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Mittwoch, 26.04.2017
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Alpen: Bald kein Schnee mehr?

Klimawandel sorgt für schlechte Prognose für viele Wintersportgebiete

Schlechte Aussichten für Wintersportler: In Zukunft wird die Schneesaison in den Alpen immer kürzer und spärlicher ausfallen. Skigebiete unterhalb von 1.000 Metern werden bis 2100 so gut wie keinen Schnee mehr haben, in Lagen um 1.500 Meter verkürzt sich die Skisaison um gut ein Vierteljahr, wie eine neue Prognose enthüllt. Selbst effektiver Klimaschutz kann den Schneeverlust nur noch teilweise aufhalten, wie die Forscher berichten.
Wird Wintersport in den Alpen künftig noch möglich sein? Und wenn ja, wo?

Wird Wintersport in den Alpen künftig noch möglich sein? Und wenn ja, wo?

In diesem Jahr haben Wintersportler Glück: Kälte und reichlich Schnee im Januar haben in vielen Skigebieten der Alpen für gute Bedingungen gesorgt. Aber wie lange wird dies angesichts des sich ändernden Klimas noch möglich sein? Schon jetzt schrumpfen die Alpengletscher rapide, weil dieses Gebirge zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen gehört.

Wie viel Schnee fällt künftig noch?


Doch für den Wintersport in den Alpen ist eine andere Frage viel drängender: Wie viel Schnee wird künftig noch auf den winterlichen Pisten liegen? Und welche Skiorte haben eine Chance, trotz Klimawandel zu überleben? Diese Fragen haben Christoph Marty und seine Kollegen von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Davos nun untersucht.

"Erfahrungen zeigen, dass eine Schneedicke von mindestens 30 Zentimetern in den 100 Tagen zwischen 1. Dezember und 15. April das Minimum ist, um einen Skiort wirtschaftlich zu betrieben", erklären die Forscher. Für ihre Studie simulierten sie auf Basis meteorologischer Daten und Klimaszenarien, wie sich die Schneebedeckung in den Schweizer Alpen bis 2099 in den verschiedenen Höhenlagen entwickeln wird.


Gravierender Rückgang in den meisten Höhen


Das Ergebnis: In jedem Falle wird die Schneesaison in den Alpen künftig auf jeden Fall kürzer und die Schneedecke dünner - unabhängig vom kommenden Ausmaß des Klimawandels. Wie stark allerdings der Schneerückgang ausfällt, hängt von der Höhenlage und vom Klimaszenario ab, erklären die Forscher. Am stärksten betroffen sind demnach die Höhenlagen zwischen 1000 und 1500 Metern – eine Höhe, in der ein Großteil der Skigebiete liegt.

Schon jetzt nicht mehr schneesicher: Kunstschnee-Piste in Davos

Schon jetzt nicht mehr schneesicher: Kunstschnee-Piste in Davos

"Auf rund 1000 Metern Höhe dauert die Schneesaison zurzeit rund vier Monate – von Dezember bis Ende März", sagen Marty und seine Kollegen. "Am Ende dieses Jahrhunderts wird es bei nahezu ungebremster Erwärmung in dieser Höhenlage so gut wie keinen Schnee mehr geben." Auf 1500 Metern Höhe wird die Skisaison schon im Jahr 2035 zwei Wochen später beginnen und zwei Wochen früher aufhören. Bis 2085 schrumpft die Zeit der Schneebedeckung dort sogar um 13 Wochen.

Ski und Rodel gut nur noch auf 2.500 Metern?


Auch die Menge des Schnees wird deutlich abnehmen. Denn durch die Erwärmung fällt der winterliche Niederschlag immer häufiger als Regen statt als Schnee. Das Klima der Alpen verschiebt sich dadurch: Schneeverhältnisse wie heute auf 1.000 Metern wird es Mitte des Jahrhunderts nur noch auf 1.200 bis 1.500 Metern Höhe geben, bis Ende des Jahrhunderts sogar nur noch auf 1700 bis 2.000 Metern Höhe.

Wie stark die Schneemenge schrumpft, hängt allerdings stark vom Ausmaß des Klimawandels ab:
Wird die Erwärmung auf zwei Grad begrenzt, dann schrumpft die Schneebedeckung um bis zu 30 Prozent bis zum Ende des Jahrhunderts, so die Prognose der Forscher. Gibt es dagegen kaum wirksamen Klimaschutz, dann werden es bis zu 70 Prozent Schnee weniger. Gute Bedingungen für den Wintersport könnte es dann im schlimmsten Fall nur noch oberhalb von 2500 Metern Höhe geben.

Auswirkungen auch auf Wasserversorgung


Keine guten Nachrichten für den Alpenraum: "Viele Orte in den Alpen sind stark abhängig vom Wintertourismus, die Wirtschaft und Gesellschaft dieser Regionen wird in jedem Fall leiden", erklärt Koautor Sebastian Schlögl vom SLF. Gibt es mehrere Winter lang kaum oder kein Schnee, wäre die Lebensgrundlage von Zehntausenden von Menschen in der Alpenregion bedroht.

Die Folgen reichen dabei weit über die Skigebiete hinaus: Weil durch den spärlichen Schnee auch das Schmelzwasser weniger wird, könnten die Flüsse der Alpenregion dadurch im Sommer weniger Wasser führen als bisher. Das hätte für Landwirtschaft, die Gewinnung von Strom durch Wasserkraft, aber auch die Schifffahrt spürbare Folgen.

Immerhin gibt es auch ein wenig Hoffnung: Gelingt es, die globale Erwärmung doch noch auf zwei Grad zu begrenzen, dann könnten zumindest die für Ende des Jahrhunderts vorhergesagten Folgen ausbleiben, so die Prognose der Wissenschaftler. Zwar werden Schneebedeckung und Dauer der Skisaison bis 2050 weiter schrumpfen, danach aber könnte sich die Lage stabilisieren. (The Cryosphere, 2017; doi: 10.5194/tc-11-1-2017)
(European Geosciences Union (EGU), 17.02.2017 - NPO)
 
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