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Sonntag, 04.12.2016
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Das Very Large Telescope feiert sein 15-Jähriges

Das Himmelsauge auf dem Paranal ist noch immer das modernste optische Teleskop der Welt

Seit nunmehr 15 Jahren tut es seinen Dienst - und ist noch immer das modernste optische Teleskop der Welt: das Very Large Telescope (VLT) auf dem Paranal Chile. Am 25. Mai 1998 hatte das erste der vier Hauptteleskope dieses Observatoriums der europäischen Südsternwarte (ESO) sein „First Light“. Zur Feier des Jubiläums hat die ESO ein besonderes Kleinod aus der enormen Menge faszinierender Aufnahmen des VLT veröffentlicht: Die Sternenwiege IC 2944. Diese Kinderstube neuer Sternen wurde noch nie zuvor so scharf von einem erdbasierten Teleskop eingefangen wie jetzt vom VLT.
Die Sternenwiege IC 2944, aufgenommen vom VLT der ESO

Die Sternenwiege IC 2944, aufgenommen vom VLT der ESO

Interstellare Staub- und Gaswolken sind die Kinderstuben, in denen Sterne geboren werden und heranwachsen. Das neue Bild zeigt eine von ihnen, IC 2944. Sie erscheint als ein sanft leuchtender, rötlicher Hintergrund. Diese Aufnahme ist die schärfste, die jemals von diesem Objekt von der Erde aus gemacht wurde. Die Wolke liegt etwa 6.500 Lichtjahre von uns entfernt im südlichen Sternbild Centaurus. Dieser Teil des Himmels ist die Heimat vieler ähnlicher Nebel, die gründlich von Astronomen untersucht werden, um den Mechanismus der Sternentstehung zu erforschen.

Kalte Klumpen als Vorläufer von Sternen


Emissionsnebel wie IC 2944 bestehen hauptsächlich aus Wasserstoffgas, das in einem charakteristischen Rotton leuchtet. Dieses Leuchten wird durch die intensive Strahlung verursacht, die von den vielen hellen, neugeborenen Sternen ausgeht. Gegen diese helle Kulisse zeichnen sich eigenartige, dunkle Klumpen aus undurchsichtigem Staub ab. Diese kalten Wolken sind unter dem Namen Bok-Globulen bekannt. Sie sind nach dem niederländisch-amerikanischem Astronomen Bart Bok benannt, der in den 1940er Jahren als erster die Aufmerksamkeit auf sie lenkte, da sie als mögliche Stätten der Sternentstehung in Frage kamen.

Größere Bok-Globulen fallen leicht in sich zusammen und bringen neue Sterne hervor, sofern sie sich an einem ungestörten Ort befinden. Die Globulen in diesem Bild jedoch befinden sich sozusagen unter heftigem Beschuss, und zwar durch die UV-Strahlung von nahegelegenen heißen, jungen Sternen. Sie werden dadurch sowohl erodiert als auch fragmentiert, ähnlich wie Butterstücke, die in eine heiße Pfanne geworfen werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden diese Globulen in der Sternenwiege IC 2944 daher zerstört, bevor sie kollabieren und Sterne bilden können.


Die vier Hauptteleskope des VLT auf dem Paranal in Chile.

Die vier Hauptteleskope des VLT auf dem Paranal in Chile.

Scharfer Blick durch kosmische Wolken


Bok-Globulen zu untersuchen ist normalerweise nicht einfach, da sie für sichtbares Licht undurchlässig sind. Dadurch wird es für Astronomen schwer, ihre inneren Vorgänge zu beobachten, so dass andere Mittel benötigt werden, um ihre Geheimnisse zu enthüllen. Das Werkzeug dazu stellen Beobachtungen im Infrarot- und Submillimeterbereich des elektromagnetischen Spektrums dar. In diesem Wellenlängenbereich leuchten zum Beispiel Staubwolken hell auf, deren Temperatur nur einige Grad über dem absoluten Nullpunkt liegt.

Diese Himmelsregion wurde schon früher vom Hubble Weltraumteleskop der NASA abgebildet. Auf der Erde jedoch ist dieses neue Bild des FORS-Instruments am Very Large Telescope das biusher schärfste dieser Sternenwiege. Es deckt zudem einen größeren Ausschnitt des Himmels ab als Hubble und zeigt dadurch die gesamte Sternentstehungslandschaft auf einen Blick.

Die große Leistungsfähigkeit des VLT beruht unter anderem darauf, dass seine mit zahlreichen Spezial-Instrumenten versehenen vier großen Teleskope seit 1998 durch vier Hilfsteleskope ergänzt wurden, die alle zusammen das VLT-Interferometers (VLTI) bilden. Durch eine computergesteuerte Verschaltung aller Teleskope können die Astronomen sie virtuell zu einer einzigen großen Teleskopschüssel machen - und damit größere Auflösungen erreichen als mit jedem Teleskop einzeln.
(ESO / Max-Planck-Institut für Astronomie, 24.05.2013 - NPO)
 
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