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Donnerstag, 29.09.2016
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Klimawandel frisst Andengletscher

Klimawandel frisst Andengletscher

Die Gletscher in den südamerikanischen Anden schmelzen so schnell wie nie zuvor in den letzten 300 Jahren. Seit den 1970er Jahren schrumpften die Eiskappen der Berge um 30 bis 50 Prozent. Das zeigt die bisher umfassendste Auswertung von Messdaten durch ein internationales Forscherteam. Schuld daran sei eindeutig die globale Erwärmung, konstatieren die Wissenschaftler im Fachmagazin "The Cryosphere". In den Anden seien die Temperaturen seit 1950 pro Jahrzehnt um 0,15 Grad angestiegen.
Der Pastoruri-Gletscher in der peruanischen Cordillera Blanca.

Der Pastoruri-Gletscher in der peruanischen Cordillera Blanca.

99 Prozent aller tropische Gletscher liegen in den Anden, die meisten von ihnen in Peru. Für die Region sind die Eiskappen der Berge und Vulkane wichtige Wasserspeicher. Doch wie in anderen Gebirgsregionen schrumpfen auch die Gletscher in Südamerika. Wie sehr, haben Antoine Rabatel vom Labor für Gletscherkunde und Umwelt-Geophyik in Grenoble und seine Kollegen nun untersucht. Sie werteten dafür Daten aus Satellitenaufnahmen, Luftbildern und Eismessungen vor Ort für Gletscher in Kolumbien, Ekuador, Peru und Bolivien aus. Damit erfassten sie rund 50 Prozent der gesamten Gletscherfläche der Anden.

Rapider Rückgang


Ihr Ergebnis: Die Andengletscher sind in den letzten Jahrzehnten deutlich schneller zurückgegangen als die meisten anderen Gebirgsgletscher weltweit. 30 bis 50 Prozent habe die Eismenge in den Anden allein seit 1970 abgenommen, berichten die Forscher. Vor allem die Eisflächen der niedrigeren Lagen verschwinden rapide: Unterhalb von 5.400 Metern nahm ihre Dicke um durchschnittlich 1,35 Meter ab. Bei Gletschern oberhalb dieser Höhe dagegen nur rund halb so viel. "Weil diese kleinen, niedrig liegenden Gletscher selten dicker sind als 40 Meter, werden sie angesichts dieses anhaltenden Verlusts vermutlich innerhalb der kommenden Dekaden komplett verschwinden", sagt Rabatel.

Eine mögliche Ursache für einen solchen Gletscherrückgang wäre ein Rückgang des Schnee-Nachschubs für die Eiskappen der Anden. Doch wie die Forscher feststellten, haben sich die Niederschläge dort in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. Gewandelt haben sich dagegen die Temperaturen: Seit 1950 stiegen sie um 0,7 Grad Celsius, pro Jahrzehnt entspricht dies in etwa 0,15 Grad. Die Wissenschaftler sehen die Ursache des Gletscherrückgangs daher eindeutig im Klimawandel.


Drohende Wasserknappheit in La Paz


"Der anhaltende Rückgang der Andengletscher wird zukünftig für die umliegenden Regionen immer problematischer werden", sagen die Forscher. Denn vor allem in Peru hängt die Wasserversorgung ganzer Gebiete vom Abfluss der Eiskappen ab. Bleibt es dort ähnlich trocken wie ohnehin schon, droht zukünftig eine Wasserknappheit. Besonders betroffen ist nach Angaben der Forscher das Santa River Tal in Peru. Dort benötigen hunderttausende von Bewohnern das Gletscherwasser für ihre Landwirtschaft, zum Trinken und für die Stromerzeugung.

Aber auch die Großstadt La Paz könnte zukünftig empfindliche Einschnitte hinnehmen müssen. "Gletscher liefern heute rund 15 Prozent des jährlich benötigten Wassers, während der Trockenzeit steigt der Anteil auf 27 Prozent", erklären Rabatel und seine Kollegen. Fällt dieser Anteil weg, droht akuter Wassermangel. (Cryosphere, 2013; doi:10.5194/tcd-6-2477-2012)
(The Cryosphere, 22.01.2013 - NPO)
 
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