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Freitag, 10.02.2012
Wenn der Boden den Bach runtergeht…
Plötzlicher Aufbruch oder schleichender Verfall

 
"Einschlag" eines Regentropfens
© USDA
Die Vegetationsdecke ist der natürliche Schutzschild des Bodens gegenüber der Erosion durch Wind und Wasser. Denn treffen Regentropfen auf ein Blatt, so wird die Wucht des Aufpralls abgebremst, das Wasser rinnt entweder am Stängel langsam zu Boden oder fällt aus geringer Höhe hinunter ohne großen Schaden anzurichten. Ihre verheerende Wirkung entfalten die Regentropfen hingegen auf vegetationsfreien Flächen oder auf Äckern mit weitständigen Reihenfrüchten wie Kartoffeln, Zuckerrüben oder Mais.


Himmlische Geschosse
Denn dort treffen die aus großer Höhe fallenden Regentropfen wie kleine Geschosse direkt auf die Erdoberfläche und schleudern die Bodenkörner bis zu eineinhalb Meter in die Höhe. An Hängen landen diese Teilchen häufig ein kleines Stückchen tiefer wieder auf der Erde – der Boden verlagert sich langsam hangabwärts.

Hinzu kommt der Bodenabtrag durch das oberflächlich abfließende Wasser. Dabei gilt: je steiler das Gelände, desto höher die Erosionswirkung. So kommt es bei der Verdoppelung des Gefälles von fünf Prozent auf zehn Prozent zu einer Verdreifachung des Bodenabtrags, bei einer Gefälleerhöhung von fünf Prozent auf 20 Prozent liegt die Bodenerosion sogar acht Mal höher. Im Extremfall können auf diese Weise rund 80 Tonnen Erde je Hektar und Jahr abgespült werden – dies entspricht immerhin einem halben Zentimeter Boden. Mit zum Teil dramatischen Folgen.

 Verlust wertvollen Ackerbodens
Verlust wertvollen Ackerbodens
© NRCS/USDA  Verlust wertvollen Ackerbodens
Denn was auf diese Weise innerhalb eines Jahres verloren geht, braucht je nach Klima und Ausgangsmaterial mehrere hundert Jahre zur Neubildung. Und nicht nur, dass der Bauer auf diese Weise sprichwörtlich den Boden unter den Füßen verliert – auch die Fruchtbarkeit der verbleibenden Ackerkrume nimmt rapide ab, da viele Nährstoffe selektiv ausgewaschen werden. So können die Ertragsverluste durch Erosion bis zu 30 Prozent der regulären Ernte betragen.

Höher als der Kölner Dom
Wissenschaftler haben errechnet, dass allein in Deutschland jährlich 50 Millionen Tonnen fruchtbare Bodenkrume ausgeblasen oder fortgespült werden. Wenn man alle Partikel zusammensammeln könnte, so ließe sich damit auf der Fläche eines Fußballfeldes ein über 300 Meter hoher Erdturm aufstapeln – fast doppelt so hoch wie der Kölner Dom. Auch wenn sich diese Erdmassen natürlich irgendwo wieder ablagern, so ist doch das jeweils in Jahrhunderten gewachsene Bodengefüge und der Nährstoffhaushalt zerstört.

Besonders anfällig sind Böden mit einem hohen Gehalt an Schluff und feinen Sanden, die mit einem Durchmesser von nur einigen Zehntel oder Hundertstel Millimetern dem Wasser nicht viel entgegenzusetzen haben. In steinigen Böden hingegen versickert das Regenwasser sehr schnell und auch tonhaltige Böden sind wegen ihrer hohen Wasserspeicherfähigkeit weniger von dieser so genannten Regentropfen- oder Splash-Erosion betroffen.

Wenn Berge ins Rutschen kommen
 Erdrutsch
Erdrutsch
© USGS
Doch was passiert, wenn nicht nur einzelne Bodenkörner sondern der gesamte Boden ins Rutschen gerät? Nicht immer muss es gleich zu so verheerenden Unglücken wie 1985 in Kolumbien kommen, wo durch eine ganze Serie von Bergrutschen über 25.000 Menschen ums Leben kamen. Doch ob groß oder klein, das Prinzip ist bei allen Massenbewegungen das gleiche. Denn solange der Boden nur feucht ist, hält die Oberflächenspannung eines dünnen Wasserfilms die Bodenteilchen zusammen und festigt so den Untergrund. Wenn allerdings überdurchschnittlich viel Niederschlag fällt, ist die Saugkraft des Bodens schnell erschöpft und das überschüssige Wasser drückt die Bodenkörner auseinander. Es fließt nicht nur oberflächig ab, sondern wirkt zugleich wie ein Schmiermittel und macht den Boden instabil. Eine Mixtur aus Wasser, Stein und Schlamm entsteht, die einmal in Bewegung gekommen nicht mehr aufzuhalten ist.

Weitaus ungefährlicher geht es hingegen beim so genannten Bodenkriechen zu, die langsamste Massenbewegung wassergesättigten Materials. Auch hier sind die oberen Bodenschichten mit Wasser getränkt und bewegen sich dem Hang folgend bergab. Doch mit dem bloßen Auge ist das Bodenkriechen nicht zu sehen, denn die Geschwindigkeit liegt zumeist bei weniger als einem Zentimeter pro Jahr. Erkennen lässt sich das Bodenkriechen am so genannten „Hakenschlagen“ der Bäume. Denn diese rutschen langsam mit ins Tal, wodurch die Stämme in Schräglage zum Hang geraten. Da Bäume aber stets zum Licht, also nach oben wachsen, erhält der Stamm in Bodennähe eine mehr oder weniger starke Krümmung, den so genannten Haken oder Säbel.

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