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Freitag, 10.02.2012
Schutz vor Haien oder Schutz für Haie?
Elektro-Schild statt tödlicher Netze

Über 500 Haie sterben jährlich in australischen Treibnetzen, die Schwimmer und Surfer an den beliebten Badestränden Australiens vor Haiunfällen schützen sollen. Die auch für Schildkröten und Delphine tödlichen Netze sollten langhaltig von einem Abwehrsystem ersetzt werden, dass Haie durch elektrische Wellen von den Küsten vertreibt. Am 4. Februar 2006 hat die Regierung des Staates Queensland das System jedoch aufgrund von fehlenden Testergebnissen abgelehnt.

Schon vor knapp hundert Jahren wurde in Durban, an der Ostküste Südafrikas, der erste Haischutz-Zaun ins Meer gebaut. Dicke Metallstangen schützten die Schwimmer auf einem Strandabschnitt von 180 Metern Länge vor möglichen Angriffen der Haie. Die Region um Durban zählt mit Kappstadt zu den aktivsten Hai-Gebieten weltweit und hat daher schon eine lange Tradition in der Begegnung von Hai und Mensch. Nachdem die massiven Mauern und Zäune in den Buchten der starken Brandung nicht standhalten konnten wurden 1962 erstmals Treibnetze eingesetzt, die den Haien den Weg in die Badebuchten versperren sollten.

Heute sind 38 Strände der KwaZulu-Natal Küste mit insgesamt 320 Kilometern Strand durch Hai-Netze geschützt. Etwa 200 Meter lang und sechs Meter hoch, werden die Netze in einer Tiefe zwischen zehn und 14 Metern befestigt. Da die Netze nicht vollständig am Boden und der Meeresoberfläche abschließen, sind immer zwei bis drei hintereinander versetzt angebracht, um durch den Labyrinth-Effekt die Haie zum umkehren zu bewegen.

Schutznetze als Todesfalle
Die Netze mit einer Maschengröße von fast 50 Zentimetern schrecken die Haie jedoch nicht ab, sondern fangen alle größeren Meeresbewohner ein. Zwischen den Jahren 2000 und 2005 starben jährlich etwa 552 Haie, 110 Rochen, 25 Schildkröten und nahezu 70 Delphine, indem sie sich in dem Netz verfingen. Nur während der jährlichen Sardinen-Jagd werden die Netze aus den Gewässern entfernt, da Delphine und Haie sonst der Beute folgend zu Tausenden in den Netzen verenden. Doch auf Druck der Tourismusindustrie wird der Zeitraum mit „Eigenverantwortlichem Baden“ immer kürzer bemessen.

Das elektrische Schutzschild soll Haie abwehren 
Das elektrische Schutzschild soll Haie abwehren
© Shark Shield
Verantwortlich für den Schutz vor Haien in der Region, hat das Natal Sharks Board in den letzten Jahren die Netze mit akustischen Signalen oder Attrappen versehen, die zumindest die Delphine auf die Gefahr aufmerksam machen sollten. Erste Tests haben gezeigt, dass zumindest die Fangquote der Atlantischen Delphine um fast die Hälfte zurückgegangen ist. Zeitgleich wurden insgesamt 20 Prozent der Netze an wenig besuchten Stränden abgebaut, um das Risiko für die Meeressäuger zu verringern.

Bereits 1996 entwickelte das Natal Shark Board zusammen mit Meeresbiologen der Universität Kappstadt ein Gerät, das allein durch das Aussenden eines elektrischen Impulses die Haie vertreibt. Der Shark Protective Oceanic Device (POD) wurde ursprünglich für Berufstaucher entwickelt, die in haireichen Gewässern tagelang arbeiten müssen. Angetrieben von einer kleinen zwölf Volt Batterie wird zwischen einer Elektrode an der Schulter und einer am Fuß ein elektrisches Kraftfeld erzeugt, dass bis zu vier Meter weit reicht.

Die Strahlung greift den Hai an einem seiner empfindlichen Sinne an. Die Lorenzinischen Ampullen ermöglichen Haien in ihrer unmittelbaren Nähe bioelektrische Felder aufzuspüren, wie sie etwa von Muskelbewegungen erzeugt werden. Mit Kanälen und Schläuchen verbunden, sitzen im Bereich der Schnauze Poren, die Unterschiede in der Spannung von teilweise einem tausendstel Mikrovolt messen können.

Die empfindlichen Organe führen den Hai besonders im Nahbereich treffsicher zu Lebewesen, die möglicherweise seine Beute werden könnten. Nähert er sich jedoch einem Taucher mit POD wird mit jedem Zentimeter das elektrische Kraftfeld für seine Sensoren unerträglicher. Spätestens bei einer Distanz von zwei Metern führt die elektrische Strahlung bei den Haien zu Muskelverkrampfungen und -zuckungen, die es ihnen unmöglich machen in der Nähe des Tauchers zu bleiben. Innerhalb des Feldes können sie nicht überleben, aber sobald sie von ihrem Ziel ablassen normalisiert sich der Körper wieder und es bleiben keine Schäden zurück.

Elektronische Bodyguards zur Olympiade
Der berühmteste Einsatz des POD war bei der Olympiade im Jahr 2000, als die Triathleten im Hafenwasser von Sydney um die Medaille kämpften. Sechs Taucher mit PODs bildeten einen elektronischen „Schutzwall“ um die Schwimmer. Nachdem die australische Firma Seachange 2002 das Patent von den Südafrikanern kaufte, produzierten sie ähnliche Modelle als „Shark Shield“ zur Hai-Abwehr auch für Surfer, Schnorchler und Schwimmer. Bei internationalen Tests wurden blutige Fleischköder in Hai-reichen Gewässern ausgesetzt und die Weißen Haie erfolgreich mit dem Sender abgewehrt. Zurzeit werden speziell angefertigte Sender von Tauchern der australischen Navy und der amerikanischen Pazifikflotte genutzt.

Auch dieser Hai soll sich dann nicht näher heran trauen 
Auch dieser Hai soll sich dann nicht näher heran trauen
© Franz Hajek
Trotz der Testreihen und persönlichen Erfahrungsberichten bleiben einige Taucher immer noch skeptisch. So auch die Regierung des australischen Staates Queensland. Sie haben den Vorschlag abgelehnt ganze Schwimmbuchten mit den elektronischen „Barrieren“ vor Haien zu schützen, da die Tests noch nicht aussagekräftig genug seien. Die Regierung von Südafrika dagegen ist entschlossen, eine Alternative zu den tödlichen Netzen zu finden. Sie begann im Juli 2005 eine Zusammenarbeit mit Seachange, um gemeinsam eine elektronische Barriere für ganze Buchten zu entwickeln. Denn die Firma ist überzeugt mit ihrem Produkt die gleiche Sicherheit wie mit den Netzen gewährleisten zu können, ohne bis zu 1.000 Haie, Delphine und andere Meeresbewohner pro Jahr zu töten.

Aber auch die Tierschutzverbände sind noch zögerlich. Einerseits würden sie es begrüßen die Treibnetze als Todesgefahr endlich zu verbannen, andererseits sind die tatsächlichen Kurz- und Langzeitfolgen an den Tieren noch überhaupt nicht untersucht. Allerdings weisen die Helfer immer wieder auf das geringe Risiko eines Haiangriffs hin: 2004 starben nach 61 Haiunfällen sieben der Opfer, 2003 waren es sogar nur vier. Dagegen werden 150 Menschen pro Jahr von herabfallenden Kokosnüssen erschlagen.

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