• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 28.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Magnetfeld: Vorerst doch keine Umpolung?

Historische Relikte belegen starke Schwankungen schon vor knapp 3.000 Jahren

Entwarnung? Die derzeitige Abschwächung des Erdmagnetfelds kündigt möglicherweise doch keine drohende Polumkehr an. Denn historische Relikte belegen, dass vor knapp 3.000 Jahren die Magnetstärke sogar noch schneller absank, ohne dass ein Polwechsel eintrat. Generell durchlebte die Erde damals eine Phase starker lokaler Magnetfeldschwankungen, wie die Forscher berichten. Selbst stärkere Veränderungen der Feldstärke könnten demnach durchaus normal sein. – und kein drohendes Vorzeichen.
Modell des normalen Dipol-Erdmagnetfelds - bei einer Umpolung löst sich diese relativ geordnete STurktur zunöchst auf, um sich dann umztukehren.

Modell des normalen Dipol-Erdmagnetfelds - bei einer Umpolung löst sich diese relativ geordnete STurktur zunöchst auf, um sich dann umztukehren.

In den letzten 200 Jahren hat die Feldstärke des Erdmagnetfelds kontinuierlich abgenommen. Gleichzeitig hat sich auch die Magnetachse ungewöhnlich stark nach Osten verschoben. Dies könnte auf eine bevorstehende Umpolung des Magnetfelds hindeuten. Immerhin liegt der letzte Polwechsel bereits 780.00 Jahre zurück und nach Ansicht einiger Forscher wäre daher der nächste schon überfällig.

Gefäßreste als Zeitzeugen


Doch Erez Ben-Yosef von der Universität Tel Aviv und seine Kollegen geben nun vorerst Entwarnung.
Die Basis dafür liefern 67 tönerne Gefäßteile aus der Zeit von 800 bis 200 vor Christus. Anhand eingeprägter Siegel lässt sich genau bestimmen, wann diese Gefäße geformt und gebrannt wurden. "Die von den Gefäßen abgedeckte Zeitperiode erlaubt es uns, Daten zum Erdmagnetfeld von der Eisenzeit bis in die hellenistische Zeit für diese Region zu ermitteln", erklärt Ben-Yosef.

Das Prinzip dahinter: Im feuchten Ton reagieren winzige magnetisierbare Partikel auf das Erdmagnetfeld und speichern deren Ausrichtung und Stärke. Wird der Ton dann gebrannt, bleiben diese Informationen konserviert. "Nahezu alles, was erhitzt wurde und dann wieder abkühlte, kann dadurch zum Zeugen der Magnetverhältnisse werden", sagt der Forscher. So auch die in Israel gefundenen Gefäßteile.


Tönerner Zeitzeuge: Das auf diesem Gefäßstück eingeprägte Siegel verrät, wann dieser Ton gebrannt wurde.

Tönerner Zeitzeuge: Das auf diesem Gefäßstück eingeprägte Siegel verrät, wann dieser Ton gebrannt wurde.

Extremer Peak, dann Absturz


Die Analyse ergab Überraschendes: Selbst in dem relativ kurzen Zeitraum, den die Gefäßteile abdecken, schwankte die Intensität des Erdmagnetfelds offenbar deutlich. Um 800 vor Christus gab es dabei zunächst eine kurze Periode sehr hoher Werte. Sie erreichten mehr als das Doppelte der heutigen Werte. "Wir nennen dies die Eisenzeit-Spitze – sie hat die höchsten Feldstärken der letzten 100.000 Jahre", berichtet Ben-Yosef.

Auf diese Hochphase folgte eine Zeit langsamer, stetiger Abnahme, die jedoch von einem plötzlichen Absacken der Feldintensität unterbrochen wurde: "Die Daten zeigen eine abrupte Abnahme um 27 Prozent innerhalb von nur 15 bis 30 Jahren", berichten die Forscher. Ihrer Ansicht nach belegt dies, dass Schwankungen des Erdmagnetfelds selbst in stärkerem Ausmaß durchaus normal sind.

"Normale Schwankung"


"Diese neuen Erkenntnisse bringen die jüngste Abschwächung in Kontext", sagt Ben-Yosef. "Offensichtlich ist dies kein einzigartiges Phänomen – das Feld ist in den letzten Jahrtausenden schon mehrfach stärker und schwächer geworden." Dies bestätigt auch die Ergebnisse einer früheren Studie, nach der das aktuelle Magnetfeld trotz sinkender Feldstärke noch doppelt so stark ist wie im Durchschnitt der letzten fünf Millionen Jahre.

Eine Polumkehr ist demnach wohl vorerst nicht zu befürchten. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2017; doi: 10.1073/pnas.1615797114)
(Tel Aviv University, 17.02.2017 - NPO)
 
Printer IconShare Icon