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Donnerstag, 27.07.2017
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Kosmische Gaswolke auf Kollisionskurs mit der Milchstraße

Tausende von Lichtjahren große Wasserstoffwolke wird in rund 40 Millionen Jahren unsere Galaxie treffen

Eine gewaltige Wolke aus Wasserstoffgas bewegt sich mit rasender Geschwindigkeit auf unsere Milchstraße zu. In knapp 40 Millionen Jahren, so die Schätzungen der Astronomen, wird sie mit unserer Galaxie kollidieren und ein spektakuläres Feuerwerk auslösen.
Illustration unserer Milchstraße und der Gaswolke in ihrer jetzigen Position.

Illustration unserer Milchstraße und der Gaswolke in ihrer jetzigen Position.

Die nach ihrem Entdecker Smith’s Cloud genannte Gaswolke ist bereits 1963 erstmals beobachtet worden. Lange Zeit enthüllten die verfügbaren Aufnahmen jedoch zu wenig Details, um herausfinden zu können, ob es sich bei ihr um einen aus der Milchstraße herausgeschleuderten Bestandteil oder aber ein auf sie zurasendes Phänomen handelt. Jetzt sammelten Astronomen neue Daten über die Wolke mithilfe des Robert C. Byrd Green Bank Radioteleskops (GBT). Aus mehr als 40.000 Einzelbeobachtungen setzten sie ein Bild der Wasserstoffverteilung und Dichte der Wolke zusammen, das nun erstmals genauere Schlüsse über Bewegung und Ursprung zulässt.

Vorderseite bereits auf Tuchfühlung


Die Wasserstoffwolke ist elftausend Lichtjahre lang und rund 2.500 Lichtjahre breit und enthält genügend Wasserstoffgas, um rund eine Millionen Sterne wie die Sonne entstehen zu lassen. Die Wolke bewegt sich mit mehr als 240 Kilometer pro Sekunde auf die Milchstrasse zu und ist zurzeit nur noch 8.000 Lichtjahre von ihr entfernt.

„Die Vorderseite dieser Wolke interagiert bereits mit Gas aus unserer Galaxie”, erklärt Felix J. Lockman, vom National Radio Astronomy Observatory (NRAO) und Leiter des Astronomenteams. „Wenn man die Wolke mit bloßem Auge sehen könnte, wäre sie ein eindrucksvolles Schauspiel am Nachthimmel. Von der Spitze bis zum Schweif bedeckt sie eine Fläche fast so groß wie das Sternbild des Orion. Aber soweit wir wissen besteht sie ausschließlich aus Gas – niemand hat bisher einen einzigen Stern in ihr entdeckt.“


Kollision in 20 bis 40 Millionen Jahren


„Es handelt sich höchstwahrscheinlich um eine Gaswolke, die bei der Bildung der Milchstraße übrig blieb oder Gas, das von einer Nachbargalaxie stammt”, so Lockman weiter „Wenn sie trifft, könnte es einen enormen Ausbruch von Sternenbildungen geben. Viele dieser Sterne werden sehr massereich und schnelllebig sein und schon nach kurzer Zeit als Supernova explodieren. Ein paar Millionen Jahre lang wird es wie ein himmlisches Silvesterfeuerwerk aussehen, mit gewaltigen Leuchtraketen, die in diesem Gebiet der Galaxie losgehen.“

Verlauf der weiteren Annäherung und Kollision der Gaswolke.

Verlauf der weiteren Annäherung und Kollision der Gaswolke.

Die detaillierten Aufnahmen enthüllen nicht nur eindeutig, dass sich die Wolke auf Kollisionskurs mit der Milchstraße befindet, sie zeigen auch, dass sie Gas der Milchstraße wie ein Schneepflug vor sich her schiebt. Die Wolke wird voraussichtlich in einem 45 Grad Winkel am Außenrand der galaktischen Scheibe auftreffen, etwa um einen Viertel Kreisbogen gegen unser Sonnensystem versetzt.

„Seine Form, ein wenig ähnlich einem Kometen, deutet an, dass sie bereits auf Gas aus den Außenbereichen unserer Milchstraße trifft“, so Lockman. „Sie spürt auch bereits die Schwerkraft der Milchstraße und könnte sogar dabei sein, von diesen Gezeitenkräften entzweigerissen zu werden.“ Nach Schätzungen der Astronomen wird unsere Galaxie zunächst einen Gasschauer aus der Wolke erhalten, dann, in 20 bis 40 Millionen Jahren trifft der Kern der Wolke in die galaktische Scheibe.
(NRAO, 17.01.2008 - NPO)
 
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