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Sonntag, 22.10.2017
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„Lonesome George“ will keinen Sex

Biologen suchen Weibchen für letzte Galapagos-Riesenschildkröte

Die Riesenschildkröte "Lonesome George" will keine Partnerin. Der letzte Verbliebene seiner Art, Geochelone nigra abingdoni, scheint am anderen Geschlecht überhaupt kein Interesse zu haben, berichten Forscher im Wissenschaftsmagazin Nature. Jetzt suchen Wissenschaftler rund um den Globus doch noch nach einer Partnerin für ihn.
Lonesome George

Lonesome George

George wurde 1971 entdeckt, nachdem Wissenschaftler glaubten, diese Spezies sei längst ausgestorben. Doch bisher scheiterten sämtliche Versuche, George mit Galapagos-Riesenschildkröten anderer Arten zu paaren. Nun wollen die Experten Galapagos-Schildkröten von anderen weit entfernten Inseln zu George bringen, da sie vermuten, dass die bisherigen Versuche, George zum Sex „zu überreden“, einfach an der zu weiten Verwandtschaft scheiterten.

Die Galapagos Inseln, heute zu Ecuador gehörend, waren bei ihrer Entdeckung 1535 von mindestens 15 unterschiedlichen Riesenschildkröten-Populationen besiedelt. Auf jeder dieser Inseln haben sich diese Populationen ganz unterschiedlich voneinander entwickelt. Einen genetischen Austausch hat es wegen der Wasser-Barriere nicht mehr gegeben. Mit der Besiedlung durch die Menschen und damit dem Ansiedeln von Haustieren und auch Ratten ist die Zahl der Riesenschildkröten rapide gesunken. Derzeit gibt es nur noch elf dieser Schildkröten, die auf der roten Liste der gefährdeten Artender World Conservation Union eingetragen sind.

George lebt in Puerto Ayora auf der Insel Santa Cruz bei der Charles Darwin Research Station (CDRS). Zu den vordringlichsten Aufgaben der Wissenschaftler dieser Station gehört die Wiederbesiedlung der Insel Pinta mit Riesenschildkröten, geplant waren dabei eigentlich die Nachkommen von George. Erst in den 1990er Jahren hatten Wissenschaftler die DNA der verschiedenen Subspezies der Riesenschildkröten miteinander verglichen. Damals kamen sie zu dem Schluss, dass Georges nächste Verwandtschaft mehr als 300 Kilometer von seiner ursprünglichen Heimat entfernt lebt. Die Wissenschaftler staunten nicht schlecht, denn die Riesenschildkrötenkönnen nicht schwimmen und müssen daher möglicherweise mit Treibgut die lange Reise vollbracht haben. Doch diese Erkenntnisse könnten auch erklären, warum Georges so desinteressiert an den bisherigen Schildkröten-Damen Desinteresse war.


Die CDRS verfolgt bei der Wiederaussetzung von Riesenschildkröten das Ziel möglichst nach Subspezies geordnet nachzuzüchten. Damit sollen unnatürliche Kreuzungen vermieden werden. Das hat der Forschungsstation zum Teil heftige Kritik seitens des Galapagos National Park Service eingebracht. Seit 1975 haben CDRS-Forscher mehr als 1.200 Schildkröten auf der Insel Espanola ausgesetzt. Erste Erfolge stellten sich etwa 15 Jahre danach ein. Daher sind die Wissenschaftler auch zuversichtlich doch noch ein passendes Weibchen für George zu finden. Schließlich hat er die ersten 100 Lebensjahre noch nicht vollendet und er hat damit mindestens noch weitere 100 Jahre vor sich.
(PTE, 07.06.2004 - NPO)
 
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