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Donnerstag, 20.09.2018
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Helikopter-Eltern: Schlecht fürs Kind?

Überfürsorge hemmt Ausbildung der Selbstkontrolle und Frustrationstoleranz

Zu behütet: Überfürsorgliche "Helikopter-Eltern" schaden ihren Kindern langfristig mehr als dass sie helfen, bestätigt nun eine Langzeitstudie. Werden demnach Kinder zu stark bevormundet und abgeschirmt, hemmt dies die Entwicklung der emotionalen Selbstkontrolle und schwächt die Frustrationstoleranz. Das wiederum kann im Schulalter zu sozialen Defiziten und schulischen Problemen führen, wie die Forscher im Fachmagazin " Developmental Psychology" berichten.
Überfürsorgliche Eltern hindern ihre Kinder an wichtigen Erfahrungen

Überfürsorgliche Eltern hindern ihre Kinder an wichtigen Erfahrungen

Sie gelten als Phänomen der Gegenwart und werden oft belächelt: die sogenannten Helikopter-Eltern. Typisch für diese überfürsorglichen Väter und Mütter ist, dass sie ihre Kleinen am liebsten vor allen Unbilden bewahren wollen. Dadurch aber lassen sie ihnen kaum Raum für eigenständige Erfahrungen - ob beim Spielen oder im Umgang mit Gleichaltrigen: "Diese Eltern greifen bereits ein, bevor die Kinder die Chance haben, selbst ihre Emotionen oder ihr Verhalten zu regulieren", erklären Nicole Perry von der University of Minnesota und ihre Kolleginnen.

Kleinkindalter entscheidend


Das Problem: Die Erfahrungen im frühen Kindesalter sind für Kinder essenziell, um den Umgang mit mit positiven oder negativen Situationen zu lernen. So entwickeln die Kinder beispielsweise die Fähigkeit, ihre Impulse und Gefühle besser zu kontrollieren, Frustrationen auszuhalten und sich auch an nicht optimale Bedingungen anzupassen. "Diese in der Kindheit gelernten selbstregulatorischen Prozesse tragen signifikant dazu bei, ob diese Kinder später gut eingegliedert sind oder nicht", so die Forscherinnen.

Was aber passiert, wenn überhütenden Eltern ihre Kinder vor vielen lehrreichen Erfahrungen bewahren? Das haben Perry und ihre Kolleginnen nun an 422 Kindern mitverfolgt. Sie begleiteten die Kinder und ihre Eltern vom zweiten bis zum zehnten Lebensjahr und beobachten regelmäßig die Interaktion von Eltern und Kindern, aber auch das Verhalten der Kinder gegenüber Gleichaltrigen und später in der Schule.


Mangelnde Selbstkontrolle


Das Ergebnis: Wurden die Kinder im Krabbelalter von Helikopter-Eltern überbehütet und kontrolliert, hatten sie mit fünf Jahren größere Probleme, ihre Gefühle und ihr Verhalten zu kontrollieren. "Die Kinder reagierten auf unterschiedliche Weise: Einige wurden schnell aufsässig, andere zeigten Frustration oder waren besonders apathisch", berichtet Perry. Generell fiel es diesen Kindern schwerer, ihre Impulse zu kontrollieren.

Noch deutlicher wurden die Unterschiede im Schulalter: Kinder von Helikopter-Eltern hatten im Alter von zehn Jahren oft eine schlechtere Impulskontrolle und dadurch stärkere soziale Probleme und oft auch Leistungsdefizite in der Schule. "Kinder, die dagegen schon früh die Fähigkeit entwickelt hatten, sich in Stresssituationen selbst zu beruhigen und sich adäquat zu verhalten, hatten es leichter, mit den Bedingungen im Schulalltag klarzukommen", so Perry.

Autonomie ist wichtig


Nach Ansicht der Forscherinnen ist es daher wichtig, dass Eltern ihren Kindern auch in jungen Jahren den Raum geben, selbstständig Erfahrungen zu machen – keine einfache Gratwanderung. Denn natürlich sind Kleinkinder in besonderem Maße auf die Hilfe und den Schutz der Eltern angewiesen. Dennoch sei ein gewisses Maß an Autonomie auch für die Kleinen wichtig. "Sonst hindern sie die Kinder daran, wichtige Regulationsstrategien zu üben", so die Forscherinnen.


Weil gerade junge Eltern es oft "zu gut " mit ihren Kindern meinen, könnte gezielte Aufklärung einem zu starken "Helikopter-Verhalten" vorbeugen, sagen Perry und ihre Kolleginnen. (Developmental Psychology, 2018; doi: 10.1037/dev0000536)
(American Psychological Association, 19.06.2018 - NPO)
 
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