Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Erosion: Wasser wirkt genauso stark wie Eis
Neue Studie widerlegt bisherige Annahmen einer stärkeren Eiserosion
Flüsse verändern die Landschaft ebenso stark und schnell wie Gletscher, die Erosionsraten von Wasser und Eis sind nahezu gleich groß. Das berichten kanadische Forscher jetzt in „Nature Geoscience“. Damit widerlegen sie bisherigen Annahmen, nach denen das Eis eine deutlich höhere erodierende Wirkung haben sollte.

Malaspina Gletscher
Malaspina Gletscher
© NASA Malaspina Gletscher
Gletscher bewegen sich zwar nur langsam, sie wirken dafür aber wie gewaltige Planierraupen: Was sich ihnen in den Weg stellt wird platt gewalzt oder mitgeschleppt. Meterdicke Findlinge, die während der Eiszeit über 1.000 Kilometer transportiert und dann abgelagert wurden, zeigen die Kraft des Eises. Doch auch das Wasser entwickelt im Laufe der Zeit gewaltige Kraft: Es kerbt tiefe Schluchten ein oder lässt Flüsse mäandrieren. Aber welche dieser beiden formenden Kräfte wirkt stärker? Bisher ging man davon aus, dass das Eis die Erdoberfläche deutlich schneller abträgt als Wasser.

Zehn Millimeter pro Jahr
Doch Michele Koppes und David Montgomery von der Universität von British Columbia haben nun diese bisherigen Annahmen widerlegt. Sie sammelten für ihre Studie Daten zur Erosion von Flüssen und Gletschern weltweit und verglichen diese – mit überraschendem Ergebnis: Wenn die unterschiedlichen relativen Flächen von Gletschergebieten und Flussbetten mit einbezogen wurden, lag die Menge der abgetragenen Oberfläche durch Wasser und Eis in der gleichen Größenordnung: Sie variierten von weniger als einem bis zu zehn Millimetern pro Jahr.

Störungen verstärken Erosion
Die Forscher stellten auch fest, dass die höchsten Erosionsraten immer dann auftraten, wenn Landschaften erst kürzlich gestört worden waren, entweder durch Vulkanausbrüche oder aber durch einen besonders schnellen Rückzug von Gletschern entlang von Küsten. Die höchsten Erosionswerte von Wasser und Eis bewegten sich in dem Bereich, in dem auch die Erosion durch landwirtschaftliche Nutzung – also durch den direkten Einfluss des Menschen – liegt. Nach Ansicht der Autoren zeigt dies, wie stark der Einfluss der Landwirtschaft auf die Erdoberfläche und die Entwicklung von Landschaften ist.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Erosion, Gletscher, Eis, Wasser, Flüsse, Landschaft, Abtragung, Schluchten, Talbildung, Geologie, Landschaftsformen, Erosionsrate, Küsten
Weitere News zum Thema
Die Anden wachsen nach Osten (15.12.2011)
Niederschlagsunterschiede prägen Entwicklung des südamerikanischen Gebirges
Merkur: Frische Löcher und alten Vulkanismus entdeckt (30.09.2011)
Messenger-Sonde liefert neue Erkenntnisse über den sonnennächsten Planeten
Asteroidenstaub erklärt Herkunft von Meteoriten (26.08.2011)
Forscher analysieren von der Hyabusa-Raumsonde zur Erde gebrachtes Material
Badestrände stören Nahrungskette in Seen (19.08.2011)
Uferbefestigungen senken Anzahl der Flachwasserbewohner deutlich
Asteroideneinschlag wahrscheinlicher als vor 250 Millionen Jahren (03.08.2011)
Neue Analyse widerlegt Hinweise auf sinkende Einschlagwahrscheinlichkeit
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Erosion
Künstliche Landschaften
Gesteine
Dossiers zum Thema
Erosion und Verwitterung
Landschaft im Wandel
Eiszeiten
Die frostige Vergangenheit der Erde...
Gletscher
Weiße Riesen auf dem Rückzug
Böden
Die dünne Haut der Erde
Dünen
Wandelnde Sandberge mit Geheimnissen
News des Tages
Gewitterwolken schießen ihre Blitze auch nach oben
Laser: Phononen statt Photonen
Vögel: Frauenpower statt Macho-Gehabe
Erosion: Wasser wirkt genauso stark wie Eis
Unbekannter Urzeitkrebs auf Lanzarote entdeckt
Warum "dickes" Blut vor Herzinfarkt schützen kann
Orang-Utans: Lebensraum weg bis 2020
Bücher zum Thema
Der bewegte Planet
Eine geologische Reise um die Erde von Richard Fortey
Landschafts formen
Unsere Erde im Wandel von Harald Frater
Physische Geographie Deutschlands
von Herbert Liedtke und Joachim Marcinek
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes