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Die Geologie der Kontinentalränder

Gebirge am Meeresgrund

Hohe Berge, tiefe Täler, flache Plateaus und schroffe Schluchten: wie auf den Kontinenten verbergen sich auch unter der Meeresoberfläche riesige Gebirgslandschaften. Die Kontinentalränder sind besonders zerklüftet und werden daher auch nach ihrem Gefälle in den küstennahen Schelf, den Kontinentalabhang und den Kontinentalfuß gegliedert. Als Übergangszone zwischen Festland und Tiefsee zählen sie zu den Ozeanen und sind mehrere hundert oder auch nur wenige Dutzend Kilometer breit.

Aktiv oder passiv – turbulent oder ruhig?

Subduktion ozeanischer Kruste in Südamerika © MMCD

Die Forscher von HERMES interessieren sich aber nicht nur für das Relief der Kontinentalränder sondern vor allem für deren geologische Vergangenheit. Hier trifft die junge ozeanische mit der vergleichsweise alten kontinentalen Erdkruste zusammen – Grund genug, dass es an diesen Kollisionszonen im wahrsten Sinne des Wortes auch schon einmal „heiß“ hergeht. Denn wenn der Kontinentalrand gleichzeitig auch mit einer Erdplattengrenze zusammenfällt, ergibt sich eine explosive Mischung wie beispielsweise im „pazifischen“ Feuerring zwischen Amerika und Asien. So schiebt sich vor der Westküste Südamerikas die ozeanische unter die kontinentale Platte. Durch diese so genannte Subduktion schmilzt das Gestein im Untergrund auf, bahnt sich als glutflüssiges Magma wieder einen Weg nach oben und entlädt sich in gewaltigen Vulkanausbrüchen. Solche Subduktionszonen bezeichnen Wissenschaftler daher auch als aktive Kontinentalränder.

Weitaus ruhiger geht es dagegen an den passiven Kontinenträndern wie vor der Atlantikküste Europas zu. Hier gibt es keine Vulkane und Erdbeben treten nur selten und in großen zeitlichen Abständen auf. Dies liegt daran, dass sich die Küstenzonen weit weg von den tektonisch aktiven Plattengrenzen und fast vollständig innerhalb der Lithosphärenplatten befinden. Eine Ausnahme bildet in Europa lediglich der südöstliche Mittelmeerraum, wo sich die Afrikanische unter die Eurasische Platte schiebt. Entsprechend häufig bebt daher auch in der Türkei und Griechenland die Erde und Vulkane wie der Ätna erhalten immer wieder Nachschub an Magma aus der Tiefe.

Bewegtes Europa

Mittelmeer © NASA/GSFC

Doch auch wenn es an den Kontinentalrändern Europas heute vergleichsweise ruhig zugeht, hat es auch hier bis vor einigen Millionen Jahren noch wesentlich mehr tektonische Aktivitäten gegeben. So ist das heutige Mittelmeer nur noch das kleine „Überbleibsel“ eines einstmals gewaltigen Meeres, das sich zwischen Europa und Afrika erstreckte. Durch die Subduktion wurde es jedoch im Laufe von Millionen Jahren immer kleiner und letztendlich bis auf den heutigen Rest im Untergrund „verschluckt“. Selbst die Alpen gehen auf tektonische Bewegungen zurück: durch den seitlichen Druck der Erdplatten brachen Krustenteile auseinander, brachten die ursprünglich geordneten Schichten des Untergrunds durcheinander und türmten die Gesteinmassen schließlich zu ihrer heutigen Größe auf.

Doch ob aktives Südeuropa oder passives Nordeuropa, jeder Kontinentalrand birgt aufgrund seiner geologischen Vergangenheit vermutlich einen wahren Schatz an Rohstoffen. Denn durch das Abtauchen und Aufschmelzen der ozeanischen Kruste lagern sich an solchen Subduktionszonen bevorzugt metallhaltige Mineralien und Sulfide ab. Im Mittelmeer vermuten Rohstoffexperten deshalb bislang unentdeckte Erzlagerstätten, wobei allerdings noch Unklarheit über Größe und Lage der Rohstoffvorkommen herrscht. Kein Wunder, dass daher auch die großen Erdölfirmen wie Statoil, BP, Schlummberger, Total, Norsk Hydro, Shell und Repsol das Meeresforschungsprojekt HERMES unterstützen. Sie erhoffen sich Erkenntnisse über die wirtschaftliche Nutzung mineralischer aber auch biologischer Ressourcen. Denn bei der zunehmenden Knappheit von Rohstoffen an Land könnten solche ozeanischen Lagerstätten in Zukunft durchaus interessant werden. Doch bis an eine Förderung am tiefen Meeresboden zu denken ist, bleibt vorerst die flache Nordsee mit ihren großen Erdöl- und Erdgasreserven Europas Schatzkammer Nummer eins.

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Stand: 16.12.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kontinentalränder
Forschung in Europas Unterwasserreich

Überblick
Das Wichtigste in Kürz

Zum Weiterlesen
Links und Literatur

Unbekannte Nachbarschaft
Über das Niemandsland am Meeresboden

Vom Strand bis in die Tiefsee
Eine Reise zu den Kontinentalabhängen

Von Sedimentfallen und Unterwasserlawinen
Wie Hangrutschungen die Kontinentränder verändern

„Grand Canyon“ unter Wasser
Von turbulenten Strömen und Kinderstuben

Kaltwasserkorallen im Nordmeer
Überlebenskünstler in der Tiefe

Gebirge am Meeresgrund
Die Geologie der Kontinentalränder

Mal Land, mal Meer
Meeresspiegel- schwankungen

Rülpsende Schlammvulkane
Methanhydrat: Lebensquell und Klimakiller

Süßwasser im Ozean
Kalte Quellen am Meeresgrund

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