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Freitag, 28.07.2017
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Pasta aus der Steinzeit

Forscher finden 4.000 Jahre alte Nudeln

Jeder kennt sie, die kleinen nationalen Streitigkeiten: Woher kommt die Pizza, wer hat Amerika entdeckt etc. Zumindest eines dieser Geheimnisse scheint der Lösung einen Schritt näher gekommen zu sein. Wie das Wissenschaftsmagazin Nature jetzt berichtete machten Forscher in der Nähe des Gelben Flusses im Westen Chinas eine ungewöhnliche Entdeckung: Bei Ausgrabungen eines durch Erdbeben und Überflutung zerstörten Dorfes fanden sie 4.000 Jahre alte Nudeln.
Steinzeit-Nudeln

Steinzeit-Nudeln

Anscheinend überraschte die Katastrophe die Bewohner des Dorfes beim Essen. Eine Schale mit Nudeln kippte um und stülpte sich über die damals noch frische Mahlzeit. Ein glücklicher Zufall, denn so bewahrte der Topf die Nudeln davor zerquetscht zu werden. Immerhin lagerte der Gelbe Fluss drei Meter dicke Schlammschichten über dem Dorf und der Umgebung ab. Unter dem Napf konnten sich so sauerstofffreie Bedingungen einstellen – Voraussetzung dafür, dass die Nudeln die letzten 4.000 Jahre überdauern konnten.

Ihr Entdecker Houyuan Lu, Geologe an der chinesischen Akademie der Wissenschaften, war erstaunt, als er den Napf anhob. Vor ihm lag ein Knäuel aus etwa 50 Zentimeter langen und drei Millimeter dicken, gelben Strängen. Es hätten fast traditionelle La-Mian-Nudeln sein können. Zum Glück schoss er sofort einige Fotos. Denn: Nachdem der schützende Napf entfernt war, zerfielen die delikaten Stränge an der sauerstoffhaltigen Luft innerhalb weniger Minuten. Doch mit Hilfe der Bilder ist Lu sich sicher, dass der Fund zeigt, dass die Technik zur „Herstellung gekochter Nudeln in dieser Gegend schon vor 4.000 Jahren etabliert war“.

Hirse statt Hartweizen


Topf bewahrte Nudeln vor dem Zerquetschen

Topf bewahrte Nudeln vor dem Zerquetschen

Allerdings sind die Steinzeit-Nudeln im Gegensatz zu ihren modernen Verwandten nicht aus Hartweizen sondern aus Kolben- bzw. Rispenhirse hergestellt. Diese wurde gemahlen und dann zu Teig verarbeitet. Interessant ist auch die Mischung der beiden Hirsearten, denn, so die Forscher, ein Teig allein aus Rispenhirse allein wäre nicht klebrig genug, um die dünnen Stränge der Nudeln herstellen zu können. Insgesamt zeigt der Fund einen sehr hohen Stand in der Essenszubereitung. Noch heute werden in ärmeren Gegenden Chinas Nudeln aus Hirse hergestellt. Da sie aber wesentlich härter als ihre Cousins aus Weizen sind, werden sie auch als „Eisendraht-Nudeln“ bezeichnet.


Welche Getreidesorten für den Teig genutzt wurden konnten die Forscher nachweisen, indem sie Proben der Ablagerungen rund um den Fundort unter dem Mikroskop untersuchten. Pflanzen besitzen so genannte Stärkekörner in ihren Zellen, die sich über Tausende von Jahren erhalten. Interessant für Wissenschaftler sind sie, weil sie bei Pflanzen von Art zu Art anders aussehen und so Rückschlüsse auf Nutzpflanzen vergangener Zeiten ermöglichen. Auch Klimaforschung ist über solche Analysen möglich, da jede Pflanze ganz bestimmte Vorlieben hat. Auch die Spelzen, dünne Häutchen um Blüte und Ähre verschiedener Getreidearten wurden analysiert und führten zu demselben Ergebnis.

Die Erkenntnis, dass die steinzeitliche Pasta aus Hirse und nicht aus Weizen hergestellt wurde, ist eigentlich die für die Wissenschaft wichtige Information: Wovon sich die Menschen in der Region vor 4.000 Jahren ernährten. Obwohl sich die Chinesen sicherlich auch gefreut haben, endlich einen weiteren Beweis dafür zu haben, dass Nudeln eben doch aus China kommen. Ob sich der Streit um die Herkunft der Pizza auf ähnliche Weise klären lässt? Immerhin ist das italienische Pompeji auf eine ähnlich schnelle und dramatische Weise begraben worden, wie die Grabungsstätte in Lajia.
(GeoUnion, 19.10.2005 - Kirsten Achenbach)
 
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