Lebenspende mit neuer Technik gelungen Nierentransplantation trotz unterschiedlicher Blutgruppen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Lebenspende mit neuer Technik gelungen

Nierentransplantation trotz unterschiedlicher Blutgruppen

Als die Nieren von Christoph Frobenius zu versagen drohten, war sein Bruder sofort bereit, eine Niere zu spenden. Trotz unterschiedlicher Blutgruppen konnte der 50-jährige aus Weinheim von der Lebendspende profitieren, als erster Patient am Universitätsklinikum Heidelberg.

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Möglich machte dies die so genannte ABO-inkompatible Nierentransplantation, eine Technik, die in Deutschland bisher nur an wenigen spezialisierten Kliniken durchgeführt wird. Mit dieser neuen Behandlungsmethode konnte das Transplantationszentrum Heidelberg unter Leitung von Professor Dr. Markus W. Büchler in enger Kooperation mit dem Heidelberger Nierenzentrum das Therapieangebot erweitern.

„Derzeit sind bei uns rund 500 Dialysepatienten registriert, die auf eine neue Niere warten“, so der Leiter des Nierenzentrums, Professor Dr. Martin Zeier. Die durchschnittliche Wartezeit auf ein gespendetes Organ beträgt rund fünf Jahre. Bei dialysepflichtigen Patienten gilt jedoch: Je früher durch eine Lebendspende eine gesunde Niere eingepflanzt werden kann, desto besser sind die Behandlungserfolge.

Wartezeit auf Spender-Niere verkürzen

„Wir bieten die Blutgruppen-unabhängige Nierentransplantation ab sofort als zusätzliche Behandlungsoption an, um die Anzahl der Lebendspenden zu erhöhen und die Wartezeiten bei geeigneten Patienten zu verkürzen“, erklärt Professor Dr. Jan Schmidt, Geschäftsführender Oberarzt am Heidelberger Transplantationszentrum, der die Operation am 18. August bei Christoph Frobenius durchgeführt hatte. Derzeit werden in Heidelberg mehr als 100 Nieren pro Jahr verpflanzt. Die Anzahl der Lebendspenden von nahen Verwandten oder Ehepartnern liegt mit rund 40 Prozent bereits über dem bundesdeutschen Durchschnitt von circa 18 Prozent.

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Filter entfernt Antikörper gegen fremde Blutgruppe

Die Nierenexperten führten vor der Transplantation eine Blutwäsche mit speziellen Membranen durch. So können die Antikörper, die aufgrund der unterschiedlichen Blutgruppen zu lebensbedrohlichen Abstoßungsreaktionen führen würden, aus dem Blut des Organempfängers gefiltert werden. „Obwohl sich an der Operationstechnik nichts ändert, ist die Behandlung aufwändiger als bei einer herkömmlichen Nierentransplantation. Das Immunsystem des Empfängers muss vor und nach dem Eingriff mit starken Medikamenten unterdrückt werden“, erklärte der Chirurg.

Auch diese Behandlungsmethoden werden am Universitätsklinikum bei anderen Fällen bereits durchgeführt. „Neu ist die Kombination der Techniken in diesem speziellen Fall“, erklärt Dr. Jörg Beimler, Oberarzt am Nierenzentrum und Projektleiter der ABO-inkompatiblen Lebendspende. Sie werde seit 1995 in Schweden durchgeführt, in Deutschland habe Freiburg im vergangenen Jahr den Anfang gemacht.

Erste vier Wochen entscheidend

„Die Ergebnisse bisher zeigen: Verlaufen die ersten vier Wochen nach der Operation gut, so sind die Langzeitchancen genauso gut wie bei einer blutgruppen-kompatiblen Transplantation“, so Beimler. Das

bedeutet: Das gespendete Organ kann im Durchschnitt circa 15 Jahre volle Dienste leisten, bei einer Leichennierenspende sind es nur rund zehn Jahre.

Christoph Frobenius hatte Glück im Unglück: Obwohl er seit rund 30 Jahren an einer chronischen Nierenentzündung litt und seit Dezember

2004 dreimal pro Woche zur Dialyse musste, war sein allgemeiner Gesundheitszustand ausreichend für die neue Behandlung. „Bereits beim Aufwachen nach der Operation fühlte ich: Es hat geklappt“, erinnert sich Christoph Frobenius. Der Systemverwalter erholt sich sehr gut von den Strapazen der Behandlung und konnte bereits entlassen werden.

Auch sein Bruder hat den Eingriff sehr gut überstanden. „Seine verbleibende Niere wird um einige Zentimeter wachsen und die volle Funktion übernehmen“, erklärt Beimler. Außer jährlichen Kontrollen bei einem Nephrologen habe die Nierenspende für den Bruder keine Auswirkungen. Schon bald könnte ein weiterer Patient von der neuen Technik profitieren. Im Moment untersuchen die Heidelberger Ärzte, ob Spender und Empfänger die notwendigen Voraussetzungen mitbringen.

(Universitätsklinikum Heidelberg, 14.09.2005 – NPO)

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