Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Urzeit-Gliederfüßer besaß schon ein modernes Gehirn
520 Millionen Jahre altes Fossil wirft neues Licht auf die Evolution des Nervensystems
Komplexe Gehirne entstanden deutlich früher als bisher gedacht. Schon vor 520 Millionen Jahren besaß ein Vorfahre der heutigen Insekten und Krebse ein Gehirn mit einem dreigliedrigen Aufbau. Das belegt ein von einem internationalen Forscherteam in China entdecktes Fossil des urzeitlichen Gliederfüßers Fuxianhuia protensa. Dieses Fossil besitze ein ungewöhnlich gut erhaltenes zentrales Nervensystem und sei damit eine absolute Seltenheit. Es zeige erstmals, wie wenig sich die Grundorganisation des Gehirns bei den Gliederfüßern im Laufe der Jahrmillionen geändert habe. Zwar hätten sich anhängende Komponenten wie Augen, Antennen oder andere Sinnesorgane gewandelt, aber sie würden nach wie vor in die gleichen grundlegenden Schaltkreise münden, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature".
Nahezu intaktes Fossil des Urzeit-Gliederfüßers Fuxianhuia protensa, der vor rund 520 Millionen Jahren lebte
Nahezu intaktes Fossil des Urzeit-Gliederfüßers Fuxianhuia protensa, der vor rund 520 Millionen Jahren lebte
© Xiaoya Ma, Nicholas Strausfeld Nahezu intaktes Fossil des Urzeit-Gliederfüßers Fuxianhuia protensa, der vor rund 520 Millionen Jahren lebte
Nach Ansicht der Forscher ist Fuxianhuia protensa eine Art "Missing Link" - ein Bindeglied der Evolution, das zeigt, wie das Gehirn der ersten Vorfahren der Gliederfüßer aussah. "Keiner hat ein so fortgeschrittenes Gehirn so früh in der Evolution der mehrzelligen Tiere erwartet", sagt Studienleiter Nicholas Strausfeld von der University of Arizona in Tuscon. Das vor etwa 500 Millionen Jahren endende Zeitalter des Kambrium gilt als die Phase in der Erdgeschichte, in der sich mehrzellige Organismen erstmals rapide verbreiteten. Viele Grundbaupläne von noch heute existierenden Tiergruppen haben ihren Ursprung in dieser Zeit. Über die Nervensysteme der frühen Mehrzeller war allerdings bisher kaum etwas bekannt. Denn nur selten seien die empfindlichen Gewebe in Fossilien aus dieser Zeit erhalten, berichten die Forscher. Ein Fund wie der des Fuxianhuia protensa sei daher ein echter Meilenstein.

Schema von Kopf und Gehirn von Fuxianhuia protensa (links) im Vergleich mit dem eines heutigen Einsiedlerkrebses
Schema von Kopf und Gehirn von Fuxianhuia protensa (links) im Vergleich mit dem eines heutigen Einsiedlerkrebses
© Nicholas Strausfeld Schema von Kopf und Gehirn von Fuxianhuia protensa (links) im Vergleich mit dem eines heutigen Einsiedlerkrebses
Zwei Stielaugen und drei Hirnteile
Entdeckt wurde das nur knapp acht Zentimeter lange Fossil in einer 520 Millionen Jahre alten Kalksteinschicht im chinesischen Yunnan. Der Kopf von Fuxianhuia protensa wird durch zwei flache, einander überlappende Schilde geschützt, der Körper ist von rund 16 Panzersegmenten bedeckt. Am Kopf trug der Urzeit-Gliederfüßer zwei bewegliche Stielaugen und zwei Antennen. Dank der ungewöhnlich guten Konservierung des Fossils blieben auch Überreste seines Gehirns und der Sehnerven erhalten. An diesen sei deutlich zu erkennen, dass das Gehirn von Fuxianhuia aus drei miteinander verschmolzenen Teilen bestand, berichten die Forscher. Das widerlege die bisherige Annahme, nach der die Vorfahren der heutigen Gliederfüßer nur zwei Hirnteile besessen hätten - ähnlich wie heute noch die Blattfußkrebse, zu denen beispielsweise auch der Wasserfloh gehört.

Drei dunkle Verfärbungen in den Augenstielen des Fossils deuten zudem darauf hin, dass dort drei optische Zentren die Signale der Augen empfingen und verarbeiteten. Auch das sei ein Merkmal, das noch heute bei höheren Krebsen zu finden sei. "Im Prinzip hat Fuxianhuia damit ein sehr modernes Gehirn in einem urzeitlich einfachen Körperbau", sagt Strausfeld. (doi:10.1038/nature11495)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Evolution, Gehirn, Kambrium, Fossilien, Gliederfüßer, Fuxianhuia protensa, China
Weitere News zum Thema
Forscher entdecken kleinstes Genom der Pflanzenwelt (13.05.2013)
Erbgut einer fleischfressenden Wasserpflanze widerlegt Unverzichtbarkeit der Junk-DNA
Rekord: Eine Motte hört am höchsten (08.05.2013)
Die Große Wachsmotte kann noch Frequenzen bis 300 Kilohertz wahrnehmen
Versauerung lässt Miesmuscheln kalt (07.05.2013)
Ausreichend Futter kann Nachteile von saurem Wasser zum Teil ausgleichen - noch
Harte Kost schützt die Zähne (25.04.2013)
Zu wenig Abnutzung könnte die Hauptursache für weit verbreitete Zahnhalsdefekte sein
Raubdino Microraptor war ein guter Fischer (24.04.2013)
Fischreste im Magen des fossilen Vierflügel-Sauriers belegen vielseitigen Speiseplan
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Fossilien
Krebs
Dossiers zum Thema
Lebende Fossilien
Überlebenskünstler oder Auslaufmodelle der Evolution?
Eine Erde voller Arten
Darwins Vermächtnis in der heutigen Evolutionsbiologie
Sprungbrett der Evolution
Was Hohltiere vom Werden der Menschen verraten
Spurensuche im Dinoreich
Neues über T.rex, Brachiosaurus & Co
News des Tages
Bernstein hat Spinne beim Angriff konserviert
Testosteron macht Männer ehrlicher
Urzeit-Gliederfüßer besaß schon ein modernes Gehirn
Negative Nachrichten stressen Frauen mehr als Männer
Bücher zum Thema
Die Geschichte des Lebens auf der Erde
Vier Milliarden Jahre von Douglas Palmer
Fossilien
Über 500 Versteinerungen von Helmut Mayr und Franz Höck
Geschichten vom Ursprung des Lebens
Eine Zeitreise auf Darwins Spuren von Richard Dawkins
Alpha: Directions
Die Evolution als Comic von Jens Harder
Top-Clicks der Woche
1. Giftiges Mutterkorn breitet sich an der Nordsee aus
2. Neandertaler-Mütter stillten ihre Kinder genauso kurz wie wir
3. Kluge Hirne sind wählerisch
4. Himmelsschauspiel: Planetendreieck am Abendhimmel
5. Urzeit-Wald auf Baustelle entdeckt