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Freitag, 10.02.2012
Mal Land, mal Meer
Meeresspiegel- schwankungen

Eiszeit: Blick auf die Nordhalbkugel 
Eiszeit: Blick auf die Nordhalbkugel
© MMCD
Ein Blick zurück in die Zeit vor rund 20.000 Jahren: Die letzte Kaltzeit hat ihren Höhepunkt erreicht und das heutige Nordeuropa liegt unter einem mächtigen Eispanzer verborgen. Eine der größten Lasten trägt Skandinavien, dessen Gletschermassen fast drei Kilometer mächtig sind. Das Gewicht des Eises ist sogar so schwer, dass es das Festland mehr als 200 Meter in die Tiefe drückt. Erst mit dem Abschmelzen des Eises hebt sich der Festlandssockel langsam wie ein ehemals unter Wasser gedrückter Ballon wieder nach oben. Auch wenn das Eis längst verschwunden ist, hat sich Skandinavien davon geologisch bis heute noch nicht vollständig wieder erholt: Von der Auflast befreit, steigen auch heute noch einige Küstengebiete im nördlichen Bottnischen Meerbusen um bis zu einen Zentimeter pro Jahr zurück in die Höhe.

Küsten tiefer als heute
Die Eiskappen waren aber nicht nur nach heutigen Maßstäben unglaublich groß, sie banden zugleich auch riesige Mengen an Wasser. So lagen denn die Meeresspiegel damals nach Schätzungen von Forschern zwischen 100 bis sogar 180 Meter tiefer als heute. Wo sich zu jener Zeit noch Festland erstreckte, schwimmen nun Fische und umspült Wasser die Hinterlassenschaften der Gletscher. Wäre die Nordsee nicht von einem Gebirge aus Eis bedeckt gewesen, hätten die Steinzeitmenschen auf der Jagd nach Mammuts trockenen Fußes von Dänemark nach England spazieren können. Ebenso gehörten fast alle heutigen Schelfmeere von der nördlichen Adria über die Irische See bis hin zum Ärmelkanal zum Festland.

 Im Frühjahr blüht die Steppe
Im Frühjahr blüht die Steppe
© Edda Schlager  Im Frühjahr blüht die Steppe
Die Kontinentalränder lagen daher nicht immer wie heute unter Wasser verborgen. Phasen zwischen Meerbedeckung und Festland wechselten geologisch gesehen sogar relativ häufig. In Kaltzeiten konnten hier Pflanzen wachsen, Tiere leben oder die Verwitterung das Gestein erodieren. Archäologische Relikte belegen zudem die menschliche Besiedlung von heute unter dem Meeresspiegel liegenden Gebieten. So ging der Anstieg des Wassers nach der letzten Eiszeit mit mehreren Zentimetern pro Jahr sogar relativ schnell vonstatten und zwang die Menschen zur Flucht in höher gelegene Regionen – möglicherweise einer der Gründe für die zahlreichen Sintflutsagen verschiedenster Kulturkreise auf der ganzen Welt.

Die unterschiedlichen Meeresspiegelstände nagten durch Erosion und Abtragung an den jeweiligen Küstenlinien, die mal höher und mal tiefer lagen. Auf diese Weise entstanden auch die so genannten Küstenterrassen. Vergleichbar den Stufen einer Treppe bildete sich im Laufe der Zeit eine Abfolge von Steil- und Flachküsten. Jede Stufe repräsentiert die Stagnation des Meeresspiegels über einen längeren Zeitraum, in dem die Verwitterung die Landschaft gestalten konnte. Durch Hebungsprozesse sind solche Terrassen wie beispielsweise im Golf von Tarent in Süditalien heute auch schon einmal am Festland zu bewundern.

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