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Samstag, 11.02.2012
Ölunfall in der Nordsee jederzeit möglich
Beobachtungsflug enthüllt starke Ölverschmutzung bereits durch alltäglichen Förderbetrieb
Die Öl- und Gasplattformen in der Nordsee sind unfallgefährdet und für eine schleichende Verschmutzung der Nordsee verantwortlich. Dies ist das Ergebnis eines Beobachtungsfluges durch Wissenschaftler im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Die Experten dokumentierten schon jetzt an fünf Nordsee-Plattformen große schwimmende Ölteppiche.

Ölförderanlage North Tiffany in der Nordsee
Ölförderanlage North Tiffany in der Nordsee
© Martin Langer / Greenpeace Ölförderanlage North Tiffany in der Nordsee
Während sich die Ölpest im Golf von Mexico zur schlimmsten in der Geschichte ausweitet und BP um ein Schließen des Bohrlochs ringt, entpuppt sich auch die Ölförderung in heimischen Gewässern als nicht ohne Risiko: Um herauszufinden, wie es um die Öl- und Gasplattformen in der Nordsee bestellt ist, kontrollieren Experten im Auftrag von Greenpeace 25 der rund 400 Förderanlagen in der deutschen Bucht per Beobachtungsflug. Die Plattformen fördern ein Gemisch aus Öl, Gas und Wasser. Das Wasser wird vom Öl getrennt und als sogenanntes Produktionswasser ins Meer geleitet.

Unfall auch in der Nordsee jederzeit möglich
Das Ergebnis des Beobachtungsfluges ist nicht gerade positiv: „Eine Ölkatastrophe wie im Golf von Mexiko kann sich auch in der Nordsee jederzeit ereignen", sagt Meeresbiologe Christian Bussau von Greenpeace. „Regelmäßig kommt es bereits zu Unfällen auf Ölplattformen. Schlimmer als die Unfälle sind jedoch die chronischen Ölverschmutzungen. Rund um die Uhr wird schon im Normalbetrieb Öl in die Nordsee eingeleitet."

Letzten Zahlen der OSPAR (Oslo-Paris-Kommission zum Schutz des Nordost-Atlantiks) zufolge kam es im Jahr 2007 zu 515 Ölunfällen auf Plattformen im Nordostatlantik. 3.907 Tonnen Öl traten dabei aus. Zusätzlich wurden 9.596 Tonnen Öl durch den alltäglichen Förderbetrieb eingeleitet. Es enthält Restmengen an Öl. Schadstoffe aus dem Öl können in die Nahrungskette gelangen und sich beispielsweise in Würmern, Muscheln, Schlangensternen, Fischen, Seevögeln und Meeressäugern anreichern.

Riskante Tiefsee-Bohrungen auch in der Nordsee
Seit die Öl- und Gasreserven in der relativ flachen Nordsee nahezu erschöpft sind, dringen Ölkonzerne in immer größere Tiefen und arktische Regionen vor. Mit steigender Wassertiefe erhöht sich das Risiko von Unfällen. Besonders risikoreich ist die Ölförderung des BP-Konzerns mit Förderschiffen westlich der Shetland-Inseln.

Hier pumpt BP mit riesigen Förderschiffen, sogenannten FPSOs (Floating Production, Storage and Offloading), Öl aus über 400 Metern Wassertiefe. Die Schiffe sind durch flexible Steigleitungen mit dem Bohrloch verbunden. Am Meeresboden wird eine vergleichbare Technik mit Bohrlochköpfen (Wellheads) und Sicherheitsventilen wie an der explodierten BP-Plattform im Golf von Mexiko verwendet.

Im Falle eines Unfalls unerreichbar
„Falls es hier zu einem Unfall kommt, kann kein Mensch das Bohrloch erreichen", sagt Bussau. „Taucher können nur bis rund 200 Meter Tiefe arbeiten. Hier müsste, wie bisher erfolglos im Golf von Mexiko, mit unbemannten Unterwasser-Robotern operiert werden." Nach Ansicht der Experten zeige die aktuelle Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, dass die Risiken der Offshore-Ölförderung nicht kalkulierbar seien. Greenpeace forderte daher, dass keine neuen Genehmigungen zur Förderung von Öl und Gas in der Tiefsee erteilt werden.

Die stärksten Ölverschmutzungen hat Greenpeace bei den Plattformen Ninian Southern, Ninian Central, Tiffany (Canadian Natural Resources Limited), Dunlin (Fairfield Energy) und im Brent Feld (Shell) festgestellt.

Mehr zur Ölkatastrophe im Golf von Mexico.
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