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Freitag, 24.03.2017
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Entschlüsselung des angeborenen Abwehrsystems prämiert

Drei Wissenschaftler erhalten Robert-Koch-Preis 2004

Für ihre bahnbrechenden Forschungen zu den molekularen Mechanismen, die der Signalerkennung, der Signaltransduktion und den Effektorfunktionen bei der angeborenen Immunität zugrunde liegen erhalten die Professoren Jules A. Hoffmann, Bruce A. Beutler und Shizuo Akira den mit 100.000 Euro dotierten Robert-Koch-Preis 2004.
Professor Jules A. Hoffmann (63) ist Leiter des CNRS-Instituts für Molekulare und Zelluläre Biologie in Strassburg, Frankreich. Nachdem er nachweisen konnte, dass im Blut der Fruchtfliege Drosophila hochaktive Abwehrstoffe gegen Bakterien und Pilze vorhanden sind, gelang ihm die Isolierung von antibiotischen Substanzen. Auf der Basis der Abwehrstoffe der Insekten entwickelt Hoffmann neue Antiinfektiva.

Diese Forschungen führten Hoffmann zu den immunologischen Abwehrfunktionen des Toll-Rezeptors in Insekten. Ihm gelang die Aufklärung der Signalübertragungs-Wege, die durch diese Bindungsstellen eingeleitet werden. Der Toll-Rezeptor in Insekten hat große Ähnlichkeit mit Rezeptoren im Menschen, die deshalb als Toll-ähnliche Rezeptoren (Toll-Like Receptor: TLR) bezeichnet werden.

Der zweite Preisträger, Professor Bruce A. Beutler (46), The Scripps Research Institute in La Jolla, Kalifornien, USA, konnte zeigen, dass TLR-4 im Körper die Bindungsstelle für Endotoxin ist. Endotoxine sind Giftstoffe von Bakterien, die indirekt über die Mobilisierung körpereigener Botenstoffe wie den Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) Fieber auslösen. Beutler wies nach, dass Antikörper gegen TNF vor einem Endotoxin-Schock schützen. Die spezifische Blockade von
TLR-4 könnte ein möglicher neuer therapeutischer Ansatzpunkt sein.


Auch Professor Shizuo Akira (51), Research Institute for Microbial Diseases in Osaka, Japan, forscht über bakterielle Infektionen und die körpereigene Abwehr. Bei seiner Suche nach intrazellulären Signalen stieß Akira auf MyD88, einen Kontrollschalter der Signalvermittlung von Entzündungsreizen. Er schaltete im Experiment MyD88 aus und konnte zeigen, dass die Versuchstiere auf Entzündungsreize nicht mehr reagierten. Durch weitere Experimente lieferte er die entscheidenden Beiträge zum Verständnis der TLR als Bindungsstellen, die spezielle Charakteristika von bakteriellen Erregern erkennen. Durch die Arbeiten der drei Preisträger ist heute die TLR-Familie als generelles Sensor- System bekannt, welches Krankheitserreger im Sinne der angeborenen Immunität erkennt.

Robert-Koch-Medaille in Gold


Mit der Robert-Koch-Medaille in Gold würdigte die Robert-Koch-Stiftung zudem das Lebenswerk von Professor Dr. Heinz Schaller (72), emeritierter Ordinarius für Molekularbiologie und Mikrobiologie am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg, vor allem seine herausragenden wissenschaftlichen Pionierarbeiten auf dem Gebiet der molekularen Grundlagen der Infektion mit Hepatitis B-Virus. In Kooperation mit anderen Forschergruppen und mit Biotechnologiefirmen ist es gelungen, den ersten gentechnisch hergestellten Impfstoff gegen Hepatitis B zu entwickeln. Dies ist auch eine wirksame Prophylaxe gegen das weltweit verbreitete Leberzell-Karzinom.

Der jährlich verliehene Robert-Koch-Preis zählt zu den höchstrangigen wissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland. Die Stiftung, die unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Horst Köhler steht, fördert die Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten und anderer weit verbreiteter Krankheiten. Die Preise wurden am 15. November von Ulla Schmidt, Bundesministerin für Gesundheit und Soziale Sicherung, im Roten Rathaus in Berlin überreicht.
(idw - Universität Heidelberg, 16.11.2004 - DLO)
 
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