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Einige Amazonas-Bewohner sind immun gegen Tollwut
Forscher entdecken erstmals Menschen mit einer natürlichen Resistenz gegen das tödliche Virus
Die Tollwut ist offenbar doch nicht in 100 Prozent der Fälle tödlich: Zumindest im peruanischen Amazonasgebiet scheint es Menschen zu geben, die eine natürliche Widerstandskraft gegen das Virus besitzen. Ihr Körper kann den Erreger ohne Impfung oder weitere Behandlung unschädlich machen. Das haben US-Forscher entdeckt, als sie Blutproben von 63 Angehörigen zweier Volksstämme aus abgelegenen Gebieten in Nordperu untersuchten. Bei etwa zehn Prozent von ihnen fanden sich Antikörper gegen das Virus, die nur durch einen vorhergehenden Kontakt mit dem Erreger entstanden sein können. Diese Menschen müssen demnach die Infektion überlebt haben. Ließe sich klären, wie genauihr Körper das Virus unschädlich machte, könnte es gelingen, endlich eine Therapie gegen die als unbehandelbar geltende Krankheit zu entwickeln, schreiben Amy Gilbert von den amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und ihre Kollegen im Fachblatt "American Journal of Tropical Medicine and Hygiene" (Bd. 87, Nr. 2).
Charakteristische Negri-Körper in einer mit Tollwut infizierten Gehirnzelle
Charakteristische Negri-Körper in einer mit Tollwut infizierten Gehirnzelle
© CDC / Dr. Makonnen Fekadu Charakteristische Negri-Körper in einer mit Tollwut infizierten Gehirnzelle
Bei Verdacht auf eine Infektion sofort eingreifen
Die Tollwut wird klassischerweise von Wildtieren, insbesondere Füchsen und wildlebenden Hunden, aber auch von Fledermäusen übertragen. Während die klassische Variante in Deutschland als ausgestorben gilt, gibt es nach wie vor das Risiko, sich bei einer Fledermaus zu infizieren. Nach einem Biss sollte sofort eine sogenannte Postexpositionsprophylaxe (PEP) erfolgen, eine Art verspätete Impfung, mit der sich der Ausbruch der Krankheit fast immer verhindern lässt. Erfolgt die PEP nicht und bricht die Tollwut tatsächlich aus, verläuft die Krankheit in nahezu 100 Prozent der Fälle tödlich. Eine Behandlung ist in diesem Stadium nicht mehr möglich.

Die neuen Ergebnisse von Gilbert und ihrem Team legen nun allerdings nahe, dass doch Menschen gibt, die eine Tollwut-Infektion unbeschadet überleben. Die Wissenschaftler hatten das Vorkommen von Tollwut im Amazonasgebiet in Peru untersucht, wo das Virus vor allem durch Vampirfledermäuse verbreitet wird. Diese Tiere ernähren sich eigentlich von Blut von Nutztieren, können sich jedoch auch am Menschen gütlich tun. Dazu ritzen sie mit ihren scharfen Zähnen die Haut auf und injizieren mit ihrem Speichel einen Gerinnungshemmer, der das Blut flüssig hält. Sie sind nachtaktiv, so dass viele Menschen im Schlaf heimgesucht werden und den Biss gar nicht bemerken.

Hoffnung auf eine effektive Therapie
Die Wissenschaftler befragten für ihre Untersuchung 92 Angehörige der indigenen Gemeinschaften der Truenococha und der Santa Marta, bei 63 von ihnen nahmen sie zusätzlich Blutproben. In sieben dieser Proben fanden sich Antikörper gegen den Tollwut-Erreger. In einem Fall waren sie das Ergebnis einer Impfung, in den anderen gab es jedoch keinen Hinweis auf eine vorhergehende Behandlung. Zum Teil konnten sich die Betroffenen nicht einmal an einen Fledermausbiss erinnern.

Solche Antikörper können nur entstehen, wenn tatsächlich eine Infektion stattfindet, erläutert das Team. Natürlich sei es möglich, dass es sich um eine Virusvariante gehandelt habe, die weniger aggressiv ist als die gängige. Da jedoch im betroffenen Gebiet immer wieder Tollwuterkrankungen ausbrechen, sei das eher unwahrscheinlich. "Solche nicht-tödlichen Infektionen kommen möglicherweise häufiger vor als angenommen", kommentiert Studienleiterin Gilbert. Sie würden lediglich nicht registriert, denn die Betroffenen kämen ja nur ins Krankenhaus, wenn sie Symptome verspürten. Das gelte besonders für Gegenden, in denen der Zugang zu medizinischer Versorgung eingeschränkt sei. Als nächstes müsse nun untersucht werden, warum genau die Infizierten überlebt haben. Das könnte bei der Entwicklung einer effektiven Behandlung helfen, hofft das Team.
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