Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Auf dem Weg zu durchsichtigen Solarzellen
Simulation hilft bei Suche nach geeigneten Materialien
Wären Solarzellen durchsichtig, ließen sie sich auch auf Fensterscheiben und Hausfassaden anbringen. Damit dies realisiert werden kann, arbeiten Wissenschaftler daran, passende Materialien für transparente Elektronik zu entwickeln und so die Basis für durchsichtige Solarzellen zu legen.

Dotierungen im Halbleiter
Dotierungen im Halbleiter
© Fraunhofer-Gesellschaft Dotierungen im Halbleiter
Die Fensterscheibe eröffnet den Blick auf den Garten und das angrenzende Feld – und sieht aus wie jedes andere Fenster. Doch sie hat es in sich: Sie produziert Strom. Auch die Fassaden des Hauses nutzen die Sonne, um die Bewohner mit elektrischer Energie zu versorgen. So könnte die Stromversorgung der Zukunft aussehen. Die Fläche, die man zur Energiegewinnung nutzen könnte, würde durch transparente Solarzellen drastisch steigen.

Zwei transparente Leitertypen gesucht
Um die Vision von durchsichtigen Solarzellen und transparenter Elektronik real werden zu lassen, bräuchte man zwei verschiedene transparente Schichten: Solche, die den Strom über Elektronen leiten, die n-Leiter, und solche, in denen Elektronenlöcher für den Stromfluss sorgen, die p-Leiter. Um diese Materialien herzustellen, „verschmutzen“ oder dotieren die Ingenieure das Grundmaterial mit wenigen anderen Atomen. Je nachdem, welche Atome sie dafür verwenden, erhalten sie die unterschiedlich leitenden Materialien.

N-leitende transparente Stoffe sind Stand der Technik. Bei den p-Leitern sieht es allerdings schlecht aus: Die Leitfähigkeit ist zu gering, und oft hapert es auch an der Transparenz. Die Hersteller wünschen sich daher ein transparentes Grundmaterial, das sich gut n- und p-dotieren lässt. Für die n-Leiter verwendet man bisher vor allem Indium-Zinn-Oxid. Doch das ist eine teure Angelegenheit: Indium ist rar geworden, sein Preis hat sich seit 2002 verzehnfacht. Die Suche nach Ersatzstoffen läuft daher auf Hochtouren. Welche Stoffe eignen sich am besten? Womit dotiert man sie, um eine gute Leitfähigkeit zu erreichen? Wie sieht es mit der Transparenz aus?

Simulation hilft bei Materialsuche
Forscher des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik IWM haben im Verbundprojekt METCO mit weiteren Fraunhofer-Kollegen werkstoffphysikalische Modelle und Methoden entwickelt, die bei der Suche helfen. „Könnte man transparente p-Leiter mit ausreichender Leitfähigkeit herstellen, ließe sich komplett durchsichtige Elektronik herstellen“, sagt Wolfgang Körner, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IWM. Die Forscher ermitteln aus elektronenmikroskopischen Aufnahmen zunächst die Korngrenzen, die im Material am häufigsten vorkommen – also Unregelmäßigkeiten in der Kristallstruktur.

Diese Defektstrukturen werden Atom für Atom modelliert. Simulationsmethoden berechnen, wie die Elektronen in diesen Strukturen und damit im Festkörper verteilt sind. Aus den Daten extrahieren die Forscher, wie leitfähig und transparent das Material ist. „So konnten wir etwa herausfinden, dass Phosphor sich für eine p-Dotierung von Zinkoxid zwar eignet, Stickstoff jedoch vielversprechender ist“, erklärt Körner. Noch läuft die Suche auf Hochtouren. Doch möglicherweise schon bald ist das optimale Material gefunden und in Zukunft zieren transparente Solarmodule unsere Gebäude.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Solarenergie, Solarzellen, Transparenz, Halbleiter, Materialforschung, Photovoltaik, Erneuerbare Energien, Sonnenenergie
Weitere News zum Thema
Solarhelm liefert Strom beim Skifahren (24.01.2012)
Forschern gelingt Anpassung von dreidimensionalen Solarmodulen an die gekrümmte Fläche
Technologieförderung kann Klimaschutz billiger machen (20.09.2011)
Computersimulation belegt Wichtigkeit gezielter Fördermaßnahmen
Forscher drucken Solarzellen auf Papier (15.09.2011)
Günstige Herstellung könnte Solarzellen zum Massenprodukt machen
Solarenergie: Programm sagt Stromertrag voraus (20.07.2011)
Kleinräumige Vorhersage auf Basis von Wetterdaten hilft Stadtwerken bei der Planung
Erneuerbare Energien: Investitionen auf Rekordhoch (08.07.2011)
Entwicklungsländer im Jahr 2010 führend
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Ökostrom
Solarenergie
Dossiers zum Thema
Solarenergie
Das Öl der Zukunft
Wie grün ist der „grüne“ Strom?
Ein ökologisches Vorzeigeprodukt in der Diskussion
Brennstoffzellen
Alleskönner auf Wasserstoffbasis?
Erneuerbare Energien
Welche Zukunft haben die "Ressourcen der Zukunft"
News des Tages
Dunkle Materie in einer Galaxie „vermessen”
Vögel doch nicht Nachfahren der Dinos?
Rechenkünstler aus der Spiele-Welt löst Physikproblem
„Hexenmeister“ entschlüsselt Genom der Meeresmikroben
Auf dem Weg zu durchsichtigen Solarzellen
Walfleisch macht krank
Was das Immunsystem über Brustkrebs verrät
Bücher zum Thema
Was sind die Energien des 21. Jahrhunderts?
Der Wettlauf um die Lagerstätten von Hermann-Josef Wagner
Erneuerbare Energie
von Thomas Bührke und Roland Wengenmayr
Erneuerbare Energien und Alternative Kraftstoffe
Mit neuer Energie in die Zukunft von Sven Geitmann
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes