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Aufrechter Gang mehrfach erfunden?
Paläoanthropologe proklamiert Abschied vom Missing Link
Der Fund eines 13 Millionen Jahre alten Uraffen in Spanien sorgt für hitzige Debatten in der Fachwelt. Von einigen Forschern wird Pierolapithecus als lang gesuchtes Missing Link gefeiert - als der erste moderne Menschenaffe. Der Frankfurter Paläoanthropologe Friedemann Schrenk hingegen hält das Konzept des Missing Links grundsätzlich für fragwürdig.
Frühmenschen
Frühmenschen
© IMSI MasterClips
Gegenüber der Wochenzeitung „die Zeit“ sagte er: "Ein Missing Link ist ein Fundstück, das man sich vorstellt, weil man es nicht hat: Es soll eine prominente Lücke im Stammbaum füllen." Sobald man so ein Stück ausgrabe, verändere sich jedoch der Erkenntnisstand so, dass die Lücke nun eine ganz andere sei. "Das Konzept stammt aus einer Zeit, in der man mehr Lücken als Fossilien hatte. Man sollte den Begriff ersatzlos streichen."

Für genau so überholt hält Schrenk die Vorstellung von einem Hominiden-Stammbaum, an dem an jeder Abzweigung ein exakt definierbarer Ahn sitzt: "Heute kennt man viele geografische Varianten, die in einem komplexen Beziehungsnetz zueinander stehen. Mittlerweile sehen wir, dass es auf jeder Stufe der Entwicklung gleichzeitig mehrere Formen gegeben hat. Daher sind nicht nur Alter und Anatomie der Funde wichtig, sondern auch ihre Verbreitung."

Der Stammbaum des Menschen gleiche vielmehr einem wuchernden Busch: "Tatsächlich haben wir vor sechs bis acht Millionen Jahren drei verschiedene Gattungen frühester Hominiden", sagt Schrenk. "Alle drei repräsentieren - das zeigen bestimmte Merkmale -möglicherweise den Beginn des aufrechten Gangs." Der aufrechte Gang ist demnach im Laufe der menschlichen Entwicklung nicht nur einmal, sondern vermutlich gleich mehrfach an verschiedenen Orten Afrikas erfunden worden.
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