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Samstag, 04.02.2012
Antibiotika im Schweinefleisch
Resistente Keime nachgewiesen
Schweinefleisch enthält nach wie vor Antibiotika. Dies berichtet die Zeitschrift Ökotest in ihrer aktuellen Ausgabe. Fast ein Drittel der untersuchten Schweineschnitzel enthielt Rückstände von Antibiotika, gegen die sogar einige der gefundenen Keime resistent waren. Getestet wurde sowohl abgepackte SB-Ware als auch lose Produkte von der Fleischtheke.

Schwein
Schwein
© Dieter Lohmann
Die Tester ließen auch Keime untersuchen, die sich auf den Schnitzeln befanden. Das Ergebnis: Die Bakterien waren bereits gegen mindestens ein Antibiotikum resistent, ein Stamm gleich gegen acht verschiedene Mittel. Solche Mehrfachresistenzen sind deshalb problematisch, weil es im Notfall beim Menschen immer schwieriger wird, ein Medikament zu finden, das noch wirkt.

"Antibiotika gehören nicht in unser Fleisch.“, sagte dazu Bundesverbraucherministerin Renate Künast. „Durch den falschen Umgang mit ihnen gefährden die Verantwortlichen die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher. Wenn sich resistente Keime erst gebildet haben, wird die Therapie von Krankheiten erschwert". Künast forderte dazu auf, die strengen Anwendungsbestimmungen für Antibiotika in der vorliegenden 13. Arzneimittelrechtsnovelle in Bundestag und Bundesrat zügig zu beschließen.

Bauernverband weist Vorwürfe zurück
In einer Stellungnahme weist der Deutsche Bauernverband (DBV) den Vorwurf, Schweinefleisch sei „mit Antibiotika und Keimen verseucht“, als wenig authentisch zurück. Die Gefahr, dass sich über eine intensive landwirtschaftliche Nutztierhaltung antibiotikaresistente Bakterienstämme aufbauen, wird von wissenschaftlicher Seite als gering eingestuft, so der DBV. Auch ließe sich ein höheres Resistenzniveau für Regionen mit überwiegend großen Tierhaltungen im Vergleich zu Regionen mit kleineren Betriebsstrukturen nicht ableiten. Eine aktuelle Studie des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), ein dem Bundeslandwirtschaftsministerium zugeordnetes Bundesinstitut, habe zudem aufgezeigt, dass in Deutschland erheblich niedrigere Resistenzraten vorliegen, als sie bisher angenommen wurden. Der Hauptanteil der festgestellten Resistenzquoten sei mit weniger als zehn Prozent ermittelt worden.

Die Schweinehalter werden das Risiko jedoch nicht verharmlosen, betonte der DBV. Doch so lange es keine wirklichen Alternativen zur Therapie bei Erkrankungen gebe, könne auf den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung aus Tierschutzgründen nicht verzichtet werden. Antibiotika dürfen in der Schweinehaltung nur noch dann eingesetzt werden, wenn sie vom Tierarzt zur Therapie von Krankheiten verschrieben wurden, stellte der DBV klar. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung sei jedoch keine Alternative zu sinnvollen Management- und Hygienesystemen in den Betrieben. Viel effektiver sei es, nach den Ursachen und Wirkungen häufig auftretender Krankheiten zu suchen und gezielt diese Einflussfaktoren auszuschalten. Von wissenschaftlicher Seite werde immer wieder betont, dass viele Probleme in der Humanmedizin nicht mit dem Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung in Verbindung gebracht werden können. Deshalb sei vor Panikmache zu warnen, betonte der DBV.

Antibiotikaresistenz
Als Konsequenz aus früheren Bemühungen sind ab dem 31.12.2005 die letzten so genannten antibiotischen Leistungsförderer europaweit verboten. Bereits die Maßnahmenbündel der 11. Arzneimittelrechtsnovelle mit der Einschränkung im Bereich der Fütterungsarzneimittel und der Einführung von Abgabefristen für Antibiotika haben wesentlich zu einer Reduzierung des Antibiotikeinsatzes im Stall geführt. Gerade der ungezielte Einsatz von Antibiotika steigert das Risiko einer Resistenzentwicklung. Auch das konsequente Eintreten für das Auslaufen der Zulassung von antibiotisch wirksamen Leistungsförderern als Futtermittelzusatzstoffen auf EU-Ebene, ist Ausdruck dieses Engagements.

Auf Initiative des Verbraucherschutzministeriums fanden regelmäßig Symposien zur Risikobewertung und zum Risikomanagement statt, die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und vom BVL organisiert wurden. Anhand der Ergebnisse wurde dargestellt, dass die bereits vollzogenen Maßnahmen, wie die Erarbeitung von Leitlinien für den sorgfältigen Umgang mit Antibiotika in der Veterinärmedizin, Eingrenzung der Indikationen von Veterinärantibiotika, sowie verbraucherschutzrelevante Maßnahmen im Zusammenhang mit der Zulassung von Tierarzneimitteln, einen großen Beitrag zur Eingrenzung der Antibiotikaresistenz in Deutschland leisten.

Auf der gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin warnte ÖKO-TEST mit Vertretern des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit vor dieser bedrohlichen Entwicklung und forderte die Landwirte auf, die Bedingungen in der Tierhaltung zu verbessern. Dadurch könnte der Einsatz von Antibiotika drastisch verringert werden.
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