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Samstag, 16.12.2017
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Bonobos: Lieber teilen als einsam essen

Zwergschimpansen geben freiwillig und unaufgefordert Nahrung an Artgenossen ab

Wir wir Menschen essen auch Bonobos lieber in Gesellschaft. Sie teilen dafür ihr Futter selbst dann, wenn sie es nicht müssten. Das zeigt eine jetzt in der Fachzeitschrift Current Biology“ erschienene Studie. Sie belegt damit, dass das freiwillige und aktive Abgeben von Nahrung keine Domäne des Menschen ist.
Bonobo (Zwergschimpanse)

Bonobo (Zwergschimpanse)

Bonobos gehören wie ihre Schwestergruppe, die Schimpansen, zu den nächsten Verwandten des Menschen. Die auch als Zwergschimpansen bezeichneten Menschenaffen sind vor allem wegen ihrer ungewöhnlich friedlichen Art des Zusammenlebens bekannt. Nach dem Motto „make love, not war“ beenden sie viele Konfliktsituationen einfach durch Paarung. Jetzt haben Verhaltensforscher festgestellt, dass die Bonobos auch in Bezug auf ihr Essen ziemlich sozial handeln. Denn sie teilen auch dann, wenn sie weder dazu aufgefordert noch dazu genötigt werden.

„Es wurde bisher vermutet, dass nur der Mensch seine Nahrung freiwillig teilt“, erklärt Brian Hare von der Duke Universität in North Carolina. „Allerdings sind die Futterteilungs-Präferenzen der Bonobos daraufhin noch nie experimentell untersucht worden.“ Genau dies hat nun ein Forscherteam um Hare und seine Kollegin Suzy Kwetuenda vom Lola ya Bonobo Sanctuary for Orphaned Bonobos in der Demokratischen Republik Kongo untersucht.

Mahlzeit lieber gemeinsam mit dem Nachbarn


In den Versuchen saßen jeweils zwei nicht miteinander verwandte, hungrige Bonobos in benachbarten Gehegen. Einer der beiden bekam Futter und konnte sich entscheiden, es entweder sofort zu essen, oder aber die Verbindungstür zum Nachbarkäfig aufzuschließen und sein Futter mit seinem Artgenossen zu teilen. „Wir stellten fest, dass die Tiere es vorzogen, freiwillig die Tür zum Nachbarkäfig zu öffnen und die hoch begehrte Nahrung zu teilen – obwohl sie sie problemlos allein hätten essen können“, erklärt Hare. „Es gab dabei in keinem der Versuche Anzeichen für Aggression, Frustration oder Zögern.“


Teilen trotz Futterliebe


„Diese durchgängige Teilungsverhalten ist besonders erstaunlich, weil die Bonobos in anderen Zusammenhängen sehr negativ auf Futterverlust reagieren und dafür sorgen, dass so etwas nicht passiert“, so Hare. Warum die Bonobos trotzdem freiwillig Futter abgeben und sich damit selbst benachteiligen, ist noch nicht klar. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte es sein, dass sie damit rechnen, im Gegenzug dann auch ihrerseits von anderen Artgenossen Futter zu bekommen.

Motivation noch unklar


Auch beim Menschen ist die Motivation für altruistisches, kooperatives Handeln noch immer nicht eindeutig verstanden und erklärt. „Angesichts der anhaltenden Debatte darüber, warum der Mensch die Motivation zum Teilen auch auf seine Kosten besitzt, wird es sicher noch einige Forschung brauchen, bis wir genauer wissen, welche psychologischen Mechanismen die Bonobos motivieren, freiwillig und zum eigenen Nachteil Futter abzugeben.“
(Duke University, 17.02.2010 - NPO)
 
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