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Mittwoch, 24.05.2017
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Samenflüssigkeit enthält Eisprung-fördernde Substanz

Forscher entdecken hormonell wirksames Eiweiß im Ejakulat von Rindern, Mäusen und Lamas

Die Samenflüssigkeit des Mannes ist mehr als nur Gleitmittel und Schwimmhilfe für die Spermien: Sie enthält ein Eiweiß, dass den weiblichen Eisprung fördert. Ein internationales Forscherteam hat dieses Eiweiß erstmals in Rinder-, Mäuse- und Lama-Ejakulat entdeckt und seine Struktur und genaue Funktion bestimmt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Eisprung-fördernde Molekül bei allen Säugetieren und auch beim Menschen vorkommt. Die Entdeckung belege, dass der Mann über seine Samenflüssigkeit einen direkten Einfluss auf den Hormonhaushalt und Zyklus der Frau ausübe. Es sei daher überraschend, dass man diesen Stoff und seine Wirkung nicht schon früher entdeckt habe, berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Spermium an Eizelle

Spermium an Eizelle

Lange Zeit galt die Samenflüssigkeit hauptsächlich als Vehikel für den Spermientransport, wie Marcelo Ratto von der Universidad Austral de Chile in Valdivia und seine Kollegen erklären. Sie enthalte beispielsweise eine Substanz, die die Schleimhaut von Eileitern und Gebärmutter dazu anrege, sich wellenartig zu bewegen und so die Spermien in Richtung Eileiter bringe. Es sei aber rätselhaft gewesen, warum diese Flüssigkeit trotz ihrer begrenzten Aufgaben durch einen so aufwändigen und komplexen Drüsenapparat produziert werde. Beim Menschen hielt man dies für ein Relikt der Evolution: Ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen Männchen bei der Paarung noch einen selbsthärtenden Pfropfen in den Genitalien der Weibchen hinterließen - wie es beispielsweise noch bei Mäusen der Fall ist.

Lamaweibchen lieferten erste Hinweise


Einen ersten Hinweis auf eine weitere Funktion der Samenflüssigkeit lieferten den Forschern Lamas: Bei ihnen, wie auch bei anderen Kamelverwandten, Koalas und Kaninchen wird der weibliche Eisprung erst durch die Paarung ausgelöst. Es lag daher nahe, dass es im Ejakulat der männlichen Lamas eine Substanz geben musste, die dies bewirkt. Ratto und seine Kollegen haben nun diese Substanz mittels chemischer Analysen und Röntgenkristallografie identifiziert. Es handele sich dabei um ein Eiweiß, den sogenannten Beta Nerve Growth Factor (Beta-NGF), berichten sie. Injizierten die Forscher weiblichen Lamas eine Lösung dieses Eiweißes, bekamen diese wenige Stunden später ihren Eisprung.

In einem weiteren Versuch wiesen die Forscher nach, dass dieses Eisprung-fördernde Eiweiß nicht nur bei Lamas, sondern auch bei Mäusen und Rindern im Ejakulat vorkommt. Diese gehören wie der Mensch zu den Säugetieren, bei denen der Eisprung durch den weiblichen Hormonzyklus gesteuert wird. Die Eizelle reift daher auch ohne Paarung einmal im Monat heran und wird in die Gebärmutter abgegeben. Der Fund des Beta-NGF in der Samenflüssigkeit von Rindern und Mäusen lege aber nahe, dass bei ihnen und möglicherweise auch beim Menschen das männliche Ejakulat durchaus den Zyklus beeinflussen könne, sagen die Forscher.


Spritzten die Wissenschaftler Lamaweibchen das Beta-NGF aus der Samenflüssigkeit der Rinder und Mäuse, löste dies bei den Lamas den Eisprung aus. Das belege, dass das Eiweiß durch die verschiedenen Säugetiergruppen hindurch gleich geblieben sei und auch seine Funktion behalten habe, sagen die Forscher. Ihrer Ansicht nach könnte dies nicht nur erklären, warum der Mann noch immer einen so komplizierten Drüsenapparat für seine Samenflüssigkeit besitzt. Der Fund des Beta-NGF könnte auch dazu beitragen, Unfruchtbarkeit beim Menschen zukünftig besser zu verstehen und zu behandeln. (doi:10.1073/pnas.1206273109)
(Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 21.08.2012 - NPO)
 
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