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Freitag, 26.05.2017
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Unsichere Clouds

Forscher entdecken Schadprogramme bei 20 Anbietern von Internet-Datenspeichern

Unsicherer Speicherort: Bei vielen Cloud-Hosting-Anbietern sind unsere Daten nicht sicher. Eine Studie deckt auf, dass circa zehn Prozent der Datendepots in Clouds mit potenziell schädlicher Software infiziert sind. Diese gefährlichen Inhalte sind jedoch durch herkömmliche Virenscans schwer zu finden, weil die Angreifer ihre Malware mit verschiedenen Tricks tarnen. Die Forscher kamen diesen Programmen jedoch mit einem eigens entwickelten Scanner auf die Schliche.
Circa zehn Prozent der Datendepots in Clouds könnten, laut einer Studie, mit Schadsoftware infiziert sein.

Circa zehn Prozent der Datendepots in Clouds könnten, laut einer Studie, mit Schadsoftware infiziert sein.

Die Nutzung von Clouds ist inzwischen weitverbreitet. Durch die externe Speicherplattform im Internet können wir von überall auf unsere Daten zugreifen, Inhalte mit Bekannten teilen und den Speicherplatz unseres Rechners erweitern. Selbst wenn der Computer mal abstürzt, sind die Daten in der Cloud noch abrufbar. Doch wie sicher unsere Daten dort liegen ist umstritten.

Raheem Beyah, Forscher vom Georgia-Institute of Technology hat deswegen gemeinsam mit Kollegen 20 führende Cloud-hosting-Anbieter auf Schaddaten untersucht. "Wie jeder andere sind auch die 'bösen Jungs' auf die Cloud umgestiegen", erklärt Beeyah. "Sie können die Cloud nutzen, um Malware und andere schädliche Dinge zu verbreiten und dabei unentdeckt bleiben."

Scanner identifiziert böse Bodyguards


Um herauszufinden, ob in den Cloudspeichern tatsächlich schädliche Inhalte gespeichert sind, entwickelten die Forscher einen speziellen Scanner - den BarFinder. Dieser sucht und erkennt automatisch Merkmale, die nur bei böswilligen Daten vorkommen, bekannt als Bars. Das können bestimmte Umleitungssysteme sein oder Gatekeeper-Elemente, die extra entwickelt wurden, um Schadsoftware vor Scans zu verstecken.


"Wir haben festgestellt, dass es eine wiederkehrende Struktur gibt, wie diese Angreifer vorgehen" sagt Beyah. "Die bösen Jungs hatten beispielsweise alle Bodyguards an der Tür. Das ist nicht normal für Cloud-Speicherung und wir haben diese Struktur verwendet, um sie zu erkennen." Mithilfe ihres Werkzeugs konnten die Forscher so 140.000 Sites auf mehr als 20 Cloud-Hosting-Plattformen scannen.

Die Karte zeigt die Länder, in denen die Forscher die meisten verseuchten Clouddepots entdeckten.

Die Karte zeigt die Länder, in denen die Forscher die meisten verseuchten Clouddepots entdeckten.

700 böswillige Daten entdeckt


Das Ergebnis: Etwa zehn Prozent der Cloud-Speichereinheiten waren in irgendeiner Weise verändert worden, wie die Forscher entdeckten. Die Palette der Angriffe war dabei breit gefächert: Von Phishing über Drive-by-Downloads bis hin zu gefälschter Antivirus- und Computer-Update-Software.

Insgesamt entdeckten die Forscher etwa 700 aktive Depots mit böswilligen Inhalten. "Sie sind allgegenwärtig in der Cloud" sagt Beyah. "Wir fanden Probleme in jedem einzigen Hosting-Dienst, den wir untersucht haben. Wir glauben, dass dies ein erhebliches Problem für die Cloud-Hosting-Branche ist."

Hacker nutzen Angriffsfläche


Nach Meinung der Forscher nutzen Kriminelle aus, dass es schwer es ist, riesige Speicher zu scannen. Betreiber von Cloud-Hosting-Diensten könnten nach Meinung der Forscher nicht über die erforderlichen Ressourcen verfügen, um Tiefenscans durchzuführen, die Bars finden würden. Zudem könnten ihre Möglichkeiten der Datenüberwachung durch Dienstleistungsvereinbarungen eingeschränkt sein.

Dies könnte Hackern einfach die Türen öffnen: In einigen Fällen eröffnen sie einfach einen eigenen Account und beginnen, ihre Software zu hosten. In anderen Fällen verstecken sie ihren schädlichen Inhalt in den Cloudspeicher bereits existierender renommierter Cloudanbieter

Gut versteckte Einzelteile


Angreifer nutzen aber auch weitere Tricks, um sich zu verstecken. So teilen sie ihre Schadsoftware in verschiedene Stücke auf und speichern diese in getrennten Clouddepots. Dadurch werden sie von traditionellen Anti-Viren-Scans nicht gefunden.

"Wenn Sie die Komponenten schrittweise scannen, sehen Sie nur einen Teil der Malware und der Teil, den Sie sehen, ist möglicherweise nicht bösartig", so Beyah. Gleichzeitig schütze das Mischen von schlechten und guten Inhalten die Schadsoftware davor, dass sie auf der schwarzen Liste der Anbieter lande. Erst wenn ein Angriff gestartet werden soll, setzen sich die verschiedenen Teile der Malware zusammen.

BarFinder auch für ein größeres Publikum?


Um die Cloud-basierten Daten vor solchen Angriffen zu schützen, empfiehlt Beyah gängige Abwehrmechanismen einschließlich des häufigen Nachrüstens von Systemen und entsprechenden Konfigurationseinstellungen. Die Forscher haben die Cloud-Anbieter bereits von ihren Ergebnissen und den möglichen Angriffspunkten informiert.

In Zukunft möchten die Forscher ihren Bar-Scanner gerne einem breiteren Nutzerkreis zur Verfügung stellen. Sie könnten sich vorstellen, die Technik für ein Sicherheitsunternehmen lizensieren zu lassen oder den Scanner als Open-Source-Werkzeug zur Verfügung zu stellen.

"Angreifer sind sehr klug, und wenn wir die Dinge sicherer machen und die Cloud-Infrastruktur für sie schwerer angreifbar, dann werden sie sich bald etwas Neues einfallen lassen", sagt Beyah "In der Zwischenzeit macht jedes System, das wir sichern können, das Internet ein bisschen sicherer."
(Georgia Institute of Technology, 20.10.2016 - HDI)
 
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