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Samstag, 03.12.2016
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Litten schon die Dinos an Malaria?

Vorform des Blutparasiten in 100 Millionen Jahre alter Mücke entdeckt

Stich mit Folgen: Schon die Dinosaurier könnten von einem Malaria-Vorläufer geplagt worden sein. Denn schon vor 100 Millionen Jahren existierten einzellige Blutparasiten, die dem Malariaerreger Plasmodium ähnelten, wie ein US-Forscher herausgefunden hat. Belege dafür liefert eine in Bernstein eingeschlossene Gnitze, in deren Hinterleib Oocysten dieses Blutparasiten zu erkennen sind.
Diese 100 Millionen Jahre alte Bartmücke in Bernstein trägt im HInterleib (rechts) Oocysten des BlutparasitenPaleohaemoproteus burmacis.

Diese 100 Millionen Jahre alte Bartmücke in Bernstein trägt im HInterleib (rechts) Oocysten des BlutparasitenPaleohaemoproteus burmacis.

Wie lange es die Malaria schon gibt, ist bisher strittig. Klar scheint, dass der Erreger der Krankheit, der einzellige Blutparasit Plasmodium falciparum, bereits vor rund 15 bis 20 Millionen Jahren existierte – davon zeugt eine in Bernstein konservierte Stechmücke mit Spuren dieses Erregers im Körper. Vor rund fünf Millionen Jahren dann übertrug ein Stich einer Mücke diesen Blutparasiten vom Gorilla auf unsere menschlichen Vorfahren, wie Forscher 2010 herausfanden.

Aber was war davor? "Wissenschaftler diskutieren und streiten schon seit langem darüber, wie Malaria sich entwickelt hat und wie alt sie ist", erklärt George Poinar von der Oregon State University. War Plasmodium von Beginn an ein Parasit von Wirbeltierblut? Oder begann seine "Karriere" vielleicht doch in den Insekten und er befiel erst später auch Wirbeltiere?

Blutparasit in 100 Millionen Jahre altem Bernstein


Ein Indiz dafür, dass die Malaria und ihre Vorläufer schon bedeutend älter sein könnten als bisher gedacht, hat Poinar nun in einem 100 Millionen Jahre alten Bernstein aus Myanmar entdeckt. In ihm wurde eine ausgestorbene Gnitzenart (Ceratopogonidae) eingeschlossen, ein Vorläufer der noch heute verbreiteten Bartmücken.


Im Hinterleib dieses Insekts stieß der Forscher auf die charakteristischen Eier des Blutparasiten Paleohaemoproteus burmacis. Er gilt als Vorläufer eines noch heute verbreiteten Blutparasiten, der eine der Malaria sehr ähnliche Erkrankung hervorruft. "Das belegt, dass frühe Formen der Malaria, übertragen von urzeitlichen Gnitzen, mindestens 100 Millionen Jahre alt sein könnte – vielleicht sogar sehr viel älter", so Poinar.

Malaria-Erreger Plasmodium

Malaria-Erreger Plasmodium

Insekten ursprünglicher Wirt


Nach Ansicht des Forschers spricht das Fossil dafür, dass im Henne-Ei-Problem der Malaria-Wirte die Insekten die Nase vorn haben könnten: In der fossilen Gnitze ist zu erkennen, dass der einzellige Blutparasit sich im Insekt sexuell reproduziert – ähnlich wie heute noch der Malaria-Erreger Plasmodium. "Die Oocysten enthalten sich entwickelnde Sporozoiten, einige sind bereits aus ihrer Cyste geschlüpft", berichtet Poinar.

Das könnte bedeuten, dass Malaria nicht erst vor rund 20 Millionen Jahren mit den Anopheles- und Aedesmücken entstand, wie bisher angenommen. Stattdessen könnte es schon vor mehr als 100 Millionen Jahren eine Malaria-ähnliche Erkrankung gegeben haben. Sie wurde von mit Plasmodium verwandten Einzellern ausgelöst, die die damals existierenden frühen Mückenformen befielen.

Dinosaurier als Zwischenwirte


Zuerst florierte der Urahn des Malaria-Erregers demnach wahrscheinlich ausschließlich in Insekten. Er durchlebte in ihnen sowohl den sexuellen wie den asexuellen Teil seines Lebenszyklus. "Erst später in der Erdgeschichte wurden die asexuellen Sporozoiten dieser Malaria-Vorläufer durch das Blutsaugen der Insekten in Wirbeltiere eingeschleust", erklärt Poinar. "Dort überlebten einige lange genug, um dort asexuelle Fortpflanzungszyklen zu etablieren."

Die naheliegenden Leidtragenden dieser blutparasitischen Malaria-Vorläufer waren die in der Kreidezeit dominierenden Reptilien: die Dinosaurier. Möglicherweise habe diese Krankheit sogar zum Niedergang der Dinosaurier beigetragen, so Poinars These. (American Entomologist, 2016; doi: 10.1093/ae/tmw006)
(Oregon State University, 29.03.2016 - NPO)
 
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