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Montag, 11.12.2017
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Vorgeburtlicher Stress begünstigt Heißhungerattacken

Ausgewogene Ernährung schützt vor krankhaftem Binge Eating

Krankhafte Heißhungerattacken: Vorgeburtlicher Stress macht offenbar anfällig für die sogenannte Binge-Eating-Störung. Das zumindest legt ein Experiment mit Mäusen nahe. Demnach führt die Belastung während der Schwangerschaft vor allem bei weiblichem Nachwuchs in der Pubertät häufig zu einem ungesunden Essverhalten. Die Veranlagung für die Störung wird dabei bereits im Gehirn des Fötus programmiert. Eine ausgewogenen Ernährung scheint den Ausbruch der Erkrankung jedoch verhindern zu können.
Prägende Phase: Die Zeit im Mutterleib wirkt sich entscheidend auf das spätere Leben des Kindes aus - offenbar auch auf seine Anfälligkeit für eine Essstörung.

Prägende Phase: Die Zeit im Mutterleib wirkt sich entscheidend auf das spätere Leben des Kindes aus - offenbar auch auf seine Anfälligkeit für eine Essstörung.

Die Zeit im Mutterleib prägt unsere Entwicklung, unsere Gesundheit und auch unser Verhalten so stark wie keine Lebensphase nach ihr. Eng verbunden mit dem mütterlichen Organismus bekommt das Baby alles mit, was auch die Mutter bewegt oder sie belastet. Ist die Mutter während der Schwangerschaft oft gestresst, kann das nicht nur das Wachstum des Fötus und den Geburtstermin beeinflussen.

Bekannt ist auch, dass Belastungen der Mutter das Risiko für spätere körperliche und psychische Erkrankungen beim Nachwuchs erhöhen. Mariana Schroeder vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie und ihre Kollegen haben nun untersucht, ob dieses Phänomen bei krankhaften Heißhungerattacken ebenfalls eine Rolle spielt. Die verbreitete Essstörung Binge Eating führt dazu, dass Betroffene innerhalb kürzester Zeit unkontrolliert große Mengen an Nahrung zu sich nehmen - die Erkrankung tritt vor allem bei Frauen auf.

Programmierung im Gehirn


Für ihre Studie testeten die Forscher, wie sich Stress in der Schwangerschaft auf die Nachkommen von Mäusen auswirkt. Tatsächlich stellten sie fest, dass die pränatale Belastung vor allem das Verhalten weiblicher Jungtiere zu beeinflussen schien. Demnach entwickelte weiblicher Nachwuchs von Mäusen, die während der Schwangerschaft gestresst waren, während der Pubertät eher Fressattacken als weiblicher Nachwuchs nicht gestresster Mäuse.


Die Veranlagung für die Essstörung wird dabei offenbar im Gehirn des Fötus programmiert, wie Schroeder erklärt: "Wir haben herausgefunden, dass viele Moleküle im Hypothalamus der betroffenen Nachkommen epigenetisch verändert waren. Diese Programmierung führt jedoch nicht immer zu gestörtem Essverhalten. Nur wenn während der Pubertät bestimmte Auslöser auftreten, machen sich die bereits durch pränatale Programmierung gegebenen Veränderungen bemerkbar."

Ausgewogene Ernährung schützt


Weitere Experimente zeigten, dass sich dem Ausbruch der Störung gezielt entgegensteuern lässt: mit einer ausgewogenen Ernährung. "Das Bemerkenswerteste an der Studie ist, dass wir den Ausbruch von Heißhungerattacken vollständig unterbinden konnten, indem wir den heranwachsenden Mäusen eine ausgewogene Diät verabreichten", berichtet Schroeders Kollege Alon Chen.

Lassen sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen, könnten sich dadurch neue Ansätze zur Vorbeugung der Binge-Eating-Störung ergeben, die nicht nur mit seelischen Beschwerden wie Depressionen, einem niedrigen Selbstwertgefühl und Angststörungen einhergeht, sondern auch zu Übergewicht führt und dadurch den Körper belastet.

In jedem Fall liefere die Untersuchung den Beweis dafür, dass krankhaften Heißhungerattacken eine pränatale Programmierung zugrunde liegen kann, so Chen. "Außerdem gibt sie uns einen entscheidenden Einblick in ein bislang sehr vernachlässigtes Forschungsgebiet." (Cell Metabolism, 2017; doi: 10.1016/j.cmet.2017.05.001)
(Max-Planck-Gesellschaft, 14.06.2017 - DAL)
 
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