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Neuer Impfstoff schützt schneller und anhaltender vor Grippe
Erbgutteile des Virus bereiten Immunsystem auf Angriff vor
Ein neuer Typ von Grippe-Impfstoffen könnte zukünftig schnelleren und effektiveren Schutz gewähren. Der von deutschen Forschern entwickelte synthetische Wirkstoff hat Mäuse, Frettchen und Schweine in ersten Tests erfolgreich gegen mehrere Stämme der Influenza A geschützt. Dieser Schutz hielt dabei länger an als bei bisherigen Vakzinen. Weil er nicht in Hühnereiern hergestellt werden muss, benötigt der neue Impfstoff zudem nur wenige Wochen für seine Herstellung statt mehrerer Monate. Man könne mit ihm daher sehr viel schneller auf neu auftretende Virenstämme reagieren, berichten die Wissenschaftler vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems und ihre Kollegen im Fachmagazin "Nature Biotechnlogy". Der neue Wirkstoff sei zudem breiter wirksam als herkömmliche Grippe-Impfstoffe.
Influenza-A-Virus
Influenza-A-Virus
© CDC Influenza-A-Virus
"Um effektiv gegen die Grippe zu schützen, benötigen wir Impfstoffe, die schnell an die verschiedenen Influenza-Varianten angepasst werden können", erklären Benjamin Petsch vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und seine Kollegen. Man benötige bei einem neuen Ausbruch in kurzer Zeit Millionen von Impfdosen. Mit bisherigen Mitteln sei dies nicht möglich, da deren Herstellung bis zu mehreren Monaten dauere. "Wir benötigen zudem dringend Impfstoffe, die einen breiteren, lebenslang anhaltenden Schutz gewähren", sagen die Forscher. Weil sich das Virus sehr schnell verändert, müssen bisher jede Saison neue Impfstoffe produziert und eingesetzt werden. Diese beiden Anforderungen könne der neue Impfstofftyp erfüllen, konstatieren Petsch und seine Kollegen. Sollte sich seine jetzt bei Tieren nachgewiesene Wirkung auch am Menschen bestätigen, könne er den Schutz gegen die Influenza deutlich verbessern.

Erbgutschnipsel warnen Immunsystem vor
Der neue Impfstoff besteht nicht aus Eiweißen, wie die meisten herkömmlichen Vakzinen, sondern enthält kleine Abschnitte der sogenannte Boten-RNA (mRNA) des Virus. Diese Erbgutabschnitte enthalten Bauanleitungen für Vireneiweiße, die nahezu bei allen Influenza-Stämmen vorkommen. Kommt die Immunabwehr mit dieser Boten-RNA in Kontakt, stellt sie prophylaktisch Abwehrmoleküle und -zellen gegen das Virus her und ist so vor einem kommenden Angriff geschützt.

Die gängige Methode nutzt Hühnereier zur Virenvermehrung
Die gängige Methode nutzt Hühnereier zur Virenvermehrung
© CDC Die gängige Methode nutzt Hühnereier zur Virenvermehrung
"Zuvor ist ein solcher mRNA-Impfstoff gegen eine Infektionskrankheit noch nie erfolgreich getestet worden", schreiben Petsch und seine Kollegen. Jetzt habe man erstmals gezeigt, dass solche Vakzine einen effektiven, langlebigen Schutz gegen verschiedene Formen der Influenza A biete. In den Tests schützte der Impfstoff Mäuse auch vor Vogel- und Schweinegrippe und wirkte selbst bei neugeborenen und sehr alten Mäusen. Sollte dies beim Menschen ebenso sein, könnten diese Bevölkerungsgruppen, die besonders durch Komplikationen und tödliche Folgen einer Grippe-Erkrankungen gefährdet sind, zukünftig besser geschützt werden, wie die Forscher berichten. Der Impfstoff bleibe zudem auch bei Wärme stabil und müsse daher nicht gekühlt gelagert und transportiert werden. Auch das sei ein Vorteil gegenüber herkömmlichen Vakzinen.

Für ihre Studie hatten die Forscher Mäusen, Frettchen und Schweinen den mRNA-Impfstoff und zum Vergleich einen herkömmlichen Impfstoff sowie eine reine Salzlösung injiziert. Anschließend infizierten sie die Tiere mit verschiedenen Stämmen des Influenza A Virus. "Mit dem mRNA-Wirkstoff geimpfte Mäuse überlebten die Infektion und zeigten keinerlei Anzeichen für eine Erkrankung", schreiben Petsch und seine Kollegen. Eine zweimalige Impfung habe ausgereicht, um die Mäusen lebenslang vor der Grippe zu schützen. Auch bei Schweinen und Frettchen sei der Impfschutz mit dem der herkömmlichen Vakzinen vergleichbar gewesen(doi:10.1038/nbt.2436).
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