste ist der Zugang zu geschützten Laichplätzen - und die Möglichkeit, sich mit dem dominanten Männchen zu paaren, berichten Forscher in der Fachzeitschrift „Public Library of Science“.

Kooperativ brütende Buntbarsche
Kooperativ brütende Buntbarsche
© Heinz Büscher / Basel Kooperativ brütende Buntbarsche
Bei Buntbarschen helfen kleine, untergeordnete Fische, so genannte Helfer, einem großen, dominanten Brutpaar, deren Jungtiere großzuziehen. Dabei handelt es sich meist nicht um Verwandte. Eine Erklärung für dieses Verhalten ist, dass die untergeordneten Fische bei der Aufzucht helfen, um im Territorium bleiben zu können - die so genannte „pay to stay“-Hypothese.

Dadurch erhalten die Helfer besseren Schutz vor Fressfeinden, als wenn sie alleine leben würden. Somit überdauern sie länger und haben höhere Chancen, selber einmal die dominante Brutposition zu erben.

Ein Forscherteam der Universität Bern hat nun zusammen mit Kollegen der Ohio State University (USA) solche Gruppen von dominanten Elternpaaren und untergeordneten Nannys auf ihr Helferverhalten untersucht. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass untergeordnete Buntbarschweibchen den Nachwuchs ihrer Vorgesetzten hüten, um sich selber besser fortpflanzen zu können. Dadurch relativiert sich die pay to stay-Hypothese, die von einem indirekten Vorteil ausgeht.

Nanny-Dienste sind einseitig
Die Forscher stellten in ihrer Studie in Aquarien verschiedene Gruppen von nichtverwandten Tieren zusammen und untersuchten sowohl bei dominanten wie auch bei untergeordneten Weibchen die mütterliche Brutpflege und den Fortpflanzungserfolg. Dabei zeigte sich, dass nicht nur die dominanten Weibchen, sondern teilweise auch die untergeordneten Fische eigene Gelege haben. Die Gelege der untergeordneten Weibchen wurden im Durchschnitt fünf Tage nach denjenigen der dominanten Weibchen gelegt.

Entgegen der Erwartungen der Forscher gaben die dominanten Weibchen den untergeordneten aber nicht dieselbe Menge an Hilfe zurück, die sie selber erfuhren. Die dominanten Weibchen halfen ohne erkennbares Muster mehr oder weniger beim Hüten. Die Menge an erfahrener Hilfe hatte also keinen Einfluss auf die Hilfsbereitschaft der Vorgesetzten.

„Trotzdem leisten die untergeordneten Weibchen keine Gratisarbeit“, erklärt Dik Heg vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern. „Sie bekommen als Lohn nicht die Hilfe der dominanten Weibchen, sondern mehr Gelegenheit, eigene Gelege auszubrüten. Dabei sind diejenigen, die mehr helfen, am erfolgreichsten“. Genauer: Sie erhalten Zugang zu guten Brutsubstraten wie einem geschützten, sauberen Ort, der für die Eiablage notwendig ist - und sie können die dominanten Männchen umwerben. Dadurch erhöht sich der Erfolg der eigenen Fortpflanzung.

„Pay to reproduce“
„Unsere Resultate zeigen, dass bis anhin der Kurzzeiteffekt des Helferverhaltens - je mehr ich helfe, desto eher darf ich selber brüten - durch untergeordnete Weibchen übersehen worden ist“, erläutert Heg. Somit korrigieren die Wissenschaftler die bisherige pay to stay-Hypothese, die von einem indirekten Langzeiteffekt der Hütedienste ausging, wie dem längeren Überleben in der Gruppe und einem Aufrücken in der Hierarchie. Laut Heg hat das hilfreiche Verhalten der Weibchen - Männchen helfen übrigens kaum bei der direkten Brutpflege - unmittelbare Vorteile. Die Forscher sprechen daher neu von „pay to reproduce“ statt pay to stay.
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