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Samstag, 11.02.2012
Deepwater Horizon: Ölalarm für den Golfstrom
Studie findet Indizien für rasche Ausbreitung der Ölpest im Atlantik
Aktuelle Modellrechnungen eines internationalen Wissenschaftlerteams haben gezeigt, dass sich das derzeit im Golf von Mexiko freigesetzte Öl über den Golfstrom innerhalb weniger Monate bis weit in den Atlantik ausbreiten könnte.

Ausbreitung eines passiven Farbstoffs
Ausbreitung eines passiven Farbstoffs
© NCAR Ausbreitung eines passiven Farbstoffs
An Floridas Ostküste ist die Welt derzeit noch in Ordnung. Sommerwetter, angenehme Wassertemperaturen und weiße Strände lassen nicht ahnen, dass es mit dieser Idylle vielleicht schon bald vorbei ist.

Floridas Ostküste in Gefahr
Denn laut hochauflösenden Modellrechnungen von Forschern des National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder und des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel könnte sich der Ölteppich sehr rasch aus dem Golf von Mexiko heraus in den Atlantik ausbreiten und zu Verschmutzungen an der Küste Floridas führen.

Die Ergebnisse der neuen Studie zeigen, dass der Ölteppich den Atlantik innerhalb weniger Wochen erreichen und sich dann rasch weiter nach Nordosten ausbreiten könnte.

Karibik als Wiege des Golfstroms
„Zunächst einmal dachten wir alle: Die Ölpest ist schlimm, aber der Golf von Mexiko ist weit weg“, so Professor Martin Visbeck, Leiter der Physikalischen Ozeanographie am IFM-GEOMAR. Doch die Karibik ist die Wiege des Golfstroms, der Warmwasserheizung Europas. Von dort ergießen sich pro Sekunde etwa 32 Millionen Kubikmeter Wasser durch die Floridastraße in den Atlantik.

„Insofern lag nahe, einmal nachzuschauen, ob und wie schnell ein Stoff, aus dem Golf von Mexiko in den Atlantik transportiert wird.“, so Visbeck weiter. „Meine amerikanischen Kollegen am Los Alamos National Laboratory (LANL) und National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder haben dies mit ihrem sehr hoch auflösenden Ozeanmodell für sechs verschiedene Strömungsmuster nachgerechnet.“

Rasche Ausbreitung
Die Ergebnisse zeigen einen raschen Transport der verschmutzten Wassermasse in den Atlantik, die sich dort mit hoher Geschwindigkeit weiter verteilt. „Die Geschwindigkeit der Strömung liegt bei bis zu 150 Kilometern am Tag“, so Professor Claus Böning vom IFM-GEOMAR, „insofern ist diese rasche Ausbreitung nicht wirklich überraschend für uns, sondern bestätigt Abschätzungen aufgrund eigener Kieler Modellrechnungen mit hoch auflösenden Strömungsmodellen“.

Trotzdem bräuchten die Europäer gegenwärtig keine Angst vor einer Ölpest an ihren Stränden zu haben. Durch die starke Verwirbelung des Golfstroms dürfte sich das Öl nach Ansicht der Forscher anschließend weiträumig im Nordatlantik verteilen und die Konzentrationen damit stark absinken. Außerdem wurde in den Modellstudien kein biologischer Abbau berücksichtigt, der auf Dauer die Ölbelastung deutlich abschwächt.

Entwarnung für Europa
„Auch wenn wir auf der Basis der bisherigen Rechnungen für Europa Entwarnung geben können, benötigen wir weitere Untersuchungen, insbesondere um die langzeitlichen Entwicklungen besser abschätzen zu können. Wenn das Öl bis zum August weiter ungemindert ausströmt, müssen wir möglicherweise unsere momentanen Abschätzungen revidieren“, so Visbeck. Für die Küsten an der amerikanischen Südostküste sieht es allerdings nicht so rosig aus. Hier könnten die Badefreuden in diesem Sommer durch Ölverschmutzungen erheblich beeinträchtigt werden.
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