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Sonntag, 04.12.2016
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Ursprung des Annama-Feuerballs geklärt

Über Russland zerplatzter Gesteinsbrocken war das Fragment eines 400-Meter Asteroiden

Feuriger Sturz: Vor fast genau einem Jahr verursachte ein Meteorit über der russischen Kola-Halbinsel einen weithin sichtbaren Feuerball. Er zerbrach in der Atmosphäre und hinterließ nur wenige kleinere Gesteinsbocken. Jetzt haben Forscher die Herkunft dieses Feuerballs aufgeklärt: Er stammt von einem 400 Meter großen Asteroiden, der zu den potenziell gefährlichen Erdbahnkreuzern gehört.
Der Annama-Feuerball raste am 19. April 2014 über die Kola-Halbinsel

Der Annama-Feuerball raste am 19. April 2014 über die Kola-Halbinsel

Am 19. April 2014 raste ein Feuerball über den Himmel nahe der russisch-finnischen Grenze, zerbarst und verschwand schließlich über dem Annama-Fluss auf der russischen Kola-Halbinsel. Der Sturz des ursprünglich rund 500 Kilogramm schweren Brockens wurde damals nicht nur von vielen Augenzeugen beobachtet, auch die Kameras des finnischen Fireball Network zeichneten ihn auf.

Trümmer gefunden


Der Annama-Feuerball ist damit einer der wenigen Fälle, in denen die Flugbahn eines Meteoriten vor seinem Einschlag erfasst wurde. Die Aufzeichnungen ermöglichten es im letzten Jahr auch, einige der Gesteinstrümmer zu bergen, die der Feuerball hinterlassen hatte. Sie erwiesen sich als H5 Chondriten, ein sehr häufiger Typ von kohlenstoffhaltigen Steinmeteoriten, wie Forscher der tschechischen Geologischen Dienstes berichteten.

Josep Maria Trigo von der spanischen Forschungsorganisation CSIC und seine Kollegen haben nun anhand der Kameraaufnahmen die Flugbahn des Annama-Meteoriten rekonstruiert und auch erste Erkenntnisse über seine Herkunft gewonnen. "Dieser Feuerball ist eine Rarität, denn er ist einer von nur 22 Fällen, bei denen wir schon vor seinem Einschlag die Flugbahn beobachten und bestimmen konnten", erklärt Maria Gritsevich vom Geodätischen Institut Finnlands.


Einer der gefundenen Trümmer des Annama-Feuerballs

Einer der gefundenen Trümmer des Annama-Feuerballs

Fragment eines 400-Meter Asteroiden


Demnach ist es sehr wahrscheinlich, dass der Feuerball ursprünglich Teil eines größeren, noch immer im erdnahen Raum kreisenden Asteroiden war. Der Meteorit zeige eine beunruhigende Ähnlichkeit mit 2014 UR116, einem erst im letzten Jahr entdeckten Asteroiden von 400 Metern Durchmesser, so die Forscher. Dieser galt zunächst als potenziell gefährlich für die Erde, nähere Analysen des Minor Planet Center in Cambridge ergaben dann jedoch, dass er zwar immer wieder nahe an der Erde vorbeifliegen wird, aber zumindest in den nächsten 150 Jahren nicht so nahe kommt, dass eine Kollision droht.

Trigo und seine Kollegen vermuten, dass der Annama-Feuerball von diesem Asteroiden abgetrennt wurde und dann weiter in Richtung Erde flog. "Wenn ein solcher schnell rotierender Asteroid in den Schwerkrafteinfluss eines Planeten kommt, dann können Gezeitenkräfte Teile von ihm fragmentieren und solche großen Brocken von seiner Oberfläche ablösen", erklärt Trigo. "Diese können dann zu so gefährlichen Projektilen werden wie beispielsweise der Meteorit von Tscheljabinsk im Februar 2013."

Bruchstücke sind unberechenbarer


Bisher werden zwar fast 2.000 größere erdnahe Asteroiden genau beobachtet, um eine drohende Kollision mit der Erde rechtzeitig erkennen zu können. Wie aber solche größeren Brocken zerfallen und welche Bahnen dann ihre Fragmente einschlagen, ist erheblich schwerer zu erfassen und einzuschätzen. "Die Daten, die wir nun ermittelt haben, liefern uns neue Hinweise darauf, woher die Gesteinsbrocken von wenigen Metern Durchmesser stammen, die als Meteoritenfälle und Feuerbälle die Erde treffen", sagt Manuel Moreno-Ibáñez vom CSIC.

Dass Fragmentierungen von Asteroiden häufiger vorkommen, zeigt unter anderem eine Beobachtung des Hubble-Weltraum-Teleskops, das 2014 einen zerbrechenden Asteroiden aufnahm. Zudem belegen Untersuchungen, dass vor allem kleinere Asteroiden häufig aus nur lose gebundenen Einzelteilen bestehen könnten.(Monthly Notices of the Astronomical Society, 2015; doi: 10.1093/mnras/stv378)
(Spanish National Research Council (CSIC), 08.04.2015 - NPO)
 
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