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Samstag, 21.10.2017
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Hilft Brokkoli gegen Diabetes?

Gemüse-Inhaltsstoff kann den Blutzucker bei Diabetes-Patienten senken

Grüne Medizin: Ein in Brokkoli und anderen Kreuzblütlern vorkommender Wirkstoff könnte sich als neue Waffe gegen Diabetes Typ 2 entpuppen. In ersten Experimenten machte eine Behandlung mit dem Senföl bei Ratten Veränderungen der Genexpression rückgängig, die der Erkrankung zugrunde liegen. Auch am Menschen zeigte sich die Substanz wirkungsvoll: Verabreicht in Form von Brokkolisprossen-Extrakt, verbesserte der Inhaltsstoff die Blutzuckerwerte von Diabetespatienten messbar.
Ein in Brokkoli enthaltener Wirkstoff kann den Blutzucker senken.

Ein in Brokkoli enthaltener Wirkstoff kann den Blutzucker senken.

300 Millionen Menschen leiden weltweit an Diabetes mellitus Typ 2. Bei dieser Form der Stoffwechselerkrankung kann das Hormon Insulin nicht mehr genügend Wirkung entfalten, um Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Als Folge kommt es zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Dieser kann auf Dauer große gesundheitliche Schäden verursachen - etwa an der Augennetzhaut und den Nieren. Auch das Risiko für koronare Herzerkrankungen oder Krebs ist dadurch oftmals erhöht.

Um ihre Blutzuckerwerte wieder unter Kontrolle zu bekommen, können Menschen mit dieser Diabetesform zunächst eine Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme und mehr Bewegung versuchen. In schwereren Fällen wird jedoch eine Behandlung mit Insulin oder blutzuckersenkenden Medikamenten wie Metformin nötig. Das Problem: Weil die Mittel unter anderem die Nieren schädigen können, sind sie nicht für alle Patienten geeignet.

Fahndung nach Wirkstoff-Kandidaten


Auf die Suche nach einem alternativen Wirkstoff haben sich nun Wissenschaftler um Annika Axelsson vom Lund University Diabetes Center im schwedischen Malmö gemacht. Dafür schauten sie sich an, welche genetischen Besonderheiten einem Diabetes Typ 2 zugrunde liegen. Bekannt ist, dass die Stoffwechselerkrankung häufig mit Veränderungen der Genexpression einhergeht.


Die Idee der Forscher: Erstellen sie eine typische Gensignatur der Diabetesform und vergleichen diese mit dem Wirkprofil unterschiedlicher chemischer Verbindungen, finden sie womöglich einen Kandidaten, der die modifizierte Genexpression rückgängig zu machen vermag. Auf der Grundlage von 50 Genen konstruierten sie zu diesem Zweck zunächst die Diabetessignatur und suchten dann in einer Datenbank mit 3.852 Verbindungen nach einem geeigneten Gegenpart.

Brokkoli-Inhaltsstoff im Fokus


Als vielversprechendsten Wirkstoff identifizierten sie schließlich die Substanz Sulforaphan. Der Pflanzenstoff kommt als Senfölglykosid Glukoraphan in Kreuzblütengewächsen wie Kresse, Radieschen, Rettich und Brokkoli vor und wird mithilfe von Enzymen in seine aktive Form umgewandelt. In Brokkolisprossen ist er besonders zahlreich enthalten.

In ersten Studien hat sich der Brokkoli-Inhaltsstoff bereits als mögliche Waffe gegen Krebs und Autismus entpuppt. Doch würde er auch gegen Diabetes helfen? Tatsächlich offenbarten Laborexperimente: Sulforaphan kann eine erhöhte Glucose-Produktion in Leberzellen unterdrücken und bei erkrankten Ratten die Genexpression zum Positiven verändern. Dabei wirkt es nach Angaben der Forscher ähnlich gut wie Metformin.

Blutzuckerwerte verbessert


Ob sich dieser Effekt auch beim Menschen bestätigen lässt, testeten die Wissenschaftler an 97 Probanden mit Übergewicht und einer Diabetes Typ 2-Erkrankung. Die Teilnehmer nahmen über einen Zeitraum von zwölf Wochen regelmäßig konzentriertes Brokkolisprossen-Extrakt oder ein wirkloses Placebo ein.

Dabei zeigte sich: Bei Probanden, die das Extrakt verabreicht bekommen hatten, verbesserten sich die Blutzuckerwerte messbar. Sowohl der sogenannte Nüchternblutzucker als auch das Glykohämoglobin HbA1c, umgangssprachlich als Langzeit-Blutzucker bekannt, wurden durch die Behandlung gesenkt.

Weitere Studien nötig


Trotzdem raten die Forscher Diabetespatienten davon ab, sich nun in Eigenregie mit hohen Dosen Brokkolisprossen-Extrakt oder konzentriertem Sulforaphan therapieren zu wollen. Zunächst müssten weitere Studien die Wirksamkeit der Substanz bestätigen und zeigen, welche Patientengruppen am meisten von dem Wirkstoff profitieren können, so ihr Fazit. (Science Translational Medicine, 2017; doi: 10.1126/scitranslmed.aah4477)
(American Association for the Advancement of Science, 15.06.2017 - DAL)
 
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