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Freitag, 20.01.2017
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Protein-Cocktail hilft gegen Neugeborenen-Infektion

Impfstoff gegen Gruppe B-Streptokokken entwickelt

Auf der Suche nach einem universellen Imfpstoff gegen die Hauptursache für schwere bakterielle Infektionen bei Neugeborenen sind Wissenschaftler jetzt einen entscheidenden Schritt voran gekommen. Mithilfe einer neuen Technologie konnten sie einen Proteincocktail entwickeln, der vor Gruppe B Streptococcus (GBS) schützt.
Streptokokken

Streptokokken

Das Team des Unternehmens Chiron Vaccines in Zusammenarbeit mit Forschern der Harvard Medical School, dem US Institute for Genome Research und der University of Messina Medical School in Italien hat eine neue gentechnische Selektionstechnik genutzt, die so genannte "reverse vaccinology" ("umgekehrte Impfstoffentwicklung"). Sie haben mit dieser Technik eine Reihe von Proteinen identifiziert, die, wenn man sie kombiniert, einen Impfstoff möglich erscheinen lassen, der gegen alle bedeutsamen und im Umlauf befindlichen Stämme des Bakteriums schützen kann. Die Wissenchaftler wiesen im Laufe ihrer Forschungen außerdem erstmals die Existenz einer haarähnlicher Oberflächenstruktur ("pilus") nach, die bisher in jahrzehntelanger Forschung zu GBS nicht erkannt wurde. Die Ergebnisse wurden im Magazin Science veröffentlicht.

GBS: Bleibende Schäden und Todesfälle


Das GBS-Bakterium ist die Hauptursache für lebensbedrohliche bakterielle Infektionen bei Neugeborenen (neonatale Sepsis, Meningitis, Pneumonie). In der Bevölkerung ist eine ganze Reihe von Stämmen dieses Erregers im Umlauf. Etwa 80 Prozent der Infektionen bei Neugeborenen geschehen bei der Geburt durch Übertragung von der Mutter auf das Kind. Wissenschaftliche Untersuchungen haben GBS in der anogenitalen Schleimhaut bei 25 bis 40 Prozent aller gesunden Frauen nachgewiesen.

Trotz der Einführung einer Antibiotika-Prophylaxe in den USA verursacht GBS dort noch immer etwa 2.500 Neugeboreneninfektionen pro Jahr. Bei jedem vierten infizierten Kind hat die Infektion langfristige Folgen wie Taubheit, Erblindung und neurologische Schäden; 100 Kinder sterben in den ersten drei Lebensmonaten infolge der Infektion. Etwa die Hälfte dieser Todesfälle tritt in der ersten Lebenswoche nach der Geburt ein. Aus diesem Grund herrscht unter Wissenschaftlern und Ärzten Einigkeit, dass die Einführung einer wirksamen Impfung die einzige Möglichkeit darstellt, die Anzahl der Fälle dieser lebensbedrohlichen Infektion langfristig zu verringern.


Wichtige Proteine identifiziert


"Diese spannende Forschung zeigt am praktischen Beispiel, wie sich durch die moderne Genforschung wichtige neue medizinische Produkte entwickeln lassen", so Rino Rappuoli, Forschungsleiter bei Chiron Vaccines: "Durch sorgfältige Untersuchung des funktionellen Genoms des GBS-Bakteriums ist es uns gelungen, mehrere wichtige Proteine zu identifizieren, die möglicherweise einen Schutz gegen alle wichtigen Stämme vermitteln könnten, wenn wir sie in einem Impfstoff kombinieren.“

„Dieser Ansatz unterscheidet sich grundlegend von den klassischen Entwicklungstechnologien, bei denen die benötigten Erreger zuerst mühsam angezüchtet und verschiedene Verbindungen gereinigt werden müssen, um Kandidatenimpfstoffe zu erhalten“, so der Wissenschaftler. „Durch unsere Strategie der ,reverse vaccinology' konnten wir den Prozess beschleunigen und deutlich schneller einen möglichen universellen GBS- Impfstoff identifizieren. Außerdem hat die Entdeckung von Pilus- Strukturen auf dem Bakterium unser Wissen über seinen Wirkungsmechanismus erweitert.“

Schutz auch bei verschiedenen Bakterienstämmen


Aufgrund der vielen zirkulierenden GBS-Stämme konnten die Wissenschaftler bislang keinen Einzelkomponenten-Impfstoff finden, der universellen Schutz vor der Infektion bieten kann. Die Wissenschaftler bei Chiron Vaccines haben nun durch Analyse der Genome einer Reihe von GBS-Stämmen vier Proteine identifiziert, deren Schutzwirkung gegen die Bakterienpopulationen sich teilweise überschneidet. Präklinische Modelle haben bewiesen, dass der Impfstoff umfassend schützt; diese Modelle sind hinsichtlich der Wirkung auf den Menschen aussagekräftig, so die Forscher.

„Der Entwicklungsprozess steht zwar noch am Anfang, aber unsere Genomscreening-Strategie eröffnet die Aussicht auf neue universelle proteinbasierte Impfstoffe nicht nur gegen GBS, sondern auch gegen andere Bakterien mit variablen Stämmen wie beispielsweise Streptococcus Gruppe A und Streptococcus pneumoniae", erklärt Rappuoli.
(Chiron Vaccines, 05.07.2005 - NPO)
 
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