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Dienstag, 24.01.2017
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Warum hat Europa kein Frühwarnsystem für Hitzewellen?

Komplexe Wettermuster machten saisonale Vorhersagen bisher unmöglich

Die Hitze hat Deutschland fest im Griff. Alles deutet darauf hin, dass der Juli 2010 als heißester Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Geschichte eingehen wird. Vorherzusehen war dies nicht. Denn anders als in vielen tropische Regionen gibt es in Europa kein Vorhersagemodell, mit solche saisonalen Extreme prognostiziert werden können. Zu komplex waren die Wettermuster bisher. Doch das soll sich ändern.
Temperaturanomalien Anfang Juli 2010 in Europa.

Temperaturanomalien Anfang Juli 2010 in Europa.

In Folge der Hitzewelle 2003 in Europa starben weit über 30.000 Menschen, in der Landwirtschaft waren erhebliche Ernteausfälle zu beklagen. Vieles spricht in diesem Jahr für einen ähnlich heißen Sommer wie vor sieben Jahren. Nicht nur in Deutschland war es in den vergangenen Wochen ungewöhnlich heiß – auf dem gesamten Globus war es wärmer als sonst zu dieser Jahreszeit. Das belegen aktuelle Daten des US- Wetterdiensts NOAA. Um wirkungsvolle Anpassungsmaßnahmen vorzubereiten und negative Folgen für Mensch und Umwelt damit zu reduzieren, wären verlässliche Prognosen für solcher Ereignisse wichtig. Doch genau diese fehlen in Europa noch.

Widersprüchliche Vorhersagen


Während es für die tropischen Regionen der Welt, insbesondere im indopazifischen Raum, relativ verlässliche Jahreszeitenvorhersagen gibt, ist es bisher nicht möglich, für den europäischen Raum über eine Zeitspanne von wenigen Monaten hinweg zuverlässige Prognosen am Computer zu errechnen. Es gibt noch keine zuverlässigen Instrumente zur Prognose solcher extremer saisonaler Wetterereignisse in Europa.

Das spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Vorhersagen wider. Während Meteo France im Juni vermeldete, dass die Monate Juli und August in Westeuropa außergewöhnlich warm werden würden, sagten Berechnungen des American International Research Institute for Climate and Society an der New Yorker Columbia University für den gleichen Zeitraum zwar für den Mittelmeerraum anormal hohe Temperaturen voraus, für Deutschland wurden jedoch keine signifikante Abweichungen der Temperaturen und des Niederschlags vom Normalzustand angezeigt.


Nordatlantische Oszillation kompliziert Wettermuster


Denn das europäische Wetter wird durch eine Reihe äußerst dynamischer Zustände in der Atmosphäre beeinflusst, wie etwa durch die Nordatlantische Oszillation (NAO). Darunter versteht man die Schwankungen der Luftdruckdifferenz zwischen dem Island-Tief und dem Azoren-Hoch. Die NAO sorgt dafür, dass Westwinde die vom Golfstrom erwärmte Luft nach Europa bringen. In der Wintersaison ist das Wetter in Europa stark von der NAO geprägt. So ging der sehr kalte Winter 2009/2010 etwa mit einer negativen Phase der NAO einher. Das bedeutet: Die beiden Druckgebiete waren nur schwach ausgebildet, wodurch sich auch die Westwinde abschwächten und kalte Polarluft aus Norden weit nach Mitteleuropa vordringen konnte.

„Im Sommer ist jedoch der Zusammenhang zwischen dem Wetter in Deutschland und der Nordatlantischen Oszillation nur gering und insgesamt schwerer einzuschätzen“, sagt Mojib Latif, Professor am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel. Noch sind die Modelle, die mittelfristige saisonale Prognosen erstellen für den europäischen Raum zu ungenau“, warnt Professor Guy Brasseur, Direktor des am GKSS-Forschungszentrum Geesthacht neugegründeten Climate Service Center (CSC).

Vorwarnsystem nötig


Um in Zukunft verlässliche Aussagen über die Entwicklung des Wetters in Deutschland für die nächsten drei Monate zu treffen, ist es deshalb dringend erforderlich, die vorhandenen Vorhersagemodelle weiterzuentwickeln. „Das ist noch ein recht junger und wenig ausgereifter Forschungsbereich“, sagt Brasseur. „Das CSC möchte dazu beitragen, die Wissenslücken zu füllen.“ Mit einem geeigneten Frühwarnsystem ließe sich beispielsweise verhindern, das bei extremer und lang anhaltender Kälte wie im vergangenen Winter die Streusalzvorräte nicht ausreichen. Und im Vorfeld einer Hitzewelle könnten unter anderem in Krankenhäusern und Pflegeheimen rechtzeitig geeignete Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.
(GKSS-Forschungszentrum Geesthacht, 21.07.2010 - NPO)
 
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