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Freitag, 10.02.2012
Flüssiges Wasser auf dem Mars
Marssonde entdeckt neu entstandene Rinnsale in Kraterhängen
Neue Aufnahmen der NASA-Sonde Mars Global Surveyor sorgen für eine kleine Sensation: Sie deuten erstmals auf die – zumindest temporäre – Existenz von flüssigem Wasser auf dem Mars hin. Entscheidendes Indiz dafür: Frische, erst in den letzen sieben Jahren entstandene Sediment-Ablagerungen in einer Kraterwand.

Neue Rinne in einer Kraterwand der Centauri Montes Region
Neue Rinne in einer Kraterwand der Centauri Montes Region
© NASA/ JPL / Malin Space Science Systems
Flüssiges Wasser gilt als notwendige Voraussetzung für Leben. Im Gegensatz zu Wassereis oder Wasserdampf konnte dieses jedoch bisher auf dem Roten Planeten nicht eindeutig nachgewiesen werden. Seit mehreren Jahren beobachten die Kameras an Bord der Raumsonde Mars Global Surveyor gezielt zehntausende von Rinnen in den Innenflächen von Kratern und anderen Senken. Die meisten von ihnen liegen in einem Bereich oberhalb des 30. Breitengrads. Schon einmal, im Jahr 2002 entdeckte die Sonde eine neu entstandene Rinne. Doch da sich diese in einer Sanddüne befand, hielten die Forscher damals Sandrinnsale für die treibende Kraft hinter der Schluchtenentstehung.

Rinnen in den letzten sieben Jahren entstanden
Die neuen, gestern veröffentlichten Aufnahmen sind die ersten, die darauf hindeuten, dass eine Flüssigkeit diese Rinnen innerhalb von sehr kurzer Zeit in die Kraterwand grub. Gleich an zwei Stellen, in Kratern der Terra Sirenum und der Centauri Montes Region, zeigten die neuen Aufnahmen im Vergleich zu früheren der gleichen Regionen frische Einsenkungen und Ablagerungen. „Diese Beobachtungen sind der stärkste Beweis bisher, dass Wasser noch immer zeitweise auf der Marsoberfläche fließt“, erklärt Michael Meyer, Leitender Wissenschaftler des Marserkundungsprogramms der NASA.

Vergleich der Kraterwand 1999 und 2005 - die Rinne ist neu
Vergleich der Kraterwand 1999 und 2005 - die Rinne ist neu
© NASA/ JPL / Malin Space Science Systems Vergleich der Kraterwand 1999 und 2005 - die Rinne ist neu
“Die Formen dieser Ablagerungen sind genau die, die man erwarten würde, wenn Material durch fließendes Wasser transportiert wird“, erklärt Michael Malin, dessen Firma Malin Space Science Systems für die Kameratechnik der Sonde verantwortlich ist. „Sie haben hangabwärts fingerähnliche Verzweigungen und werden durch kleinere Hindernisse abgelenkt.“

Eisbildung spricht gegen Sand als Verursacher
Die beiden frischen Ablagerungen sind jeweils mehrere hundert Meter lang und hell gefärbt. Genau dies ist nach Ansicht der Wissenschaftler ein weiterer Hinweis auf flüssiges Wasser: Würde es sich hier nur um Abrutschungen von trockenem Staub handeln, wären die Ablagerungen vermutlich eher dunkel – ähnlich wie der durch Staubstürme oder die beiden Marsfahrzeuge aufgewühlte Untergrund.

Die helle Färbung dagegen weist auf Eisbildung hin. Eis, das möglicherweise sogar immer wieder durch nachströmendes Wasser ergänzt wird. Denn die Atmosphäre des Mars ist so dünn und kalt, dass flüssiges Wasser an der Oberfläche nicht lange überdauern kann. Es verdampft entweder sofort oder gefriert. Die NASA-Wissenschaftler vermuten nun jedoch, dass das Wasser in flüssiger Form zumindest lange genug „überlebt“, um Geröll und Sediment hangabwärts zutransportieren und dabei solche Rinnen wie die beiden jetzt entdeckten entstehen zu lassen.

Rinne in Nahaufnahme
Rinne in Nahaufnahme
© NASA /JPL / Malin Space Science Systems Rinne in Nahaufnahme
Flüssige Reservoire unter der Oberfläche?
„Die frischen Ablagerungen deuten darauf hin, dass an einigen Stellen und zu bestimmten Zeiten auf dem heutigen Mars flüssiges Wasser aus dem Untergrund nach oben dringt und kurzzeitig Hänge hinunter fließt“, so Malin. „Die Möglichkeit weckt natürlich Fragen darüber, wie das Wasser im Untergrund flüssig bleiben kann, wie ausgedehnt diese Reservoirs sein mögen und ob es ein feuchtes Habitat unter der Oberfläche gibt, das Leben ermöglichen könnte. Zukünftige Missionen könnten die Antworten zu diesen Fragen liefern.“
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