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Samstag, 27.08.2016
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Test verrät Restlebenszeit von Krebspatienten

Checkliste hilft Medizinern bei der Antwort auf die Frage: Wie lange noch?

Für Krebspatienten im fortgeschrittenen Stadium ist dies häufig eine der drängendsten Fragen: "Wie lange habe ich noch zu leben?" Ein neuer Test könnte Ärzten zukünftig bei der Beantwortung dieser Frage helfen. Britischer Forscher haben ihn entwickelt und seine Genauigkeit bei mehr als 1.000 Krebspatienten mit denen der behandelnden Ärzte verglichen. "Unser Ergebnis zeigt, dass unsere 'PiPS'-Testvarianten besser sind als die besten Überlebensprognosen der spezialisierten Krebsärzte", berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "British Medical Journal". Im Gegensatz zur bisherigen Praxis beruhten die beiden Testvarianten nicht auf einer subjektiven Einschätzung durch den Arzt. Stattdessen werde der Zustand des Krebspatienten anhand einer Checkliste vorgegebener Merkmale bewertet.
Krebszellen

Krebszellen

"Die Prognosen der behandelnden Ärzte sind ungenau und oft überoptimistisch", sagen Bridget Gwilliam von der St. Georges University in London und ihre Kollegen. Ihre Bewertung sei von der Beziehung zum Patienten beeinflusst und abhängig von individuellem Training. Es sei aber wichtig, wenigstens zu wissen, ob noch Tage, Wochen oder Monate bleiben - für den Patienten, aber auch für die Ärzte. "Nur auf Basis realistischer Überlebensprognosen lassen sich Entscheidungen darüber treffen, ob ein Patient nach Hause geschickt, in ein Hospiz oder eine spezialisierte Palliativ-Station überwiesen werden sollte", schreiben die Forscher.

Der neue Test existiert in zwei Varianten - einmal mit, einmal ohne Bluttest. Dadurch könne er je nach Situation und Zustand des Patienten individuell angepasst werden. "Im klinischen Kontext würde er normalerweise dafür genutzt werden, um die Prognosen der Ärzte zu ergänzen und zu verbessern", sagen Gwilliam und ihre Kollegen. Ersetzen soll er die eigene Einschätzung des Arztes aber nicht. Die Forscher haben bereits ein Computerprogramm entwickelt, um die Auswertung der Checklisten zu vereinfachen. Im nächsten Schritt soll das Testverfahren in einer großen, multizentrischen Studie weiter getestet werden.

Mehr als 1.000 Patienten nahmen teil


An der Studie nahmen 1018 Patienten mit Krebs im Endstadium teil, die in 18 verschiedenen Palliativ-Einrichtungen in Großbritannien betreut wurden. Die Forscher baten zunächst die behandelnden Onkologen und parallel auch die behandelnden Krankenschwestern um eine Einschätzung der Überlebenswahrscheinlichkeit ihrer Patienten. Sie sollten angeben, ob der Patient noch Tage, Wochen (14 bis 55 Tage) oder Monate - und damit länger als 55 Tage - überleben werde.


Parallel dazu nutzten andere Mediziner die Checkliste des "PiPS"-Tests, um den Zustand der Patienten zu erfassen und zu bewerten. Die Checkliste umfasst einerseits Parameter, die der Arzt beim Patienten, den pflegenden Verwandten oder Krankenpflegern abgefragt, darunter Schmerzstärke, Atemnot, Appetit, Schluckschwäche oder Müdigkeit. Aber auch klinische Variablen wie Alter, Gewicht, Krankheitsstadium, Blutdruck, Puls und ähnliches. Für den etwas umfassenderen "PiPS-B"-Test wurden zusätzlich bestimmte Blutwerte des Patienten analysiert.

Erster Vergleich von Ärzteprognose mit Testverfahren


Die Checklisten geben ein bestimmtes Punktesystem vor, aus der sich nach Auswertung aller Angaben die zeitliche Prognose ergibt. Um die Richtigkeit der Prognosen zu bewerten, verfolgten die Forscher den Zustand der Patienten über mindestens drei Monate hinweg. Dadurch konnten sie tatsächliche Lebensdauer und Prognosen miteinander vergleichen. Dies sei die erste Studie, die ein prognostisches Werkzeug gegen die gängige beste Praxis teste, schreiben die Forscher.

"Der "PiPS-A"-Test ohne Blutwerte schnitt genauso gut ab wie die Einschätzungen der Krebsexperten", berichten die Forscher. Beide lagen in etwa 57 bis 59 Prozent der Fälle richtig. Die Einschätzung der Ärzte sei aber stark von Begleitumständen und individuellen Fähigkeiten abhängig und daher nicht immer so treffsicher. "Der PiPS-A-Test liefert dagegen einen objektives und verlässliches Ergebnis", sagen die Forscher. Der Test mit Blutwerten erweis sich als signifikant treffsicherer als die Expertenmeinung. "Er könnte daher eine robuste Grundlage bilden, um Entscheidungen über die weitere Behandlung von Patienten zu treffen", schreiben Gwilliam und ihre Kollegen. (DOI:10.1136/bmj.d4920)
(British Medical Journal, 29.08.2011 - DLO)
 
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