• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 25.03.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Experimente im Parabelflug

Größtes fliegendes Labor für Forschung in Schwerelosigkeit startet wieder

3, 2, 1 … das größte fliegende Labor der Welt ist "Ready for take off" für den siebten Parabelflug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). 20 Forscherteams bauten in der vergangenen Woche zwölf Experiment-Anlagen in den Airbus A300 ZERO-G ein. Heute ist es soweit: Die neue Parabelflugkampagne beginnt.
Airbus A300 ZERO-G

Airbus A300 ZERO-G

Am Montag, 12. September 2005, fand am Vormittag die Sicherheitsabnahme im Flugzeug durch die Ingenieure der französischen Flugsicherheit (CEV) und die Betreiberfirma Novespace statt. Alle Anlagen wurden hierbei auf ihre Flugfähigkeit hin überprüft, um jegliche Sicherheitsrisiken während der Schwerelosigkeitsphasen auszuschließen. Als letzte Vorbereitung trafen sich alle Teilnehmer am Nachmittag zum Sicherheitsbriefing. Nach den Einführungen der DLR-Projektleiterin, Dr. Ulrike Friedrich, und des Piloten, Gilles LeBazic, informierten alle Wissenschaftler über ihre geplante Forschung in Schwerelosigkeit.

Vom kreativen Chaos zum experimentellen Ernst


Am vergangenen Dienstag trafen die Forscherteams aus ganz Deutschland auf dem Gelände von Novespace am Flughafen Bordeaux-Mérignac ein. In Mini-Vans waren sie quer durch Frankreich gefahren, vollgepackt mit wissenschaftlichen Geräten, Laptops und Kameras - den Kopf voller wissenschaftlicher Neugier. In der Werkstatt von Novespace richteten sich die Teams ein und schraubten bald eifrig an ihren Gerätschaften.

Das anfängliche "kreative Chaos" aus Metall-Racks - sorgsam verkleidet mit Schaumstoff -, Messgeräten und Experimentproben nahm bis zum Freitag geordnete Formen an: Mit einem Hubwagen wurden die Anlagen in den Airbus transportiert, wo sie nach einem wohl bedachten Plan auf dem Flugdeck verschraubt wurden. Im Flugzeug warten seitdem die Maskottchen der Teams, gut befestigt an den Racks, auf ihren Einsatz in der Schwerelosigkeit. Die Wissenschaftler hingegen hatten auf dem Boden noch ein volles Programm an Vorbereitungen durchzuführen, bevor es für sie "ernst" wird.


Zehn Experimentatorenteams aus Aachen, Berlin, Bonn, Braunschweig, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Kiel, Köln, Konstanz, Marburg und Ulm begannen am vergangenen Mittwoch mit dem Einbau ihrer Experimente in den Airbus. Anschließend wurden die Funktionen der Anlagen überprüft und die Ausgangswerte, die für den Vergleich nach dem Flug in der Schwerelosigkeit erforderlich sind, ermittelt.

Mensch als Testobjekt


Bei einem humanphysiologischen Experiment soll die Flüssigkeitsverschiebung entlang der Körperachse unter Schwerelosigkeit bestimmt werden. Hierbei ist es notwendig, die Basiswerte auf dem Boden vergleichend festzuhalten. Das Team der Charité Berlin und der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen bereitete zuerst die Fläche vor, auf der die jeweilige Testperson von der Hüfte aufwärts in einer abgedunkelten Kiste liegen wird. Während der vier Flugtage wird es insgesamt acht Testpersonen geben. Dann bauten die Forscher die Anlage ein, in der die Werte der Ultraschallsonden abgelesen werden. Mit den Sonden wird vor und nach jeder Parabel die Flüssigkeitsverschiebung an einem Schienbein und an der Stirn der Testperson gemessen. An der Stirn werden zugleich auch eventuelle Veränderungen der Durchblutung beobachtet.

Parallel hierzu fixierte Dr. Bernd Johannes vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin seine Elektronen an Testpersonen, die zum ersten Mal fliegen werden. Auf dem Boden sammelte er zunächst die Ausgangswerte der Erstflieger. Mit ihrer Hilfe überprüft er diese später auf ihre körperliche Funktionstüchtigkeit während der Flugphasen. Seine Anliegen ist es, den Stressfaktor zu messen, der sich für einen Menschen unter wechselnden Bedingungen ergibt. Ähnliche wissenschaftliche Vorbereitungen konnte man bis Freitag Abend bei vielen Teams beobachten.
An dem humanphysiologischen Experiment von Dr. Johannes und der Charité Berlin sind außerdem Schüler beteiligt, die heute Vormittag per Reisebus in Bordeaux ankamen. An jedem der vier Flugtage wird einer von ihnen an dem Experiment mitarbeiten.

Auch am Montag Morgen wurden die Arbeiten der Experimentatoren wieder mit Tatendrang aufgenommen, denn bis zur Sicherheitsabnahme um 10 Uhr mussten die letzten Feinheiten und Einstellungen an den Anlagen abgeschlossen sein. Heute früh ist es dann soweit: die 7. Parabelflugserie beginnt.
(DLR, 13.09.2005 - NPO)
 
Printer IconShare Icon