Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 24.05.2012
Eiszeit: „Tauwetter“ in Antarktis und Arktis begann zeitgleich
Abschmelzen beider Eisschilde setzte vor 19.000 Jahren ein
Die Eisschmelze am Ende der letzten Eiszeit in der Antarktis begann vor 19.000 Jahren und damit viel früher als bislang gedacht. Sie setzte zudem zeitglich mit dem Schwinden der Eismassen in der Arktis ein. Dies berichten Forscher jetzt in der Fachzeitschrift „Science“.

Abbruchkante des Schelfeises im Weddellmeer
Abbruchkante des Schelfeises im Weddellmeer
© Gerhard Kuhn / AWI Abbruchkante des Schelfeises im Weddellmeer
Das Ende der letzten Eiszeit und die Prozesse, die zum Schmelzen der nördlichen und südlichen Eisschilde geführt haben, liefern grundlegende Informationen über die Veränderung unseres Klimas. Obwohl die maximale Ausdehnung der Eisschilde während der letzten Eiszeit in der Nordhemisphäre relativ gut bekannt ist, gab es bisher nur wenige zuverlässige Angaben zur Ausdehnung der Antarktischen Eisschilde.

Die neue Studie liefert nun Hinweise darauf, dass beide Hemisphären nahezu zeitgleich ihre maximale Eisschild-Ausdehnung erreicht hatten und vor 19.000 Jahren zu schmelzen begannen.

Wichtige Tiefwasserarchive
„Der Rückzug der Antarktischen Eisschilde begann somit fast 5.000 Jahre früher als bisher angenommen, wobei unsere Untersuchungen große regionale Unterschiede zeigen und belegen, wie wichtig Tiefwasserarchive sind“, sagt der Erstautor der Studie, Michael Weber vom Geologischen Institut der Universität Köln.

„Unsere Ergebnisse legen ebenfalls nahe, dass die Antarktis klimatisch nicht so isoliert ist wie bisher angenommen", erläutert Gerhard Kuhn vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. „Wir müssen jetzt davon ausgehen, dass die großen Eisschilde in Arktis und Antarktis zeitlich enger gekoppelt auf Klimaänderungen reagieren als gedacht. Zumindest ist es während der letzten Eiszeit so gewesen.“

Zeitgleiches Schmelzen
Dieses zeitgleiche Schmelzen wurde vermutlich durch Änderungen des globalen Meeresspiegels und der Tiefenwasserzirkulation im Atlantischen Ozean verursacht. Dadurch gelangte nach Angaben der Forscher wärmeres Wasser an den Antarktischen Kontinentalrand. Dieser frühe Eisrückzug belegt eine bisher nicht vermutete Instabilität des Ostantarktischen Eisschilds.

Daher müssten auch Prognosen des künftigen Meeresspiegelanstiegs, der durch den Klimawandel hervorgerufen wird, angepasst werden, erläutert Weber. Die neuen Forschungsergebnisse sind das Resultat langjähriger Kooperation von Weber und Kuhn mit anerkannten US-amerikanischen Forschern der Oregon State University und Harvard University. (Science, 2011)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Arktis, Antarktis, Eiszeit, Eisschmelze, Eisschilde, Gletscher, Klimawandel, Tiefwasserarchive
Weitere News zum Thema
Mensch trägt direkt zum Anstieg des Meeresspiegels bei (21.05.2012)
Veränderte Grundwassernutzung ist Hauptgrund für den Effekt
Marsdünen wandern schneller als gedacht (10.05.2012)
Schnellste Sandberge benötigen nur 170 Jahre für eine Dünenlänge
Warme Meeresströmung bedroht zweitgrößtes Schelfeis der Antarktis (10.05.2012)
Unterseite der Gletscherausläufer könnte bis 2100 rapide schmelzen
Eifel-Maar belegt Einfluss der Sonne auf das regionale Klima (07.05.2012)
Verringerte UV-Einstrahlung führte vor 2.800 Jahren zu Kälteeinbruch, mehr Regen und Wind
Meereisrückgang in der Arktis ist menschengemacht (03.05.2012)
Natürliche Schwankungen als Ursache eindeutig ausgeschlossen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Eiszeiten
Gletscher
Arktis
Antarktis
Dossiers zum Thema
Eiszeiten
Die frostige Vergangenheit der Erde...
Antarktis
Am eisigen Ende der Welt
Lake Wostok
Rätselhafte Wasserwelt im ewigen Eis
Grönland im Schwitzkasten
Eisiges Naturparadies in Gefahr
Gletscher
Weiße Riesen auf dem Rückzug
Vorstoß zum Pol
Die Eroberung der Arktis
News des Tages
100.000 Jahre alte Steinwerkzeuge in Arabien entdeckt
Wespen unterscheiden Gesichter
Stammzellen im Herzen entdeckt
Silberfische: Gestohlener Geruch als Tarnung im Ameisennest
„Lebensdauer“ von Elektronen in Graphen bestimmt
Eiszeit: „Tauwetter“ in Antarktis und Arktis begann zeitgleich
Bücher zum Thema
Die Eiszeiten
Naturgeschichte und Menschheitsgeschichte von Hansjürgen Müller-Beck
Antarktis
Forschung im ewigen Eis von Norbert W. Roland
Zu den Kältepolen der Erde
von Klaus Fleischmann
Eine kleine Geschichte der Gletscher
Die Alpengletscher im Klimawandel von Amédée Zryd
Der Arktis- Klima-Report
von Michael Benthack und Maren Klostermann (Übersetzer)
Top-Clicks der Woche
1. Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht
2. Stress macht Männer sozialer
3. Feste Essenszeiten wirken Übergewicht und Diabetes entgegen
4. Gelähmte steuert Roboterarm mit ihren Gedanken
5. Ruß und Ozonsmog verstärken die Wanderung der Klimazonen