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Freitag, 10.02.2012
Das Universum unter uns
Wenn wieder mal der Wurm drin ist…

Kaum ein Kubikzentimeter Boden, in dem es nicht kreucht und fleucht – unter der Erde herrscht regelrecht Hochbetrieb. So leben allein in den obersten dreißig Zentimetern eines fruchtbaren Bodens eine Billiarde Bakterien pro Quadratmeter. Würde man diese „Zwerge“ zu einer langen Kette aneinander reihen, so könnte man diese 25mal um den Erdball legen. Und wer kennt auch nur eine der circa 10.000 im Boden lebenden Milbenarten? Sogar 95 Prozent aller Insekten durchlaufen in ihrer Entwicklung ein Boden bewohnendes Stadium. Grund genug, einmal genauer hinzuschauen.

Auch Kleinvieh macht Mist
 Regenwurm
Regenwurm
© NRCS/USDA  Regenwurm
Die bekanntesten Bodenbewohner sind sicherlich die Regenwürmer. Sie fressen sich förmlich durch den Boden und verbessern durch ihre Losung sowohl die Bodenstruktur als auch den Nährstoffgehalt. Nebenbei verpassen die kleinen Helfer dem Boden völlig kostenlos eine Sauerstoffdusche und legen ein weit verzweigtes Leitungsnetz für das Regenwasser an. Denn als wahre Tunnelkünstler dringen sie mehrere Meter in die Tiefe vor und transportieren dabei Luft und organisches Material von der Oberfläche nach unten. Dabei sind Regenwürmer nicht nur fleißig sondern auch zahlreich: rund einhundert Würmer befinden sich in einem fruchtbaren Kubikmeter Gartenerde. Im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr tragbar ist die Menge aller Würmer, die sich auf einem Hektar intakter Almwiesen tummeln. Sie bringen umgerechnet das Gewicht zweier Kühe auf die Waage.

Ähnliche Ingenieursleistungen vollbringen die kleinen Verwandten der Regenwürmer, die Enchytraeiden oder Kleinringelwürmer. Sie sind nur vier bis 40 Millimeter lang, dafür aber wesentlich häufiger im Boden anzutreffen. Im Gegensatz zu den Regenwürmer fühlen sie sich auch im sauren Milieu wie unter dichtem Nadelwald wohl. Dort legen sie feine Gangsysteme an und produzieren durch ihre Losung wertvolle Ton-Humus-Komplexe. Neben den Würmern mischen aber vor allem unzählige Insekten und Mikroorganismen den Boden auf: Springschwänze, Asseln, Tausendfüßer, Geißeltierchen, Wurzelfüßer oder Wimpertierchen – scheinbar endlos ist die Liste der unterirdischen Bodenarbeiter. Wie an der Oberfläche gibt es auch hier einen bunten Mix aus Jäger und Gejagten, Pflanzenfressern und Schmarotzern. Völlig kostenlos recyceln sie jeglichen organischen Abfall und wandeln ihn in Nährstoffe und Humus um.

Netzwerk unter Tage
 Mycorrhiza (weiß) an Pflanzenwurzeln (braun)
Mycorrhiza (weiß) an Pflanzenwurzeln (braun)
© NRCS/USDA  Mycorrhiza (weiß) an Pflanzenwurzeln (braun)
Überraschenderweise könnten aber die wenigsten Pflanzen diese Nährstoffe auch tatsächlich aufnehmen, wenn sie auf sich allein gestellt wären. Denn schätzungsweise 80 Prozent aller Landpflanzen sind auf die Zusammenarbeit mit Wurzelpilzen, der so genannten Mycorrhiza angewiesen. Die feinen Pilzfäden umspannen die Wurzeln wie mit einem feinen Garn und lösen den im Boden vorhandenen Stickstoff und Phosphor auf. Diesen geben sie an die Wurzeln weiter und beziehen als Gegenleistung wertvolle Kohlenhydrate, die der nicht selbst herstellen kann.

Vermutlich ermöglichte erst diese Symbiose aus gegenseitiger Nährstofflieferung den Pflanzen in der Evolution den Aufbruch vom Meer ans Land. Wer daher das nächste Mal im Wald einen Pilzkopf sieht, sollte daran denken, dass ohne dessen unterirdische Meisterleistung der nächststehende Baum vermutlich nicht existieren würde.

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