• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 25.09.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Beziehungshormon Oxytocin wirkt auch bei Schimpansen

Das Hormon spielt eine Schlüsselrolle bei der Pflege kooperativer Beziehungen zu befreundeten Artgenossen

Das beim Menschen als "Beziehungshormon" bekannte Oxytocin hat auch einen Einfluss auf Freundschaften unter Schimpansen. Um dies zu zeigen, hatten Leipziger Forscher eine wildlebende Schimpansengruppe im ugandischen Budongo-Wald beobachtet und deren Ocytocinspiegel im Urinproben vor und nach sozialen Interaktionen bestimmt. Sie fanden heraus, dass der Oxytocinspiegel im Urin höher war, wenn Schimpansen mit einem befreundeten Tier Fellpflege betrieben hatten, als wenn dies mit einem beliebigen Mitglied der Gruppe erfolgt war. Auch schiene es keinen Unterschied zu machen, ob genetische Verwandtschaft, sexuelle Interessen oder eine "platonische" Freundschaft vorlagen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B".
Zwei männliche Schimpansen bei der Fellpflege.

Zwei männliche Schimpansen bei der Fellpflege.

Kooperative Tiere leben länger und auch ihr Nachwuchs besitzt bessere Überlebenschancen. Beim Menschen und vielen anderen Säugetieren spielt das Peptidhormon Oxytocin eine Schlüsselrolle bei der Festigung persönlicher Bindungen zwischen Verwandten und Geschlechtspartnern. Doch manchmal entsteht eine kooperative Zusammenarbeit auch zwischen Tieren, die nicht miteinander verwandt sind oder keine sexuelle Kontakte haben. Bisher ist aber unklar, wie Menschenaffen solche rein freundschaftlichen Beziehungen über längere Zeit aufrechterhalten. Denn Wissenschaftler halten es für eher unwahrscheinlich, dass die Affen sich bewusst überlegen, eine Freundschaft einzugehen und zu pflegen.

Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben daher nun eine alternative Erklärung untersucht: das Bindungshormon Oxytocin. Dazu analysierten die Wissenschaftler kooperative Interaktionen – wie beispielsweise die soziale Fellpflege – bei 33 der wildlebenden Schimpansen aus dem Budongo-Wald. Bei ihren Feldversuchen beobachteten sie das Verhalten der Tiere, um das soziale Gefüge der Gruppe zu verstehen. Dadurch wussten sie, welche Tiere miteinander in freundschaftlicher Beziehung standen. Zusätzlich sammelten sie Urinproben der erwachsenen Weibchen und Männchen, um den Hormonspiegel der Tiere jeweils vor und kurz nachdem die Tiere einander das Fell gepflegt hatten zu bestimmen.

Hormon festigt die Freundschaft


Das Ergebnis: Der Oxytocinspiegel der Tiere war nach der Fellpflege mit einem befreundeten Artgenossen höher als nach der Fellpflege mit einem anderen beliebigen Mitglied aus der Gruppe. Dabei habe die genetische Verwandtschaft oder ein sexuelles Interesse zwischen den Kooperationspartnern offenbar kaum einen Einfluss gehabt, so Catherine Crockford vom Max-Planck-Institut. "Dass der Oxytocinspiegel nach der Fellpflege bei verwandten und nichtverwandten Kooperationspartnern ähnlich hoch war, ist besonders hervorzuheben", sagt die Biologin. Denn es bedeute, dass Oxytocin nicht nur beim Menschen als Beziehungshormon funktioniere, sondern auch bei Schimpansen eine Schlüsselrolle bei der Aufrechterhaltung von freundschaftlichen Beziehungen spiele. Möglicherweise hilft das Hormon ihnen dabei, den Überblick über ihre kooperativen Beziehungen zu mehreren Artgenossen zu behalten.


Neu an der Studie sei außerdem, dass der Hormonspiegel nicht, wie vorher üblich, über das Blut der Versuchstiere bestimmt wurde, sondern über den Urin. „Dies ist die erste Studie, in der der Oxytocinspiegel wild lebender Tiere gemessen wird, ohne dass man ihnen Blut abnehmen musste“, sagt Roman Wittig vom Leipziger Max-Planck-Institut. „Wir haben eine Methode entwickelt, mit der wir den Einfluss physiologischer Messwerte auf das Verhalten im natürlichen Lebensraum untersuchen können.“ Die neue Methode soll künftig in Feldstudien dabei helfen, Verhaltensweisen wie kooperatives oder aggressives Verhalten auf hormoneller Ebene miteinander zu vergleichen, so die Forscher. (Proceedings of the Royal Society B, 2013; doi:10.1098/rspb.2012.2765)
(Max-Planck Institut / Proceedings of the Royal Society B, 23.01.2013 - KBE)
 
Printer IconShare Icon