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Freitag, 20.01.2017
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Tauwetter statt weißer Weihnacht?

Winter in Deutschland werden kürzer und milder

Wird es eine weiße Weihnacht geben? Diese Frage können auch die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes noch nicht beantworten, wohl aber, wo die Chancen dafür am höchsten sind. Langfristig allerdings, so die neusten Daten, geht der Trend hin zu kürzeren und milderen Wintern.
Schneekristall

Schneekristall

Der Wunsch vieler Menschen nach Schnee nicht nur an Heiligabend, sondern möglichst an allen drei Weihnachtsfeiertagen geht hierzulande nur selten in Erfüllung. Meist feiern die Deutschen in der Mehrzahl „Grüne Weihnachten“. Im Vergleich der größeren Städte ist dabei in München die Chance am höchsten an allen drei Festtagen durch richtigen Schnee zu stapfen. Dort liegt, neuen Auswertungen der Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zufolge, im Mittel etwa alle drei Jahre am 24., 25., und 26. Dezember eine geschlossene Schneedecke.

In Dresden feiert man immerhin alle vier bis fünf Jahre solche Weiße Weihnachten, in Hamburg alle neun Jahre. In Frankfurt und Aachen dagegen können die Menschen im Schnitt nur etwa jedes zehnte Jahr mit „Leise rieselt der Schnee“ an allen Festtagen rechnen. 1986 war das letzte Weihnachtsfest, an dem praktisch ganz Deutschland unter einer Schneedecke lag.

„Jeder versteht unter einer Weißen Weihnacht etwas anderes, aber die verbreitete Ansicht, es gäbe heutzutage immer weniger Schnee zu Weihnachten, stimmt so nicht“, erklärt Gerhard Lux, Sprecher des DWD in Offenbach. Er führt das auch auf die ungewöhnlich schneereichen Dezembermonate zwischen 1960 und 1970 zurück, die vielen in Erinnerung geblieben sind. „Die globale Erwärmung der Atmosphäre zeigt sich in unseren vieljährigen Statistiken zum Weihnachtswetter glücklicherweise bislang nicht – noch nicht!“


Winter werden immer kürzer


Die DWD-Meteorologen beobachten allerdings während der vergangenen 20 Jahre in Deutschland eine Tendenz zu milderen Wintern. „Die Winter werden kürzer – das Laub verfärbt sich später und Obstpflanzen wie Äpfel oder Süßkirschen beginnen im neuen Jahr schon Ende März und Anfang April zu blühen“, erläutert Ekko Bruns vom DWD und bedauert, dass schöne kalte, lange Winter mit zugefrorenen Seen zum Schlittschuhlaufen selten geworden sind.

Und auch Skiläufer müssen zunehmend in höhere Lagen ausweichen, wenn sie ein schneesicheres Gebiet für den Wintersport finden wollen. Veränderungen zeigen sich inzwischen auch in der Struktur der Niederschläge in Deutschland. Diese haben zwar im Winter geringfügig zugenommen, jedoch fällt mehr Regen als Schnee, und dieser oft nur in höheren Lagen.

Chancen in Südostbayern am höchsten


Aktuelle Auswertungen der vieljährigen Datenreihen des DWD zeigen, dass die Chancen auf Weiße Weihnachten generell von den höheren Lagen im Südosten Bayerns zu den küstennahen Regionen mit maritimem Klima im Nordwesten Deutschlands abnehmen.

Dieser Unterschied wird auch deutlich, wenn man im vieljährigen Mittel den ersten Schneefall des Winters untersucht. So hält im Raum München in der Regel der Winter um den 20. November herum erstmals Einzug. In Kassel und Hannover dauert es meist bis zum 7. Dezember, während sich entlang der Linie Düsseldorf, Münster, Emden die ersten richtigen Flocken oft nicht vor dem 20. Dezember zeigen.

Ein ähnliches Bild ergibt die Berechnung der mittleren Zeitspanne zwischen dem ersten und dem letzten Schneefall des Winters. Im Raum München sind das immerhin etwa 135 Tage, in Kassel 107 Tage und in Hannover 93 Tage. In Düsseldorf ist der Winter dagegen eher kurz – nur rund 60 Tage liegen im Mittel zwischen dem ersten und dem letzten Schneefall eines Winters.

„Weihnachtstauwetter“ in Deutschland typisch


Häufig fällt im Flachland schon Ende November oder im Laufe des Dezembers genügend Schnee, um eine geschlossene Schneedecke zu bilden. Meist bleibt diese jedoch nicht lange liegen. Das „Nikolaustauwetter“, etwa um den 5. Dezember, und später das „Weihnachtstauwetter“, zwischen dem 24. und dem 29. Dezember, sorgen in vielen Jahren für ein jähes Ende der weißen Pracht.

Es handelt sich hierbei um sogenannte Singularitäten, dass heißt kalendergebundene Witterungserscheinungen, die eine Abweichung vom normalen Witterungsverlauf darstellen und mehr oder weniger regelmäßig auftreten. Das Weihnachtstauwetter mit milden westlichen und südwestlichen Winden tritt mit einer Wahrscheinlichkeit von 53 Prozent auf, also etwa alle zwei Jahre.

Wie das Weihnachtsfest 2005 ausfallen wird, ist derzeit noch völlig offen. Alles ist möglich, nur Petrus selbst weiß möglicherweise mehr. An einem Ort in Deutschland aber wird der Traum von weiß glitzernden Schneelandschaften, klirrender Kälte und Eis an Weihnachten in jedem Fall Wirklichkeit – an der höchstgelegenen Wetterwarte des DWD, auf der Zugspitze.
(Deutscher Wetterdienst (DWD), 01.12.2005 - NPO)
 
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