Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Dienstag, 09.02.2010
"Löcher" als molekulare Reagenzgläser
Chemische Reaktionen in den Poren von neuen Einkristallen
Japanische Forscher haben eine komplexe Verbindung hergestellt, die zu einem robusten Netzwerk mit großen Poren kristallisiert. Übliche, auch sperrige Reagenzien können nun problemlos in diese Poren hinein wandern und sind ausreichend mobil, um mit eingebetteten Substraten zu reagieren.

Nanotechnologie
Nanotechnologie
© NASA
Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten, fungieren die Poren dabei als eine Art kristallines molekulares Reagenzglas. Die Reaktionsprodukte können darin direkt röntenographisch untersucht werden.

Nur Einkristalle lassen sich so analysieren. Dabei wird die Streuung von Röntgenstrahlen zur Strukturaufklärung genutzt. Flüssigkeiten lassen sich dagegen auf diese Weise nicht untersuchen. Bei Festkörperreaktionen ist die Methode auf Reaktionen beschränkt, bei denen die strukturellen Änderungen nur sehr gering ausfallen. Sperrige Reagenzien kommen in einen gewöhnlichen, dicht gepackten Kristall gar nicht hinein, oft zerfallen die Kristalle auch während einer Reaktion.

Komplex aus Zinkionen und aromatischen Ringsystemen
Das Team um Makoto Fujita von der Universität Tokio entwickelte eine Komplexverbindung aus Zinkionen und aromatischen Ringsystemen, die zu einem porösen Feststoff kristallisiert. Die Verbindung ist so konstruiert, dass reaktive Atomgruppierungen, beispielsweise Aminogruppen, in den Hohlraum der Poren hineinragen. Eintunken in eine Lösung, die gängige Reagenzien enthält, bringt diese in Kontakt mit diesen eingebetteten Reaktionspartnern.

Dabei gelangen auch sperrige Moleküle in die großen Poren. So ließen die Forscher die Aminogruppen mit Essigsäureanhydrid oder Anilin reagieren. Die Reaktivität der eingesetzten Reagenzien und der Reaktionsverlauf sind dabei nicht anders als wenn sich die beiden Reaktionspartner in freier Lösung begegnen würden. Der Kristall verfärbte sich nach und nach, blieb aber trotz der Reaktion als intakter Kristall erhalten.

Porenwände nach Maß
Da das Endprodukt auch nach der Reaktion immer noch als Einkristall vorliegt, kann der Reaktionsverlauf mit röntgenkristallographischen Methoden verfolgt werden. Labile Reaktionsprodukte und Zwischenprodukte lassen sich auf diese Weise in situ herstellen und bestimmen. Die chemischen Reaktionen in den Poren können von den Wissenschaftlern aber auch genutzt werden, um die Porenwände gezielt zu modifizieren und beispielsweise mit freien Säuregruppen zu bestücken.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Verbindungen, Chemie, chemische Reaktionen, Poren, Kristalle, Reagenzien, Zinkionen, Säuren
Weitere News zum Thema
Bier ist gut für die Knochen (08.02.2010)
Helle und hopfenreiche Biersorten sind eine reiche Quelle für Kieselsäure
Mobilfunkantennen als Regenmesser (04.02.2010)
Neue Methode verspricht höhere Treffsicherheit im Regen-Lotto
Vulkane schuld an „Todeszonen” im Kreidezeitmeer? (02.02.2010)
Sulfat-Schwemme als Ursache für zweites anoxisches Event
Gefrierschutz für Wolken (01.02.2010)
Wassertröpfchen in polaren Eiswolken lassen Ozonloch wachsen
Neuronen-Netzwerk entlarvt Giftstoffe (01.02.2010)
Neue Screening-Methode könnte Tierversuche ersetzen
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Nanotechnologie
Zoom aufs Atom
Dossiers zum Thema
Rätsel Wasser
Ein Lösungsmittel mit Geheimnissen
Zoom aufs Atom
Reise in den Mikrokosmos
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Diamanten
Hochkarätiges aus dem Bauch der Erde
Glas
Ein schwer durchschaubarer Stoff
News des Tages
Wölfe fressen lieber Lachs
Anti-Tarnkappe macht Unsichtbares wieder sichtbar
Bakterien schieben Pflanzen ihre Gene unter
Poren öffnen dem Tod die Tür
"Löcher" als molekulare Reagenzgläser
"Intelligenter" Kunststoff als Verwandlungskünstler
Wie Pflanzen ein Licht aufgeht
Bücher zum Thema
Chemische Delikatessen
Alltäglich, spannend, kurios von Klaus Roth
Welt der Elemente
von Hans-Jürgen Quadbeck- Seeger
Die Welt hinter den Dingen
von Ludwig Schultz und Hermann- Friedrich Wagner
Die chemischen Elemente
Ein Streifzug durch das Periodensystem von Lucien F. Trueb
Wissen hoch 12
Ergebnisse und Trends in Forschung und Technik von Harald Frater, Nadja Podbregar und Dieter Lohmann
Sieben Experimente, die die Welt verändern könnten
von Rupert Sheldrake
Das Buch der verrückten Experimente
von Reto U. Schneider
Feuer und Flamme, Schall und Rauch
Schauexperimente und Chemiehistorisches von Fritz R. Kreißl und Otto Krätz
Faszination Nanotechnologie
von Uwe Hartmann
Top-Clicks der Woche
1. Pluto so scharf wie nie zuvor
2. Spiderman-Haftkraft bald für alle?
3. Aids: Schlüssel-Enzym nach 20 Jahren „geknackt“
4. Rätsel um Synapsen gelöst
5. Asteroiden-Kollision erzeugt „Pseudo-Komet“