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Dienstag, 19.06.2018
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Eiszeitwelt Yucatan

Forscher rekonstruieren längst vergangene Lebenswelt

Zahn eines Mastodonten

Zahn eines Mastodonten

Die Halbinsel Yucatan galt lange Zeit als quasi fossilleer. Die im Urwaldboden enthaltenen Huminsäuren, wurde vermutet, haben Knochen und Schalenmaterial aufgelöst, Fossilien seien deshalb nicht zu finden. Dass unter dem Boden ein zweites Fossilarchiv mit ungleich besseren Erhaltungsmöglichkeiten existiert, war bis vor wenigen Jahren gänzlich unbekannt. Mittlerweile haben es technisch verbesserte Tauchausrüstungen möglich gemacht, selbst in tiefe und entlegene Bereiche dieser Höhlensysteme vorzudringen. In diesen früher als unerreichbar geltenden Regionen ließen sich erstaunliche fossile Entdeckungen machen. Sie zeichnen ein gänzlich neues Bild von der Vergangenheit der Halbinsel Yucatan.

Riesenfaultier

Riesenfaultier

Vielfältige prähistorische Tierwelt


Demnach war Yucatan damals bevölkert von eiszeitlichen Elefanten, von Lama-ähnlichen Kamelen, Riesenfaultieren und metergroßen Verwandten der heutigen Gürteltiere. Auch Pferde, Antilopen, Tapire, Füchse und Pumas lebten auf der Halbinsel. Die prähistorische Tierwelt belegt, dass Yucatan gegen Ende der letzten Eiszeit noch nicht von Urwald bedeckt war. Auf der Halbinsel erstreckten sich vielmehr offene und weitgehend trockene Savannen und Prärien. Sicher ist, dass es keine oberflächlichen Flüsse oder Seen auf Yucatan gab. Aufgrund des viel tiefer liegenden Grundwasserspiegels und der intensiven Verkarstung des kalkigen Untergrundes floss alles Wasser unterirdisch ab, vermutlich in Tiefen von mehreren Zehnermetern unter der heutigen Ebene. Dies belegen auch die bis in große Tiefen reichenden Tropfsteinbildungen.

Wie die Tiere, deren Knochen wir heute auffinden können, einst in die Höhlen gerieten, ist unklar. Einige stürzten womöglich in schlecht sichtbare tiefe Karstspalten und Dolinen, verletzten sich beim Fall und starben. Starke Regengüsse verfrachteten ihre Knochen sodann bis tief in die Höhlen hinein. Wieder andere Tiere zogen sich vielleicht zum Sterben in die Höhlen zurück und wurden dort als vollständige Skelette überliefert. Sicherlich suchten Tiere in den tiefen Senken auch nach Wasser oder versteckten sich vor Räubern. In jedem Fall gelangten die in Yucatan aufgefundenen Großsäuger zu einem Zeitpunkt in die Höhlen, als diese noch trocken lagen. Darauf deutet beispielsweise die teilweise Bedeckung der Knochen durch Sinter und Stalagmiten hin. Auch das Auftreten vollständiger oder weitgehend zusammenhängender Skelette ist ein Beleg dafür, dass die Höhlen damals noch nicht mit Wasser gefüllt waren. Denn wären die Leichen der Tiere erst nach dem Anstieg des Wassers in die Höhlen gespült worden, müssten ihre Knochen weit verstreut liegen und nach Größe oder Schwere sortiert sein.

Skelett eines Riesenfaultiers

Skelett eines Riesenfaultiers

Überflutung des Höhlensystems vor 11.000 Jahren


Auch dass Tierleichen langsam eindrifteten, ist eher unwahrscheinlich: Es scheint unmöglich, dass der dafür erforderliche Strömungstransport bis in die entlegenen Bereiche des unterirdischen Systems geführt haben könnte; zudem wären auch dann exponierte Teile des treibenden Kadavers im Laufe des Verwesungsprozesses abgefallen und getrennt vom Rest des Körpers abgelagert worden.

Die Überflutung des Höhlensystems ereignete sich vor etwa 11.000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit. Die Temperaturen stiegen damals weltweit schnell an, und die kilometerdicken eiszeitlichen Inlandgletscher, die bis dato noch weite Bereiche der nördlichen Halbkugel bedeckten und bis zum heutigen New York und Berlin reichten, tauten großflächig ab. In Yucatan stieg der Meeresspiegel vermutlich mehr als einhundert Meter – das muss katastrophal, innerhalb weniger hundert Jahre verlaufen sein.

Aussterben der Pflanzenfresser


Die enormen klimatischen Veränderungen hatten weitreichende Folgen für die Ökosysteme Nordamerikas, sie führten letztlich wohl auch dazu, dass alle großen Pflanzenfresser ausstarben. Auch von anderen Teilen Nordamerikas weiß man, dass Elefanten, Pferde, Riesenfaultiere und andere Bewohner der späteiszeitlichen Graslandschaften des Kontinentes vor etwa 11.000 Jahren verschwanden – zeitparallel zum Temperaturanstieg. Für das Aussterben dieser Tiere werden allerdings auch andere Ursachen diskutiert, etwa die Bejagung durch den Menschen oder der Einschlag eines Asteroiden.
Wolfgang Stinnesbeck / Forschungsmagazin „Ruperto Carola“ der Universität Heidelberg
Stand: 07.10.2011
 
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