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Dienstag, 30.05.2017
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Tollwut nach Organspende

Fall zeigt potenzielles Restrisiko einer Infektion

In Deutschland sind möglicherweise drei Patienten an Tollwut erkrankt, die ein Organ von einer höchst wahrscheinlich mit Tollwut infizierten Spenderin erhalten haben. Dies wäre der erste Fall in Deutschland, bei dem Organempfänger mit dieser Krankheit infiziert worden sind. Der Fall zeigt, das es keine 100-prozentige Sicherheit in der Transplantationsmedizin gibt.
Tollwutvirus

Tollwutvirus

Die Deutsche Stiftung Organspüende (DSO) meldet, dass gegebenenfalls infizierte Organe (Lungen, Niere-Pankreas und Niere) einer Spenderin drei jetzt möglicherweise an Tollwut erkrankten Patienten in deutschen Transplantationszentren (Hannover, Marburg, Hannoversch-Münden) Ende des vergangenen Jahres übertragen worden sind. Weiterhin wurde die Leber einem Patienten in Heidelberg sowie die Augenhornhäute (Corneae) zwei Patienten in Mainz transplantiert. Diesen drei Patienten geht es gesundheitlich gut. Der Organempfänger der Leber im Hneidelberger Uniklinikum hat bisher eine Beschwerden; er wurde nach Bekanntwerden des Verdachts Mitte Februar umgehend geimpft und wird nun vorsorglich mit Medikamenten behandelt. Die Situation der drei höchst wahrscheinlich an Tollwut erkrankten Patienten ist medizinisch jedoch äußerst kritisch.

Die Organspenderin hatte keine Symptome von Tollwut: Die Frau wurde im Dezember letzten Jahres in ein Krankenhaus gebracht und erlitt dort einen Herzstillstand. Die eingeleiteten Maßnahmen zur Wiederbelebung konnten zwar die Kreislaufsituation stabilisieren, dennoch starb sie durch Sauerstoffmangel am Hirntod.

"So etwas hat es in Deutschland noch nie gegeben. Allerdings ist uns ein vergleichbarer Fall aus den USA vom letzten Sommer bekannt. Leider ist es medizinisch nicht möglich, solche seltenen Infektionen im Voraus - trotz umfassender Untersuchungen des Organspenders -auszuschließen. Ein potenzielles Restrisiko durch solche Infektionen bleibt somit bei jeder Transplantation bestehen", erklärt Professor Dr. Günter Kirste, Vorstand der DSO. Dieser bedauerliche Ausnahmefall dürfe aber auf keinen Fall die Wichtigkeit der Organspende und Transplantation als etabliertes Behandlungsverfahren in Frage
stellen, betont der Mediziner.


Die definitive Feststellung der Diagnose, ob die Organspenderin mit Tollwut infiziert war, laufen derzeit im Konsiliarlabor für Tollwut, Institut Virologie an der Universitätsklinik Essen und am Bernhard-Nocht-Institut, Institut für Tropenmedizin, Hamburg. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt in der Regel durch den Biss eines infizierten Tieres, ist jedoch auch über Hautverletzungen oder direkten Kontakt des infektiösen Materials (zum Beispiel Speichel) mit der Schleimhaut möglich. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind bisher nur in wenigen Einzelfällen durch Transplantationen – allerdings nicht in Deutschland - bekannt geworden. Vorsorglich wurden in den Transplantationszentren, im Krankenhaus und bei der DSO mit der Spenderin und den infizierten Patienten in Kontakt getretenen Personen aktiv und passiv immunisiert.

Die Gefahr, sich in Deutschland mit Tollwut zu infizieren sei äußerst gering, sagt Dr. Andrea Ammon, Leiterin der Abteilung für Infektionsepidemiologie am Robert-Koch-Institut, Berlin. In Deutschland seien die letzten beiden Todesfälle in den Jahren 1996 und 2004 aufgetreten: In beiden Fällen erkrankten die Betroffenen im Zusammenhang mit Auslandsaufenthalten, so Dr. Ammon. In der Regel
werden bei vermutetem Kontakt mit einem an Tollwut infizierten Tier entsprechende Schutzimpfungen durchgeführt und verhindern erfolgreich die Erkrankung.
(Deutsche Stiftung Organtransplantation, 17.02.2005 - NPO)
 
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