Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Phosphor machte Urzeithimmel blau
Erosion spülte Nährstoffe ins Urmeer und förderte damit die Sauerstoffproduktion durch Algen
Eine vermehrte Düngung der Urzeitmeere durch Phosphor könnte der Auslöser für die ersten Algenblüten und damit die Anreicherung der Uratmosphäre mit Sauerstoff gewesen sein. Darauf deuten marine Ablagerungen von Phosphatgestein im Erdaltertum hin, die immer dann auftraten, wenn Kontinentalverschiebung und Gletscher besonders starke Erosion verursachten. Erst der von den Algen produzierte Sauerstoff veränderte allmählich den Urzeithimmel zum heutigen Himmelblau.

Der Urhimmel war zunächst vermutlich eher rötlich
Der Urhimmel war zunächst vermutlich eher rötlich
© SXC Der Urhimmel war zunächst vermutlich eher rötlich
Die Uratmosphäre der Erde enthielt noch kaum Sauerstoff dafür vermutlich reichlich Methan, das den Himmel eher orangerötlich als blau färbte. Die „Luft zum Atmen“ entwickelte sich erst im Laufe der Zeit in zwei Phasen: Vor 2,5 bis zwei Milliarden Jahren stiegen die Sauerstoffgehalte der Atmosphäre zunächst bis auf rund zehn Prozent des heutigen Werts. In dieser Zeit entwickelten sich die ersten einzelligen Organismen durch Aufnahme der Mitochondrien zu Eukaryonten weiter und begannen größer zu werden. Die zweite Phase der Sauerstoffzunahme folgte vor einer Milliarde bis 540 Millionen Jahren und brachte die Konzentrationen auf nahezu das heutige Niveau. Während dieser Phase – und vor allem mit Beginn des Kambrium – entwickelten sich die ersten mehrzelligen Lebewesen innerhalb kurzer Zeit zu großer Vielfalt.

Phosphatgestein zeugt von Algenblüten
Doch was löste diese Phasen der Sauerstoffzunahme jeweils aus? Diese Frage ist bis heute nur in Teilen geklärt. Forscher um Dominic Papineau von der Carnegie Institution for Science haben jetzt neue Erkenntnisse gewonnen. Sie analysierten phosphathaltiges Sedimentgestein, das sich im Proterozoikum vor 2,5 Milliarden bis 540 Millionen Jahren abgelagert hat. „Diese Zeitperiode ist für die Geschichte der Erde kritisch, weil es verschiedenen unabhängige Beweislinien gibt, die einen Anstieg des Sauerstoffs an seinem Beginn und Ende zeigen“, so Papineau.

Phosphatgestein aus dem Proterozoikum
Phosphatgestein aus dem Proterozoikum
© Carnegie Institution / Journal of Astrobiology
Phosphate finden sich heute vor allem in Sedimentgesteinen, die einst aus Ablagerungen am Meeresboden entstanden. Das Phosphat in ihnen stammt dabei vorwiegend aus den Relikten von abgesunkenen Meeresorganismen, vor allem Planktonalgen. Die Analyse von proterozoischem Sedimentgestein aus dem indischen Rajasthan enthüllte nun, dass immer dann besonders viel Phosphat abgelagert wurde, wenn einerseits starke Kontinentalverschiebungen und Vergletscherungen auftraten und gleichzeitig die Zusammensetzung der Atmosphäre sich besonders stark veränderte.

Zeitliche Parallelen zu Phasen erhöhter Erosion
„Phospatgestein bildete sich im Laufe der Erdgeschichte nur sporadisch“, erklärt Papineau. „Und es ist auffallend, dass ihr Vorkommen immer mit größeren biogeochemischen Veränderungen und signifikanten Sprüngen in der biologischen Evolution einhergeht.“ Seiner Ansicht nach könnten in diesen Phasen veränderte Erosions- und Verwitterungsmuster aufgetreten sein, die besonders viel Phosphor in die Meere gespült haben. Diese wie ein Düngemittel wirkende Nährstoffschwemme kurbelte in der Folge das Algenwachstum an. Die Algenblüten wiederum produzierten durch ihre Photosynthese erhöhte Mengen Sauerstoff, die sie an die Atmosphäre abgaben. Die Reste der Algen sanken auf den Meeresgrund hinab und wurden im Laufe der Zeit zu Phosphatgesten.

Sauerstoffproduktion angekurbelt
Während heute ein solcher Nährstoffeinstrom vielerorts zur Überdüngungen und sogar zum „Umkippen“ von Gewässern geführt hat, hätte diese allmähliche Anreicherung nach Ansicht des Forschers im Erdaltertum eine lebensspendende Wirkung gehabt. „Während des Proterozoikums ereignete sich dies über Zeitspannen von hunderten von Millionen Jahren und führte nach und nach zu einer immer sauerstoffreicheren Atmosphäre“, so Papineau. „Diese Sauerstoffzunahme hatte ohne Zweifel bedeutende Konsequenzen für die Evolution komplexen Lebens.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Urzeit, Atmosphäre, Sauerstoff, Phosphor, Gestein, Uratmosphäre, ERdgeschichte, Erdaltertum, Proterozoikum, Algen, Meer, Ozean, Sediment, Ablagerung, Geologie
Weitere News zum Thema
Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis (09.02.2012)
Satelliten vermessen Ausmaß der globalen Eisschmelze
Klimawandel verhindert Eiszeit (10.01.2012)
Ohne Klimawandel begänne die nächste Eiszeit schon in 1.500 Jahren
Neue Strömung treibt Süßwasser ins kanadische Nordmeer (05.01.2012)
Umverteilung senkt Salzgehalt der Beaufortsee auf Rekordtiefen
Säbelzahn-Raubtiere gab es mehrfach (05.01.2012)
Tödliche Kombination entwickelte sich mehrfach im Laufe der Evolution
Regenwald als Schmetterlingsparadies (23.12.2011)
Forscher entdecken in Ecuador und Costa Rica zahlreiche unbekannte Falterarten
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Gesteine
Erosion
Mineralien
Dossiers zum Thema
Aus für die Ursuppe?
Rätsel um die Entstehung des Lebens
Erosion und Verwitterung
Landschaft im Wandel
Massenaussterben
Katastrophale "Unfälle" der Evolution?
Grüne Kraftwerke
Wie die Pflanzen zu ihren Chloroplasten kamen
100 Jahre Plattentektonik
Alfred Wegener und seine Theorie
Die Erde nach uns
Was bleibt von der menschlichen Zivilisation?
News des Tages
Dinos: Wer kaut, bleibt klein
Weltraumteleskop entdeckt Loch im Weltall
Phosphor machte Urzeithimmel blau
Archaeopteryx auch chemisch Bindeglied zwischen Vögeln und Dinos
„Himmlische Hilfe“ gegen Kollisionen im Zugverkehr
Akupunktur verändert Schmerzreiz im Gehirn
Neuer Biokraftstoff aus Holz
Bücher zum Thema
Erdgeschichte
Spurensuche im Gestein von Peter Rothe
Eine kurze Geschichte der Erde
Eine Reise durch 5 Milliarden Jahre von J. D. Macdougall
Superkontinent
Das geheime Leben unseres Planeten: Eine abenteuerliche Reise durch die Erdgeschichte von Ted Nield
Die Erde nach uns
Der Mensch als Fossil der fernen Zukunft von Jan Zalasiewicz
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes