Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Bizarrer Magnetstern schleudert Blitze
Erster Kandidat für Übergangsform zwischen Magnetar und Neutronenstern entdeckt
Astronomen haben ein extrem bizarres kosmisches Objekt ausfindig gemacht, das nach einem Gammastrahlenausbruch 40 Lichtblitze aussendete um dann wieder in einen Ruhezustand zu versinken. Wie die Forscher in „Nature“ berichten, könnte es sich bei dem Objekt um eine Übergangsform zwischen einem Magnetar und einem normalen Neutronenstern handeln – ein Zustand, der bisher noch nie direkt nachgewiesen werden konnte.

Bizarrer Magnetstern
Bizarrer Magnetstern
© L.Calçada / ESO Bizarrer Magnetstern
Die Astronomen registrierten das rätselhafte Himmelsphänomen, inzwischen offiziell als Swift J195509+261406 bezeichnet, erstmals, als es einen starken Puls von Gammastrahlen aussendete. Zunächst hielten sie es daher auch für einen Gammastrahlenausbruch, die Explosion eines todgeweihten Sterns. Doch überraschenderweise folgten auf den Gammapuls in den darauffolgenden drei Tagen 40 weitere Blitze, diesmal im sichtbaren Wellenbereich. Nach einer elf Tage dauernden Pause registrierte das Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile dann ein kurzes Aufflackern im Infrarotbereich. Seither scheint jede Aktivität wieder zu ruhen.

Strahlungsbeben mit Ruhepausen
Was aber war dieses Objekt? Nach Ansicht der Astronomen könnte es sich dabei um eine Sonderform eines Magnetars handeln. Magnetare sind junge Neutronensterne, die ein extrem starkes Magnetfeld besitzen, mehr als eine Trillion (zehn hoch 18) Mal stärker als das unserer Sonne. „Ein Magnetar würde noch aus einer Entfernung auf halbem Wege zum Mond die Information aller Kreditkarten auf der Erde löschen“, erklärt Antonio de Ugarte Postigo. „Magnetare können jahrzehntelang in einem Ruhezustand bleiben.“

Diese Ruhepausen werden immer wieder unterbrochen durch Gamma- und Röntgenstrahlenausbrüche, die in ihrem Muster Erdbeben ähneln: einem großen Ausbruch folgen weitere kleinere. Astronomen gehen daher davon aus, dass diese Ausbrüche durch Brüche in der Kruste des Magnetars ausgelöst werden.

Übergangsform zwischen Magnetar und Neutronenstern?
„Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass es davon eine beachtliche Population in der Milchstraße gibt, obwohl bisher nur rund ein Dutzend identifiziert worden sind“, so der Forscher. Swift J195509+261406 könnte ebenfalls in unserer Milchstraße liegen, nach Schätzungen der Astronomen wahrscheinlich rund 15.000 Lichtjahre von der Erde entfernt in der Konstellation Vulpecula.

Die ungewöhnlichen Lichtblitze des Magnetars im sichtbaren Wellenbereich erklären die Wissenschaftler damit, dass sich der Magnetar möglicherweise in der Entwicklung zu einem normalen Neutronenstern befindet. Nach der gängigen Theorie nimmt das Magnetfeld dabei ab. Bisher fehlten jedoch Belege für diese Annahme. Das neu entdeckte Objekt könnte nun den ersten vielversprechenden Kandidaten dafür darstellen. Dass dem so ist, bestätigen auch weitere Daten, die ein anderes Forscherteam gesammelt und ebenfalls in der aktuellen Ausgabe von „Nature“ veröffentlicht hat.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Sterne, Magnetar, Neutronenstern, Gammastrahlenausbruch, Teleskope, Sonne, Magnetfeld, Mond, Weltraum, All, Kosmos, Universum, Milchstraße
Weitere News zum Thema
Auch Zwerggalaxien sind Kannibalen (09.02.2012)
Astronomen beobachten, wie sich ein kleines Milchstraßensystem ein noch kleineres einverleibt
Turbo-Sterne entpuppen sich als Vampire (06.02.2012)
Warum blitzschnell kreiselnde Neutronensterne ihre Umdrehungen wieder verlangsamen
Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt (03.02.2012)
Fund eines erdähnlichen Planets um einen nahegelegenen Roten Zwerg
Schwarze Löcher beendeten Sternenboom (26.01.2012)
Forscher enthüllen ungestüme Jugend der heute massereichsten Galaxien
Chemie explodierender Sterne enträtselt (23.01.2012)
Meteorit birgt Hinweise für die Bildung von Schwefelmolekülen in den Überresten einer Supernova
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Supernova
Teilchenschleuder LHC
Gamma Ray Bursts
Sternennebel
Dossiers zum Thema
Von Riesen und Zwergen
Die Welt der Sterne
Quark-Sterne
Exoten jenseits der Neutronen
Nur der Urknall war stärker
Gamma Ray Bursts – das Rätsel der kosmischen Megaexplosionen
Auf der Jagd nach uraltem Licht
Gammastrahlen geben neue Einblicke ins Universum
Die Milchstraße
Unsere chaotische Heimat
Im Kreißsaal der Sterne
Der Entstehung von Sternen auf der Spur
LHC: Ein Riese erwacht
Startschuss für den größten Teilchenbeschleuniger der Welt
Big Eyes
Riesenteleskope und die letzten Rätsel im Kosmos
News des Tages
Bizarrer Magnetstern schleudert Blitze
Regen auf dem Mars?
Vegetation trotzt Jahrhunderthochwasser
Deutsche essen immer mehr Öko-Fisch
Warum sich Krebszellen unkontrolliert teilen
Leuchten verrät Neuronen-Kommunikation
Warum Dirndl und Lederhosen das Oktoberfest erobern
Bücher zum Thema
Sternentstehung
Vom Urknall bis zur Sonne von Ralf Klessen
Schwarze Löcher, Wurmlöcher und Zeitmaschinen
von Jim Al-Khalili
Das Universum
"Die Schöpfung" und "Die Sterne"
Der Weltraum
Planeten, Sterne, Galaxien von Heather Couper & Nigel Henbest
Was zu entdecken bleibt
Über die Geheimnisse des Universums, den Ursprung des Lebens und die Zukunft der Menschheit von John R. Maddox
Aktive Sterne
Laboratorien der solaren Astrophysik von Klaus G. Strassmeier
Das Universum in der Nußschale
von Stephen W. Hawking
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes