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Samstag, 21.10.2017
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Kaum noch Chancen fürs Zwei-Grad-Ziel

Welt steuert auf mindestens drei Grad zu – selbst mit umgesetztem Klimaschutz

Hat die Menschheit versagt? Die Chance, die Erderwärmung bis 2100 auf zwei Grad oder weniger zu begrenzen, liegt nur noch bei rund fünf Prozent, wie Klimaforscher ermittelt haben. Selbst wenn man sofort alle CO2-Emissionen weltweit stoppen würde – was absolut unrealistisch wäre, steigen die Temperaturen bis 2100 in jedem Falle um 1,3 Grad. Das Klimaschutzziel von Paris ist daher nur noch mit drastischen, schnellen Maßnahmen zu erreichen, so die Forscher im Fachmagazin "Nature Climate Change".
Die Chance, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, liegt nur noch bei fünf Prozent...

Die Chance, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, liegt nur noch bei fünf Prozent...

Die Aussichten sind nicht rosig: Geht der Klimawandel so weiter, drohen in vielen Teilen der Erde Hitze, Dürren, sintflutartige Regenfälle und überflutete Küstengebiete. Zwei Milliarden Menschen könnten dadurch zu Klimaflüchtlingen werden, so die düstere Prognose. Genau deshalb soll die Erwärmung auf weniger als zwei Grad bis 2100 begrenzt werden – so das Ziel des Pariser Abkommens.

Extrapolation aktueller Trends


Doch wie realistisch ist dieses Zwei-Grad-Ziel? Das haben nun Adrian Raftery von der University of Washington und seine Kollegen untersucht. Wie sie betonen, handelt es sich dabei nicht um ein business-as-usual-Szenario, sondern um Prognosen, die die Effekte der bisher beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen schon mit einbeziehen.

Ihr Modell basiert auf Daten der letzten 50 Jahre zu Bruttoninlandsprodukt und CO2-Ausstoß pro Wirtschaftseinheit aller Staaten sowie der Tatsache, dass die Weltbevölkerung bis 2100 auf elf Milliarden Menschen wachsen wird, wie die UN prognostiziert. Auch die nationalen Emissionsziele sind berücksichtigt. Aus diesen Daten ermittelten die Forscher die Wahrscheinlichkeit, bis zum Jahr 2100 bestimmte CO2-Werte und Temperaturen zu erreichen.


Chance bei fünf Prozent


Das Ergebnis: "Unsere Analyse zeigt, dass das Zwei-Grad-Ziel ein ziemliches Best-Case-Szenario ist", sagt Raftery. Den Modellen nach liegt die Wahrscheinlichkeit, dieses für 2100 gesetzte Ziel zu erreichen, bei nur rund fünf Prozent. Das angestrebte noch ehrgeizigere Klimaschutzziel von 1,5 Grad Erwärmung ist sogar noch unrealistischer: Seine Chance liegt bei nur einem Prozent. "Wir sind damit bereits näher an der Grenze als wir glauben wollen", sagt Raftery.

Den Prognosen nach landen wir irgendwo zwischen den beiden mittleren Szenarien des IPCC

Den Prognosen nach landen wir irgendwo zwischen den beiden mittleren Szenarien des IPCC

Sehr viel wahrscheinlicher ist es dagegen, dass die Temperaturen deutlich über den Klimaschutzzielen liegen werden: Die Chance für eine Erwärmung zwischen zwei und 4,9 Grad liegt bei 90 Prozent. Der Medianwert – und damit das wahrscheinlich zu erwartende Mittel, liegt bei 3,2 Grad, wie die Forscher berichten. Damit pendelt sich der Klimawandel zwischen den beiden mittleren Szenarien des IPCC ein.

Kohlenstoffintensität der Wirtschaft entscheidend


Zur Überraschung der Wissenschaftler spielt das Bevölkerungswachstum für diesen Trend kaum eine Rolle. Dies könnte daran liegen, dass dieses zum größten Teil in Afrika stattfindet - und damit in Ländern, die ohnehin wenig zu den CO2-Emissionen beitragen, wie sie erklären.

Stattdessen ist der Schlüsselfaktor für den Klimakurs die sogenannte Carbon Intensity – die Menge an CO2, die ein Land pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts ausstößt. "Die meisten Länder haben hierbei den Gipfel überschritten, ihre Kohlenstoffintensität sinkt bereits wieder", berichten die Forscher. Doch bisher reicht dieser Trend nicht aus. "Wir brauchen einen abrupten Kurswechsel, um unserer Klimaschutzziele noch zu erreichen", so Raftery.

1,3 Grad wärmer trotz komplettem Stopp


Wie abrupt dieser Kurswechsel sein müsste, unterstreicht eine zweite, im gleichen Journal erschienene Studie. In ihr haben Thorsten Mauritsen vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und sein Kollege untersucht, wie sich das Klima entwickelt, wenn man jetzt sofort alle CO2-Emissionen weltweit stoppen würde.

Das Ergebnis: Selbst bei sofortigem Emissions-Stopp würde sich das Klima bis zum Jahr 2100 um 1,3 Grad erwärmen. Denn das Klimasystem reagiert träge und daher wirken sich die CO2-Emissionen der letzten Jahre und Jahrzehnte erst mit Verzögerung aus. Im Extremfall bedeutet dies: Das Klimaschutzziel von 1,5 Grad könnte schon aufgrund dieses Effekts überschritten werden – weil wir diese Erwärmung schon jetzt verursacht haben. (Nature Climate Change, 2017; doi: 10.1038/nclimate3352; doi: 10.1038/nclimate3357)
(University of Washington / Nature, 01.08.2017 - NPO)
 
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