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Montag, 23.01.2017
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Fahrrinne verändert Elbe-Ästuar

Tideflüsse zwischen Naturraum und Schifffahrtsstraße

Ob Wattflächen, Prielsysteme oder Flachwassergebiete – nicht nur die Küsten der Deutschen Bucht sondern auch die Mündungsbereiche ihrer Flüsse sind durch den ständigen Wechsel von Ebbe und Flut geprägt. Diese natürlichen Kräfte führen zu einer ständigen Veränderung der Unterwasserlandschaft und bilden eine vielfältige Küsten- und Flusslandschaft. Manche dieser so genannten Ästuare sind aber nicht nur schützenswerte Naturräume, sondern auch wichtige Schifffahrtsstraßen. Derzeit werden in Elbe und Weser weitere Anpassungen der Fahrrinnen an die Containerschifffahrt geplant. Die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) begleitet diese Planungen durch Auswirkungsprognosen und gutachterliche Stellungnahmen. Hierdurch wird ein wichtiger Beitrag zum Ausgleich zwischen den Belangen des Naturschutzes und der Ökonomie geschaffen.
Leuchtturm "Hoher Weg"

Leuchtturm "Hoher Weg"

„Die beiden größten deutschen Seehäfen Bremerhaven und Hamburg liegen an Tideästuaren“, erläutert Christian Maushake von der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW). „Seeschiffe, die ihre Ladung in Bremerhaven umschlagen wollen, müssen circa 60 Kilometer die Weser hinauffahren. Der größte deutsche und zweitgrößte europäische Seehafen Hamburg an der Elbe liegt sogar 120 Kilometer stromaufwärts“, fügt Maushake hinzu. Damit sind Weser und Elbe nicht nur schützenswerte Naturräume sondern auch wichtige Seeschifffahrtsstraßen, die als Folge der hohen Wachstumsraten im internationalen Handel einer immer höheren Verkehrsdichte durch immer größere Seeschiffe ausgesetzt sind.

Zu klein für große Schiffe


Satellitenbild der Jade / Weser

Satellitenbild der Jade / Weser

Entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung mussten die Fahrrinnen der Seeschifffahrtsstraßen in den letzten Jahrzehnten immer wieder vertieft und verbreitert werden. Auch aktuell laufen wieder Verfahren zur weiteren Anpassung der Fahrrinnen. „Beispielsweise soll die Fahrrinne der Elbe so verändert werden, dass zukünftig Containerschiffe mit Längen bis zu 350 Metern, Breiten bis zu 46 Metern und einem Tiefgang von bis zu 14,5 Meter passieren können. Bislang ist die Fahrrinne für Schiffe ausgelegt, die nicht länger als 300 Meter, nicht breiter als 32,3 Meter sein und keinen größeren Tiefgang als 13,5 Meter haben“, so Maushake. „Diese Ausbaumaßnahmen stellen natürlich Eingriffe in das Flusssystem dar, deren Auswirkungen allerdings in aufwändigen planrechtlichen Genehmigungsverfahren beurteilt und abgewogen werden müssen.“

Denn die Vertiefung einer Fahrrinne stellt nicht nur eine bloße Veränderung der geometrischen Form dar. Vielmehr ergeben sich zugleich zahlreiche Wechselwirkungen mit dem gesamten hydrologisch–morphologischen System. Eine Folge ist beispielsweise, dass der Fluss durch die Ausbaggerung „hydraulisch leistungsfähiger“ wird. „Dies bedeutet, dass die Tidewelle von der Nordsee her, sprich die Flut, mit größerer Energie einläuft. Hierdurch werden salzhaltiges Meerwasser und Sedimente weiter stromaufwärts transportiert“, erläutert Maushake die Zusammenhänge. Doch damit nicht genug, auch die Wasserstände verändern sich: Einerseits sinken die Tideniedrigwasserstände ab und andererseits steigen die Tidehochwasserstände an. Zudem erhöhen sich die Strömungsgeschwindigkeiten in der Fahrrinne. – mit Auswirkungen auf das gesamte Ästuar.


Und die Auswirkungen …?


Containerschiff

Containerschiff

Die Umweltgesetzgebung in Deutschland schreibt vor, dass die Auswirkungen solcher Fahrrinnenanpassungen auf Natur und Umwelt zu minimieren sind. Das bedeutet, dass neben dem eigentlichen Ausbau der Fahrrinne noch weitere Maßnahmen durchgeführt werden. „So wird das für den Ausbau der Fahrrinne in der Elbe entnommene Baggergut gezielt im Mündungsbereich unter Wasser abgelagert, um die ausbaubedingten Wasserstandsänderungen in Hamburg zu reduzieren“ berichtet Maushake. „An anderer Stelle werden Nebenarme des Flusses aufgeweitet, um die Durchströmung dieser Bereiche zu stärken.“

Die Veränderungen im Küstenraum und seine Tideflüsse sind also nicht nur ständigen natürlichen sondern auch menschgemachten Einflüssen unterworfen. Hierdurch entstehen insgesamt Auswirkungen auf Flora und Fauna, sowie für die Menschen, die die Flüsse und die Küste nutzen und hier leben. Dies betrifft sowohl die Fischerei, die Landwirtschaft und den Tourismus als auch die Belange des Küstenschutzes und der Wasserbewirtschaftung.

„Entsprechend ist ein ständiger Abwägungsprozess erforderlich, um sowohl der Ökonomie als auch der Ökologie und Landeskultur Rechnung zu tragen“, fasst Maushake die Planungsarbeiten zusammen. „Nicht nur die Fachleute der Bundesanstalt für Wasserbau sondern auch zahlreiche Ingenieurbüros und Universitäten arbeiten daran, die Auswirkungen dieser Veränderungen zu beurteilen und Nutzungskonzepte zu entwickeln, die den ökonomischen Bedürfnissen genauso Rechnung trägt wie dem Gedanken der Nachhaltigkeit und der Umweltverträglichkeit.“
(Christian Maushake / Bundesanstalt für Wasserbau , 19.10.2007 - AHE)
 
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